Die Selbstgerechten

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Selbstgerechten
Autor(en): Sahra Wagenknecht
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Campus
Serie:
Erscheinungsjahr: 2021
Seitenanzahl: 345 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3593513900
ISBN-13/

EAN-Code:

9783593513904
Schlagwörter: Gemeinsinn, Linke, Zusammenhalt, Spaltung
Sachgebiete: Sachbuch, Zeitdiagnose
Rezensionen
Umschlag

Die Selbstgerechten. Mein Gegenprogramm – für Gemeinsinn und Zusammenhalt ist das 2021 bei Campus erschienene politische Buch von Sahra Wagenknecht. Die Abgeordnete der Linkspartei grenzt die ältere, von der Arbeiterschicht getragene Linke – sie nennt Jeremy Corbyn und Jean-Luc Mélenchon – von den »Lifestyle-Linken« ab, den Linken des Lebensstils, die das öffentliche Bild beherrschten und vor allem die akademische Mittelschicht ansprachen. Diversität, Antirassismus, offene Grenzen und Klimaschutz verdrängten die Klassenpolitik; Privilegien würden als Tugenden ausgegeben. Das Buch stand Monate auf der Spiegel-Liste der meistverkauften Sachbücher und spaltete ihre Partei im Wahljahr.

Inhalt

Wagenknecht schreibt gegen eine Linke, die moralische Haltung an die Stelle der Umverteilung setzt und abweichende Meinungen durch öffentliches Mundtotmachen stumm schaltet. Der Linksliberalismus, den sich diese Milieus zuschreiben, sei weder links noch liberal. Nach 1945 habe die nivellierte Mittelstandsgesellschaft den Aufstieg als gemeinsame Möglichkeit erscheinen lassen; neoliberale Reformen, Globalisierung und der Abbau der Industriearbeit hätten Arbeiter in schlechter bezahlte Dienste gedrängt, während eine Wissensgesellschaft Akademiker belohnte. Soziale Herkunft, Habitus und Sprache schlössen andere aus. Die akademische Mittelschicht kenne existentielle Not nicht und treffe in den teuren Städten die Unterschicht kaum noch. Deshalb fehle ihr der Sinn für Lagen, in denen Migration oder Klimamaßnahmen anders erfahren werden als am Schreibtisch.

Nancy Frasers Formel vom fortschrittlichen Wirtschaftsliberalismus dient als Schlüssel: Weltoffenheit rechtfertige Freihandel und Rendite, der Schutz heimischer Arbeit gelte als nationalistisch. Identitätspolitik und Vielkulturenlehre schwächten den Zusammenhalt, den Gewerkschaften bräuchten; Spaltung der Belegschaft nach Herkunft sei ein altes Mittel gegen Streiks. Offene Grenzen erzeugten in den Herkunftsländern den Abzug der Gebildeten, in den Ankunftsländern Lohndruck unten. Asyl helfe den Mobilen, nicht den Ärmsten vor Ort. Deshalb wanderten ehemalige Arbeiter, einfache Dienstleute und auch Gutverdiener in sinnleeren Beschäftigungen – Wagenknecht verweist auf Bullshit Jobs – zu rechten Parteien, oft aus Protest, nicht aus Gesinnung. Umfragen zeigten, so die Autorin, dass viele sozioökonomisch links und kulturell liberaler seien als vor Jahrzehnten.

Der zweite Teil fordert einen starken Nationalstaat, gemeinsame kulturelle Überlieferung und einen Sozialstaat, der mehr als Mindestsicherung bietet. Wagenknecht nennt das linkskonservativ. Europäische Integration sieht sie skeptisch, weil demokratische Kontrolle und Lobbyismus auseinanderklaffen. Sie will Volksentscheide, eine zweite Kammer per Los, Zerschlagung von Konzernen im Geist der Freiburger Schule, öffentliche Daseinsvorsorge ohne Rendite, Regulierung der Finanzmärkte und der Digitalkonzerne, Unternehmen als Stiftungen, in denen Kapitalgeber nur Kredit geben: Leistungseigentum. Unsicher wird das Buch, wo aus Milieuskizze Feindbild wird und aus richtiger Kritik an abgehobener Moral ein Gegensatz von Klasse gegen Klima, Herkunft, Geschlecht. Die linguistische Analyse hat Polemik, unscharfe Begriffe und falsche Dilemmata beschrieben. Wagenknecht weiß, dass sie scharf formuliert, und beharrt darauf, dass ohne die alte soziale Frage die Linke ihre Wähler verliert.

Einordnung

Im Spiegel nannte Tobias Becker das Buch gehaltvoller als die meisten Politikerbücher und selbstgerecht in der Form. Hans Werner Kilz und Denis Scheck lobten die Analyse; Dafni Tokas warf der Autorin vor, Arme gegen Arme auszuspielen. Innerhalb der Linkspartei las Niema Movassat eine Kriegserklärung an junge Wähler, Bernd Riexinger eine holzschnittartige Milieuanalyse gegen verbindende Klassenpolitik. Loren Balhorn hielt den Text für ernstzunehmen und den Zeitpunkt im Wahljahr für spalterisch. Die Fernsehsatire nahm sich des Feindbilds der Linken des Lebensstils an.

Das Buch gehört in die Reihe zeitdiagnostischer Streitbücher, die eine Linke von links oder von der sozialen Frage her kritisieren. Es hat Begriffe verschoben – Lebensstil-Linke, linkskonservativ – und die Autorin auf den Weg zu einer eigenen Sammelbewegung gesetzt. Geblieben ist die Behauptung, dass moralische Überlegenheit ohne Umverteilung Herrschaft der Bessergebildeten ist, und die Gegenrechnung, dass man Klimaschutz, Antirassismus und soziale Sicherung nicht gegeneinander aufrechnen muss. Die Campus-Ausgabe hat einen parteiinternen Konflikt zum öffentlichen gemacht. Die Spaltung, die Wagenknecht den anderen vorwirft, hat das Buch in der eigenen Partei vollzogen; die soziale Frage, die es anmahnt, ist dadurch nicht erledigt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.