Der scharlachrote Buchstabe

Nathaniel Hawthorne · 1850 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Der scharlachrote Buchstabe
Autor(en): Nathaniel Hawthorne
Originaltitel: The Scarlet Letter
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1850
Schlagwörter: Puritanismus, Ehebruch, Schuld, Neuengland
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 334 Seiten
ISBN: 9783150094549
Verweise


Der scharlachrote Buchstabe ist der Roman von Nathaniel Hawthorne, 1850 in Boston erschienen, im Original The Scarlet Letter. Eine Frau trägt in der puritanischen Siedlung das A der Ehebrecherin auf der Brust, der Geistliche schweigt, der verschollene Ehemann kehrt als Arzt zurück und nährt sich an der heimlichen Schuld. Hawthorne, Nachfahre von Richtern der Hexenprozesse von Salem, hat daraus keine Erbauung gemacht, sondern eine Studie der Gewissensfolter. Der Band gilt als der erste große amerikanische Roman, der nicht Europa nachahmt, sondern Neuengland als moralische Landschaft nimmt. Die Vorrede vom Zollhaus, in der ein Erzähler das Tuch mit dem Buchstaben findet, rahmt die Geschichte als gefundenes Stück und als Abrechnung mit der eigenen Herkunft.

Inhalt

Hester Prynne steht mit dem unehelichen Kind Pearl am Pranger von Boston und weigert sich, den Vater zu nennen. Auf der Brust trägt sie den scharlachroten Buchstaben A, den die Gemeinde ihr als Zeichen des Ehebruchs aufgenäht hat. In der Menge erkennt sie den lange verschollenen Ehemann, der sich fortan Roger Chillingworth nennt und als Arzt in der Stadt bleibt. Er zwingt Hester zum Schweigen über seine Identität und nimmt sich vor, den unbekannten Liebhaber zu finden, nicht um zu strafen, sondern um ihn von innen zu zerstören. Der junge Geistliche Arthur Dimmesdale, angesehen und kränklich, ermahnt Hester öffentlich zur Beichte und bricht dabei fast zusammen. Hester, aus der Kirche gestoßen, siedelt am Waldrand, nährt Pearl und Pearl allein, und stickt den Buchstaben so kunstvoll, dass er zur Zierde wird, die die Gemeinde nicht mehr eindeutig lesen kann.

Jahre vergehen. Dimmesdale zehrt sich an einer Schuld auf, die er nicht ausspricht; Chillingworth, als Arzt in seinem Haus, erkennt das Geheimnis und setzt sich an die Seele des Kranken wie an eine Wunde, die man offenhalten will. Hester sieht den Verfall und trifft Dimmesdale im Wald. Sie löst den Buchstaben, lässt das Haar frei und schlägt die Flucht nach Europa vor, sobald er die Wahlpredigt gehalten hat. Pearl, wild und unverstellt, weigert sich, die Mutter ohne das A anzuerkennen: Das Kind ist die lebendige Form des Zeichens, nicht dessen Aufhebung. Dimmesdale willigt ein und weiß zugleich, dass er die Gemeinde nicht belügen kann, ohne sich selbst zu verlieren. Chillingworth durchschaut den Plan und bucht dieselbe Passage.

Am Wahltag besteigt Dimmesdale nach der Predigt den Pranger, ruft Hester und Pearl zu sich und bekennt den Ehebruch, indem er die eigene Brust entblößt. Was die Menge dort sieht, bleibt ungewiss: ein Mal, ein Wahn, nichts. Er stirbt in Hesters Armen. Chillingworth, dem das Opfer entzogen ist, vergeht binnen Jahresfrist; er hinterlässt Pearl ein Vermögen. Hester bleibt, oder kehrt nach Jahren zurück, trägt das A weiter, nun als Zeichen der Trösterin, bei der Frauen Rat suchen. Pearl verschwindet in eine unbekannte, offenbar gesicherte Existenz in der Alten Welt. Der Grabstein trägt ein A auf schwarzem Grund. Der Roman lässt offen, ob das Zeichen Sünde, Fähigsein oder beides meint.

Einordnung

Hawthorne hat den historischen Roman nicht als Kostümstück geschrieben, sondern als Psychologie einer Gemeinde, die das Innere nach außen kehren will und dabei das Innere erst recht verdunkelt. Der Puritanismus erscheint weder als bloße Heuchelei noch als verlorene Strenge: Er erzeugt die Sprache, in der Hester, Dimmesdale und Chillingworth einander verstehen und einander zerstören. Pearl ist keine rührende Waise, sondern die Unruhe des Buches, ein Kind, das die Erwachsenen zwingt, das Zeichen ernst zu nehmen. Gegenüber Coopers Wildnis in Der letzte Mohikaner bleibt Hawthornes Neuengland eine Innenwelt aus Gewissen, Wald und Gerücht. Die Moderne hat in Hester eine frühe Figur weiblicher Selbstbehauptung gelesen; der Text ist härter: Sie wählt das Bleiben in der Schande, nicht den Sieg über sie.

Die Verfilmungen haben oft das Paar Hester und Dimmesdale in den Vordergrund gerückt und Chillingworth zum bloßen Bösewicht gemacht. Der Roman erzählt eine Dreiecksgeschichte der Seele, in der der Arzt der gefährlichste ist, weil er die Wahrheit als Werkzeug braucht. Wer nach Hawthorne über Schuld in Neuengland spricht, spricht hinter diesem Buch; wer es für eine Moralpredigt gegen den Ehebruch hält, hat den Wald und den Grabstein nicht gelesen. Die angegebene Ausgabe folgt einer Übersetzung aus dem Englischen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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