Die Aula
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die Aula |
| Autor(en): | Hermann Kant |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Aufbau |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1965 |
| Seitenanzahl: | 448 Seiten |
| Originaltitel: | Die Aula |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 374662889X |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783746628899 |
| Schlagwörter: | Fakultät, Erinnerung, DDR, Rede |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Die Aula ist der 1965 erschienene Roman von Hermann Kant, nach einem Vorabdruck 1964, das meistgelesene Buch der DDR-Prosa über die Arbeiter-und-Bauern-Fakultät. Der Journalist Robert Iswall soll eine Rede zur Schließung der ABF halten und gerät in die Erinnerung an die Jahre 1949 bis 1952, als Elektriker und Kriegsheimkehrer das Abitur nachholten, und in die Gegenwart 1962, in der die Absolventen Ärzte, Chemiker, Funktionäre sind oder in Hamburg hinter einem Tresen stehen. Kant hat Ironie, Anekdote und Parteisprache gemischt, wo der sozialistische Realismus die glatte Linie wollte. Über eine Million Exemplare, Übersetzungen, Streit in Ost und West: Das Buch ist Ankunftsliteratur und Bildungsroman der neuen Klasse, mit einem Helden, der Hemingway liest und einen Freund verrät.
Inhalt
Iswall, Literaturkritiker, kramt Fotografien, fährt zu ehemaligen Kommilitonen, geht durch die Universitätsstadt an der Ostsee. Die Arbeitsgruppe A1 von 1949: vierunddreißig Schüler, älter als Gymnasiasten, vom Krieg gezeichnet. Mit ihm der Klempner Karl-Heinz Quasi Riek, der Zimmermann Gerd Trullesand, der Waldarbeiter Jakob Filter, die Schneiderin Vera Bilfert, Rose Paal. Sie schaufeln Briketts in den Keller, nennen das Zimmer Roten Oktober, fordern Gleichberechtigung mit den Universitätsstudenten, ziehen mit einem Tuch über den Pommernplatz, der Platz der Befreiung heißen soll. Der Mitschüler Fiebach geht über die Grenze, nachdem der Parteisekretär Angelhoff ihn der kleinbürgerlichen Ruhe zeiht. Der Kreissekretär Haiduck schilt die Radikalinskis: Einen künftigen Ingenieur weniger. Lehrer treten auf: der Mathematiker Schika, der Wissenschaft amoralisch nennt; der Geschichtslehrer Riebenlamm mit Brechts Theben-Gedicht; der Deutschlehrer Fuchs und die Kommata.
Iswall recherchiert die Karrieren und die Brüche. In Hamburg, offiziell wegen einer Flut, trifft er die Mutter, die nach einer Parteiaffäre des Stiefvaters Nußbank in den Westen ging, die Schwester Lida, verheiratet mit einem Spekulanten, und Quasi Riek als Wirt zum toten Rennen, der ihn abweist. Filter ist im Ministerium angekommen; Trullesand hat Sinologie in China studiert, weil Iswall ihn aus Eifersucht um Vera dorthin vorschlug, mitsamt der Bedingung zu heiraten. Vera hat Iswall geheiratet; die Freundschaft zu Gerd ist zerbrochen, die Schuld geblieben. Die Rede zur Schließung der Fakultät wird umdisponiert: weniger Rückblick, mehr das Neue. Die Aula ist von der neuen Generation besetzt. Iswall will trotzdem die schöne Wahrheit sagen, Tat und Folge, und resümiert, hier werde schon noch geredet werden.
Er fährt zu Trullesand ans Wasser, wo der Freund an einem Kanal angelt, in dem es, wie er sagt, keine Fische gibt, und trotzdem angelt. Gerd entlastet ihn: Er habe gewusst, dass Vera Robert liebte; China und Rose seien ein Haupttreffer gewesen. Die Aussprache glättet, was der Roman vorher als Verrat gezeigt hat. Iswall nennt sich selbst einen Affen hinter Wällen aus Witz und Kälte. Kant gibt dem Schluss die Versöhnung, die westdeutsche Kritiker als zu billig lasen, und die Selbstanklage, die in der DDR-Literatur nicht selbstverständlich war. Die ABF hat aus Handwerkern eine Intelligenz gemacht; die Kosten stehen in Hamburg und in der Ehe.
Einordnung
Kant, später Präsident des Schriftstellerverbands und umstritten wegen der Nähe zur Staatssicherheit, hat mit der Aula das Buch geschrieben, das die Aufbaujahre erzählbar machte, ohne den Parteiton ganz zu verlassen. Die Form – Rückblende, innerer Monolog, Parodie, Anekdote – galt im Osten als modern innerhalb des sozialistischen Realismus, im Westen als talentierte Unaufrichtigkeit: Marcel Reich-Ranicki warf Kant vor, Widersprüche aufzurauen und zu glätten. Die Republikflucht kommt vor und wird als Versagen erzählt; die Bundesrepublik in Iswalls Hamburg-Kapitel bleibt Karikatur. Trotzdem hält der Roman Szenen fest, die Lehrbücher nicht haben: die Brikettaktion, Angelhoffs Latein, Haiducks Satz über Misstrauen und Wachsamkeit.
Nach 1989 las man die Aula gegen Uwe Johnson und gegen die Akten. Als Erzählung über Bildung als Aufstieg bleibt sie lehrreich und parteilich. Neben Jakob der Lügner und den späteren DDR-Romanen der Ernüchterung ist sie das heitere, geschwätzige Stück, das die Fakultät als Versprechen nimmt. Wer nur den Funktionär Kant kennt, hat Iswalls Angst vor dem Freund nicht gelesen; wer nur den Spaß kennt, hat Quasi hinter dem Tresen nicht gesehen. Aufbau hält den Text im Taschenbuch; die Rede, die nicht gehalten wird, ist noch immer der Kern.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
