Der Kolonisator und der Kolonisierte

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Der Kolonisator und der Kolonisierte
Autor(en): Albert Memmi
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Europäische Verlagsanstalt
Serie:
Erscheinungsjahr: 1957
Seitenanzahl: 149 Seiten
Originaltitel: Portrait du colonisé, précédé du Portrait du colonisateur
Originalsprache: französisch
ISBN-10: 3863931076
ISBN-13/

EAN-Code:

9783863931070
Schlagwörter: Kolonie, Rassismus, Porträt, Herrschaft
Sachgebiete: Sachbuch, Gesellschaftstheorie
Rezensionen
Umschlag

Der Kolonisator und der Kolonisierte. Zwei Porträts (französisch Portrait du colonisé, précédé du Portrait du colonisateur) ist die 1957 erschienene Untersuchung von Albert Memmi über das koloniale Verhältnis als Paar. Jean-Paul Sartre schrieb das Vorwort. Die Angaben beziehen sich auf die Neuausgabe der Europäischen Verlagsanstalt von 2021.

Inhalt

Memmi, Jude aus Tunis, schreibt keine Geschichte der Imperien und keine Theorie der Gewalt. Er porträtiert zwei Figuren, die sich gegenseitig erzeugen. Der Kolonisator ist nicht zuerst ein Charakter, er ist eine Lage: Privilegien, die das Recht, die Schule, den Boden und den Lohn zu seinen Gunsten biegen. Wer in der Kolonie Europäer ist, profitiert, auch wenn er die Peitsche verabscheut. Memmi unterscheidet den Kolonisator, der das System bejaht, vom Kolonisator, der es ablehnt und trotzdem bleibt. Der zweite hält sich für unschuldig; das Buch nimmt ihm die Unschuld. Güte ändert die Lage nicht, weil die Lage nicht aus Gesinnung besteht. Rassismus ist hier keine private Abneigung, sondern die Rechtfertigung des Privilegs: Der andere muss geringer sein, damit der Vorteil verdient erscheint.

Der Kolonisierte erscheint als Mensch, dem die Geschichte, die Sprache der Herrschaft und zuletzt das Bild seiner selbst genommen werden. Er soll sich assimilieren und darf es nicht ganz; er soll er selbst bleiben und wird dafür als rückständig geführt. Memmi beschreibt den Selbsthass, die Nachahmung, den Rückzug in eine verklärte Herkunft, die der Kolonisator gern als Folklore gelten lässt. Befreiung heißt bei ihm nicht, den Herrn zu überzeugen. Sie heißt, das Verhältnis zu sprengen, das beide Figuren braucht. Drei Schritte nennt er dem Kolonisierten: sich als eigenes Volk zu sehen, sich übermäßig zu bejahen, gegen das Bild, das ihn verwarf, und endlich ein wahrhaftiges Selbst zu gewinnen, das weder Maske des Herrn noch bloße Umkehrung ist. Den letzten Schritt, sagt er, hat kaum jemand getan.

Das Buch ist kurz, typisierend, genauer in der Lage als in der einzelnen Kolonie. Tunesien steckt darin, Algerien, die Siedlung überhaupt. Memmi steht selbst schräg im Paar: nicht Siedler, nicht Mehrheit, ein jüdischer Intellektueller der französischen Sprache, den die Unabhängigkeit 1956 nach Paris trieb. Diese Schräglage ist die Methode. Wer nur den unterdrückten Araber oder nur den bösen Franzosen sucht, findet hier beide als Produkte einer Ordnung und niemanden als Natur. Sartre hat das Vorwort im Ton der Anklage geschrieben; Memmi bleibt kühler, soziologischer, weniger prophetisch als Fanon. Die Grenze des Buchs ist dieselbe Kühle: die Typen sitzen, die Geschichte der Kämpfe bleibt blass. Genau darin lag die Reichweite. Man konnte das Verhältnis wiedererkennen, ohne Algerienexperte zu sein.

Einordnung

Neben Aimé Césaires Über den Kolonialismus – der Ohrfeige an die Zivilisation – und Frantz Fanons Die Verdammten dieser Erde – der Theorie der Gewalt – ist dies das Porträt der Lage selbst. Césaire schlägt ins Gesicht, Fanon denkt den Bruch, Memmi beschreibt, wie Herr und Knecht einander brauchen, solange die Kolonie steht. Die postkoloniale Theorie hat ihn oft als Vorstufe Fanons geführt; das unterschlägt die Soziologie, die Fanon nicht geschrieben hat. In Bücher, die den Kolonialismus umschrieben steht das Paar zwischen Césaires Rede und Fanons Gewalt. Wer Memmi nur als Zeugen Tunesiens liest, macht aus einer Methode eine Herkunft. Wer das Paar für ewig hält, hat das letzte Kapitel nicht gelesen: das Verhältnis endet nur mit der Kolonie, nicht mit der Erziehung der Herren.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.