Die Mars-Chroniken

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Mars-Chroniken
Autor(en): Ray Bradbury
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Diogenes
Serie:
Erscheinungsjahr: 1950
Seitenanzahl: 384 Seiten
Originaltitel: The Martian Chronicles
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 3257208634
ISBN-13/

EAN-Code:

9783257208634
Schlagwörter: Mars, Siedlung, Erinnerung, Erde
Sachgebiete: Erzählung
Rezensionen
Umschlag

Die Mars-Chroniken sind der Erzählungszyklus von Ray Bradbury, 1950 als The Martian Chronicles erschienen, eine Folge von Fahrten, Siedlungen und Niederlagen auf einem Mars, der eher Traum als Gestein ist. Zuerst kommen Raumfahrer, dann Pioniere, dann Außenseiter, zuletzt die Überlebenden eines Krieges, der die Erde verbraucht hat. Bradbury hat keine technische Eroberung geschrieben, sondern die Wiederholung der irdischen Geschichte in dünnerer Luft: Vertreibung, Wehmut, die Sehnsucht, woanders derselbe zu bleiben. Die Stücke stehen für sich und ergeben nacheinander eine Chronik. Deutsch bei Diogenes, oft als Roman angeboten, bleiben sie Erzählungen, die ineinanderhaken. Neben Fahrenheit 451 ist dies Bradburys anderes Hauptbuch: dort das Feuer gegen die Schrift, hier der Planet als Spiegel.

Inhalt

Die ersten Expeditionen landen auf einem Mars der Kanäle, kristallenen Städte und einer alten, telepathischen Bevölkerung, die die Ankömmlinge mit Erinnerungen täuscht, krank macht oder tötet, weil sie die Ansteckung durch die Erde fürchtet. Bradbury gibt den Marsmenschen Würde und Untergang: Eine spätere Welle bringt Windpocken mit, und die Städte leeren sich. Es folgen Siedler aus Amerika, die Würstchen, Kirchen und Rassentrennung mitbringen, als wäre der Planet eine weitere Grenze im Westen. Ein Mann pflanzt Bäume. Ein anderer hört in den Nächten die alten Stimmen. Schwarze Siedler suchen einen Mars ohne die Demütigung der Herkunft; Bradbury erzählt das als Hoffnung und als Ironie, weil die Erde ihre Konflikte im Gepäck hat.

In der Mitte des Zyklus ist der Mars eine Kolonie mit Bürokratie, Langeweile und der Sehnsucht nach Ohio. Einzelne Erzählungen halten: der Marsianer, der in jeder Stadt ein anderer Toter zu sein scheint; das Haus, das ohne Familie weiterfunktioniert; die Nacht, in der die Siedler die Raketen heimwärts sehen, weil auf der Erde der große Krieg begonnen hat. Die Funksprüche reißen ab. Wer auf dem Mars bleibt, bleibt in einer Stille, die nicht Frieden ist. Bradbury schreibt diese Stücke als Chronik mit Daten, die eine Zukunft der zwei tausender Jahre meinen und heute Vergangenheit sind; die Daten schaden dem Buch nicht, weil es nie um Prognose ging.

Am Ende kommen wenige Überlebende der zerstörten Erde, sehen in einem Kanal ihr Spiegelbild und nennen sich die neuen Marsmenschen. Der Satz ist kein Sieg. Er ist die Einsicht, dass Flucht den Charakter nicht wechselt, höchstens den Himmel. Der Zyklus schließt mit einer Familie, die die irdischen Karten verbrennt und den Kindern sagt, sie sollten in das Wasser sehen: dort seien sie. Bradbury hat der Kolonisation keine Flagge gegeben. Er hat ihr die Melancholie gegeben, die seine Prosa trägt – Sommernächte, Staub, das Geräusch einer Tür in einer toten Stadt. Wer eine fortlaufende Handlung mit einem Helden sucht, findet stattdessen Wiederkehr: jede Landung eine Variation der vorigen Hybris.

Einordnung

Bradbury hat die Zukunftsliteratur von der Maschine weg- und zur Erinnerung hingeführt. Der Mars ist Illinois im Traum, die Siedlung eine Wiederholung der westlichen Landnahme, die er als Kind aus Büchern kannte und als Erwachsener nicht feierte. Gegen die harte Schule der technischen Spekulation steht hier die weiche, die den Planeten braucht, um die Erde zu tadeln. Der Zyklus gehört neben Fahrenheit 451 und den Sommergeschichten seiner Kindheit in Illinois zu dem, was man Bradburys Mythos des Mittleren Westens nennen kann, nur eben auf den Mars verschoben. Verfilmungen und Fernsehfassungen haben aus den Stücken oft eine einzige Serie gemacht; die Brüche sind die Form.

Im Kalten Krieg las man den Erdenkrieg als Atomangst; später las man die Vertreibung der Marsianer als Kolonialkritik, die das Buch halb leistet, halb als Märchen erzählt. Beides liegt im Text. Diogenes hält die überarbeitete deutsche Fassung als Taschenbuch der langen Dauer. Wer nach Bradbury über den Mars spricht, spricht hinter diesen Chroniken, auch wenn die Raumsonden seither Steine gezeigt haben, keine Kanäle. Die Steine widerlegen das Buch nicht. Es hat nie behauptet, dort zu sein. Es hat behauptet, dass wir uns mitnehmen, wohin wir auch fliegen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.