Die Geschwister Oppermann
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die Geschwister Oppermann |
| Autor(en): | Lion Feuchtwanger |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Aufbau |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1933 |
| Seitenanzahl: | 381 Seiten |
| Originaltitel: | Die Geschwister Oppermann |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3746656303 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783746656304 |
| Schlagwörter: | Berlin, Exil, Judentum, Machtergreifung |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Die Geschwister Oppermann ist der 1933 im Amsterdamer Querido-Verlag erschienene Roman von Lion Feuchtwanger über eine Berliner jüdische Familie in den Monaten der nationalsozialistischen Machtübernahme. Der erste Druck hieß noch Die Geschwister Oppenheim; Feuchtwanger änderte den Namen, nachdem ein gleichnamiges Kaufhaus gegen die Verwendung protestiert hatte. Der Band ist der Mittelteil der Wartesaal-Trilogie, zwischen Erfolg und Exil, und wurde geschrieben, während die Ereignisse, die er erzählt, noch nicht abgeschlossen waren. Klaus Mann nannte ihn die wirkungsvollste erzählerische Darstellung der deutschen Kalamität. Das Buch ist kein Rückblick aus sicherer Distanz, sondern ein Bericht auf der Höhe der Katastrophe, in dem Gebildete immer noch glauben, der Spuk gehe vorüber.
Inhalt
Die Oppermanns sind in Berlin angesehen: Gustav, der älteste, lebt als Privatgelehrter von Möbeln, Büchern und einer Biographie des Lessing-Zeitgenossen Gotthold Ephraim; Martin führt das Möbelhaus, das der Großvater gegründet hat; Edgar ist ein bekannter Arzt. Die jüngere Schwester Klara ist mit dem Ostjuden Jacques Lavendel verheiratet, der klarer sieht als die assimilierten Brüder. Im Herbst 1932 scheint die Republik noch haltbar: Man diskutiert, man wählt, man hält den Nationalsozialismus für eine Krankheit des Kleinbürgertums, die an der Vernunft der Gebildeten abprallen muss. Gustav will nach Palästina reisen und schiebt die Abreise auf. Martins Sohn Berthold, Gymnasiast, gerät an den neuen Lehrer Vogelsang, einen Nationalsozialisten, der von den Schülern ein Heldengedenken verlangt, das die deutsche Geschichte säubert.
Berthold soll einen Vortrag über Arminius halten und gerät in die Falle: Sagt er, was Vogelsang hören will, verrät er den Unterricht, den er für wahr hält; sagt er die Wahrheit, wird er denunziert. Er wählt den Freitod. Die Familie begreift den Tod zuerst als Unglück eines überspannten Jungen, nicht als Politik, die bis in die Schulbank reicht. Nach dem Januar 1933 folgen Boykott, Hausdurchsuchungen, die Gleichschaltung der Verbände. Martin wird gezwungen, das Geschäft unter Wert abzugeben; Edgar verliert die Klinik, weil Patienten und Kollegen ihn fallen lassen. Gustav, der lange in der Bibliothek Zuflucht sucht, wird denunziert, verhaftet und im Lager gebrochen. Er kommt frei, erkennt Deutschland nicht mehr und geht.
Im Exil, zuerst in der Schweiz, dann weiter, treffen sich die Überlebenden als Gäste auf unbestimmte Zeit. Lavendel hat Geld und Nüchternheit gerettet; die anderen tragen Titel, die nichts mehr gelten. Gustav kehrt, gegen allen Rat, noch einmal nach Deutschland zurück, als wolle er prüfen, ob das Land ihn braucht – und stirbt an den Folgen der Haft und der Enttäuschung. Feuchtwanger verteilt die Stimmen: der nationalsozialistische Schwager, der opportunistische Konkurrent, der gutwillige nichtjüdische Freund, der zu spät hilft. Niemand in dieser Familie ist Held im rhetorischen Sinn; sie sind Bürger, die ihre Bildung für eine Versicherung hielten. Der Roman schließt nicht mit der Ankunft in einer neuen Heimat, sondern mit der Einsicht, dass der Wartesaal das eigentliche Domizil geworden ist.
Einordnung
Feuchtwanger hat den Familienroman benutzt, um die Machtergreifung als Vorgang in Wohnzimmern, Klassenzimmern und Chefzimmern sichtbar zu machen, nicht als Abstraktum. Die Stärke des Buches liegt in der Gleichzeitigkeit: Während Berthold den Aufsatz schreibt, werden draußen Mandate verteilt; während Gustav Lessing zitiert, ändert sich das Strafrecht. Gegenüber späteren Exilromanen, die das Ankommen erzählen, bleibt Die Geschwister Oppermann im Augenblick des Verlusts. Die Trilogie rahmt den Band zwischen der bayerischen Republik von Erfolg und dem Pariser Exil; zusammen lesen sie die Weimarer Jahre als eine Zeit, in der man wartet und darüber die Abfahrt versäumt. In Amsterdam gedruckt, in Deutschland verboten, wurde das Buch sogleich übersetzt und als Zeugnis gelesen, noch bevor die Lager den Satz vom unfassbaren Umschwung überholten.
Die Fernsehverfilmung von 1983 mit Wolfgang Kieling und Michael Degen hat den Stoff einer Nachkriegsöffentlichkeit zurückgegeben, die den Roman oft nur dem Namen nach kannte. Wer Feuchtwangers Jud Süß für das Maß seiner Geschichtserzählung hält, trifft hier eine andere Temperatur: keine ferne Hofintrige, sondern die eigene Straße. Neben Jugend ohne Gott und Jeder stirbt für sich allein gehört der Band zu den deutschen Büchern, die 1933 nicht als Schicksal, sondern als Folge von Entschlüssen zeigen – der Täter, der Mitläufer und der Zögernden. Wer nach der jüdischen Berliner Bourgeoisie in diesem Jahr fragt, kommt an den Oppermanns nicht vorbei.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
