Die Ermittlung
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die Ermittlung |
| Autor(en): | Peter Weiss |
| Originaltitel: | Die Ermittlung |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1965 |
| Schlagwörter: | Auschwitz, Oratorium, Frankfurt, Prozess |
| Sachgebiete: | Drama |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | edition suhrkamp |
| Umfang dieser Ausgabe: | 208 Seiten |
| ISBN: | 9783518100196 |
| Verweise | |
Die Ermittlung ist ein Oratorium in elf Gesängen von Peter Weiss, 1965 in mehreren Städten zugleich uraufgeführt. Der Text folgt dem Frankfurter Auschwitz-Prozess und gibt dem Gericht die Form einer Passion, in der die Zeugen sprechen und die Angeklagten bleiben, was sie waren.
Inhalt
Die Bühne ist ein Gericht ohne Kulisse: Richter, Ankläger, Verteidiger, Angeklagte, Zeugen. Die Gesänge tragen die Namen der Stationen des Lagers – die Rampe, das Lager, die Schaukel, das Phenol, der Zyklon B, der Feuerofen – und führen die Hörer den Weg, den die Akten schon gegangen sind. Weiss hat aus Protokollen geformt, nicht erfunden: Sätze der Überlebenden, Sätze der Wachmänner, Sätze der Ärzte, die töten und messen. Die Zeugen haben oft keine Namen, nur Nummern und Funktionen; die Angeklagten behalten die ihren. Das Oratorium gibt dem Verfahren den Atem einer kirchlichen Form, ohne Trost zu spenden. Wer eintritt, geht mit.
Zwischen den Gesängen steht keine Pause der Moral. Der Verteidiger bestreitet, der Angeklagte erinnert sich nicht, der Zeuge erinnert sich zu genau, um angehört zu werden, ohne dass der Saal sich wehrt. Weiss zeigt, wie die Sprache der Verwaltung den Mord trägt: Dienst, Befehl, Möglichkeit, Lagerordnung. Die Schaukel, das Phenol, die Rampe sind keine Metaphern, sondern Vorrichtungen. Das Stück nennt die Täter nicht als Ungeheuer von außen, sondern als Männer, die nach 1945 in der Bundesrepublik wohnten, Firmen leiteten, als Ärzte praktizierten, bis Frankfurt sie wieder vorführte. Der Prozess dauerte von 1963 bis 1965; das Oratorium kam, bevor das Urteil gesprochen war.
Am Ende steht keine Katharsis. Die Angeklagten wiederholen ihre Unzuständigkeit, der Chor der Zeugen hat gesprochen, das Lager ist vermessen. Weiss lässt das Parkett nicht mit dem Gefühl entlassen, es habe teilgenommen, indem es erschrak. Die Form des Oratoriums – Gesang, Wiederholung, Station – zwingt zum Anhören, nicht zum Mitweinen. Wer nach der letzten Zeile weiß, wie das Lager gebaut war, hat den Text verstanden; wer nur erschüttert ist, hat die Angeklagten schon wieder aus dem Blick verloren, die in denselben Städten lebten wie das Publikum.
Einordnung
Weiss hat dem Dokumentartheater der sechziger Jahre die strengste Form gegeben: kein Spiel im Spiel, keine erfundene Figur, ein Oratorium aus dem Frankfurter Saal. Gegen Die Ästhetik des Widerstands, die den Widerstand als Romanblock denkt, ist die Ermittlung der Block der Täter und der Toten, ohne den der Roman die Lager nicht hätte nachtragen können. Die Simultanpremieren 1965 machten aus dem Stück eine bundesdeutsche Versammlung. Wer nach Weiss Auschwitz auf die Bühne bringt, ohne die Akten zu hören, spielt hinter diesem Oratorium. Wer die Akten nur als Erschütterung will, hat die Angeklagten nicht gesehen, die nach dem Prozess nach Hause gingen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
