Der Stellvertreter

Rolf Hochhuth · 1963 · Drama


Das Werk
Deutscher Titel: Der Stellvertreter
Autor(en): Rolf Hochhuth
Originaltitel: Der Stellvertreter
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1963
Schlagwörter: Pius XII., Vatikan, Holocaust, Trauerspiel
Sachgebiete: Drama
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 432 Seiten
ISBN: 9783379002400
Verweise


Der Stellvertreter ist ein christliches Trauerspiel von Rolf Hochhuth, 1963 an der Freien Volksbühne Berlin unter Erwin Piscator uraufgeführt. Der Stellvertreter Christi auf Erden schweigt zu den Transporten; das Stück macht aus diesem Schweigen die Handlung.

Inhalt

Riccardo Fontana, junger Jesuit aus einer römischen Diplomatenfamilie, erfährt von Kurt Gerstein, dem SS-Mann, der das Gas kennt und das Wissen in den Vatikan tragen will, was in den Lagern geschieht. Gerstein hat gesehen und will, dass der Papst spricht. Riccardo glaubt noch an das Amt: Ein Wort Pius’ XII. werde die Kirche auf die Seite der Ermordeten stellen. In Rom, bei Nuntius und Kardinal, lernt er die andere Rechnung: Neutralität, der Kampf gegen den Bolschewismus, die Sorge um Katholiken in Deutschland, die Furcht, ein Protest werde die Lage verschlimmern. Hochhuth lässt diese Gründe zu Wort kommen. Er lässt sie nicht als Entschuldigung stehen.

Der Papst tritt auf, nicht als Teufel, nicht als Narr: als Souverän, der das Schweigen für Staatsräson hält und das öffentliche Wort für eine Waffe, die er nicht abfeuert. Riccardo legt das Priestergewand ab, näht den Judenstern auf und geht nach Auschwitz, Stellvertreter an Stelle des Stellvertreters, der nicht geht. Im Lager herrscht der Arzt, eine Figur nach dem Muster Mengeles, der tötet und debattiert, als sei der Mord eine These. Gerstein scheitert mit seinen Meldungen; die Akten laufen, die Züge laufen. Das Trauerspiel gibt dem Vatikan Dialoge, keine Karikatur – und dem Papst Sätze, in denen die Schonung der Institution mehr wiegt als die Toten.

Am Ende stirbt Riccardo im Lager, der Arzt bleibt, der Papst hat nicht gesprochen. Hochhuth setzt Fußnoten unter das Stück, als sei die Bühne ein Anhang zu den Akten, und die Akten ein Anhang zur Bühne. Die Uraufführung spaltete die Stadt: Beifall, Protest, Verbote in anderen Ländern, Gutachten für und gegen Pius. Das Stück behauptet nicht, der Papst habe die Lager befohlen. Es behauptet, dass das öffentliche Wort ausblieb, während Juden aus Rom und aus Europa deportiert wurden, und dass dieses Ausbleiben eine Schuld des Amtes ist. Wer das weiß und den Heiligen Stuhl trotzdem rein wäscht, hat den Text nicht gelesen, sondern die Verteidigung.

Einordnung

Hochhuth hat 1963 den lebenden Papst vor das Parkett gestellt und das Dokumentartheater zur Staatsaffäre gemacht. Gegen Die Ästhetik des Widerstands, die den Widerstand als Form sucht, ist der Stellvertreter das Stück der unterlassenen Form: das Wort, das nicht gesagt wurde. Historiker haben Details bestritten, die Rettung im Stillen nachgetragen, die Quellenlage verschoben; die öffentliche Stimme von 1942 und 1943 haben sie damit nicht geliefert. Piscators Inszenierung, der Skandal, die Gegenschriften – sie gehören zum Text, weil das Stück die Kirche nicht schonen wollte. Wer nach Hochhuth über Pius XII. spricht, ohne dieses Schweigen zu nennen, spricht hinter dem Trauerspiel.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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