Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft

Manuel Castells · 1996 · Sachbuch, Medienwissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft
Autor(en): Manuel Castells
Originaltitel: The Rise of the Network Society
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1996
Schlagwörter: Netz, Information, Macht, Globalisierung
Sachgebiete: Sachbuch, Medienwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Leske + Budrich


Umfang dieser Ausgabe: 600 Seiten
ISBN: 9783322975355
Verweise


Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft (englisch The Rise of the Network Society) ist der 1996 erschienene erste Band von Manuel Castells’ Trilogie zum Informationszeitalter. Er fasst Gesellschaft als Netz: Macht sitzt in den Knoten, die Ströme steuern. Technik ist in dieser Lesart weder neutral noch Schicksal, sondern in Produktion, Staat und Kultur eingelassen.

Inhalt

Castells unterscheidet den Raum der Ströme vom Raum der Orte. Kapital, Information und Bilder bewegen sich unabhängig von der Nachbarschaft; wer die Knoten kontrolliert – Börsen, Redaktionen, Rechenzentren, Verkehrsachsen –, kontrolliert die Lage, während viele Orte angeschlossen und doch abgekoppelt bleiben. Das Netz ist Infrastruktur und Herrschaft, nicht nur Verbindung: Es schließt ein, indem es ausschließt, und es erzeugt eine zeitlose Zeit, in der Gleichzeitigkeit die Folge und die Dauer der Orte überlagert. Arbeit, Stadt und Identität werden umgestellt, ohne dass der Nationalstaat einfach verschwindet; er wird umgebaut, oft ohnmächtig gegen die Ströme, manchmal als Knoten in ihnen. Informationalismus heißt die neue Weise der Entwicklung, in der Wissen und Information zur entscheidenden Produktivkraft werden, nicht die Dampfmaschine und nicht allein das Kapital im alten Sinn. Die Gegenthese, Globalisierung sei bloß mehr Handel auf alten Wegen, wird durch die Morphologie des Netzes bestritten. Macht ist die Fähigkeit, umzuschalten und zu unterbrechen.

Das Buch ist soziologisch breit, mit Daten, Fallstudien und gegen die Idee geschrieben, Geräte erklärten Gesellschaft von selbst. Neben Niklas Luhmanns Kommunikation ohne handelnde Menschen steht hier die Härte der Organisation: Firmen, Staaten, Bewegungen, die sich als Netz formieren oder daran scheitern. Castells schreibt monumental, der erste von drei Bänden, und nimmt in Kauf, dass die Fülle erdrückt. Kanäle kommen als Infrastruktur der Ströme vor, nicht als Sinneordnung; die Mediengeschichte wird zur Gesellschaftstheorie, ohne die Kabel zu streichen. Die Kritik nannte das zu kalifornisch, zu groß und zu nah an der Selbstbeschreibung der Informationsökonomie. Der Vorwurf trifft den Ton, nicht die Beobachtung, dass Knoten und Ströme die alte Karte der Klassen und Territorien überlagern, ohne sie zu tilgen.

Der Ton ist der eines Hauptwerks, das Epoche behaupten will, ohne Prophetie im Stil Marshall McLuhans. Identität, Widerstand und die Logik der Ausschließung werden angekündigt und in den Folgebänden ausgeführt; schon hier ist klar, dass das Netz nicht alle meint. Die Stärke ist die Verbindung von Technik, Ökonomie und Raum. Die Schwäche ist die Höhe, von der aus einzelne Medien, Sprachen und Körper klein erscheinen. Beides hat die Gründung nicht verhindert: Nach 1996 ist Gesellschaftstheorie, die das Digitale ignoriert, erklärungsbedürftig geworden.

Einordnung

1996 ist das soziologische Hauptbuch des Informationszeitalters, neben Luhmanns Medienrealität und Pierre Bourdieus Fernsehstreitschrift das dritte große Buch dieses Jahres, und das weiteste im Anspruch. Henry Jenkins hat später die Beteiligung der Nutzer betont; Shoshana Zuboff hat die Plattform als Überwachung gelesen; Castells hatte das Netz als Produktionsweise und als Raumordnung gefasst, bevor beides zur Alltagsrede wurde. Wirkung entfaltete die Trilogie in Soziologie, Stadtplanung und Politikwissenschaft, oft als Vorrat an Begriffen – Raum der Ströme, zeitlose Zeit, informationeller Kapitalismus –, manchmal als ungelesenes Monument. Nachbarschaft zur Medienwissenschaft bleibt indirekt: Hier zählt das Netz als Gesellschaft, nicht der einzelne Kanal. Das Buch bleibt der Ort, an dem Macht in Knoten sitzt und Verbindung ohne Herrschaft eine Illusion ist.

Essays

Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.

Der neue Geist des Kapitalismus (Lesepfad) · Die einflussreichsten Werke der Gesellschaftstheorie: 20. Jahrhundert (Essay) · Infrastruktur in acht Büchern (Lesepfad) · Künstliche Intelligenz und Autorschaft (Lesepfad) · Zeitdiagnosen nach 1989 (Essay)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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