Der Anarchismus
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Der Anarchismus |
| Autor(en): | Paul Eltzbacher |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Libertad-Verlag |
| Serie: | Archiv für Sozial- und Kulturgeschichte |
| Erscheinungsjahr: | 1900 |
| Seitenanzahl: | 312 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3922226116 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783922226114 |
| Schlagwörter: | Anarchismus, Lehre, Staat, Freiheit |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Politik |
| Rezensionen | |
Der Anarchismus ist die 1900 bei Guttentag in Berlin erschienene Untersuchung von Paul Eltzbacher, mit der der spätere Rechtsprofessor an der Berliner Handelshochschule promovierte. Eltzbacher behandelt den Anarchismus wissenschaftlich, gegen die von Politikern und Journalisten heraufbeschworene anarchistische Gefahr, und beschreibt klassische Strömungen an sieben Gewährsleuten. Das Buch wurde bald in mehrere Sprachen übersetzt und gilt als Standardwerk zur Ideengeschichte des Anarchismus. Der Libertad-Verlag legte 1987 eine Neuausgabe als ideengeschichtliche Darstellung vor. Der Ton ist der des Juristen, der Lehren vergleicht, nicht des Anhängers.
Inhalt
Eltzbacher schreibt gegen die Vermengung von Anarchismus und Attentat und gegen eine öffentliche Rede, die eine Lehre nur als Polizeisache kennt. Anarchismus sei zunächst eine Reihe von Lehren über Recht, Staat, Eigentum und die Möglichkeit herrschaftsfreier Ordnung, nicht eine einzige Verschwörung. Er geht die Positionen durch, statt sie auf einen Nenner zu zwingen: William Godwin, Pierre-Joseph Proudhon, Max Stirner, Michail Bakunin, Pjotr Kropotkin, Benjamin Tucker, Lew Tolstoi. Die Verschiedenheit ist der Befund: Individualismus und Kommunismus, Gewalt und Gewaltlosigkeit, Eigentumskritik und ethische Selbstbeherrschung stehen nebeneinander. Wissenschaftlich heißt hier: Distanz, Quellen, Vergleich. Die Promotion macht aus einem Reizwort ein Thema des Staatsrechts und der Ideengeschichte.
Die Behauptung entfaltet sich als Porträtgalerie mit systematischem Anspruch. Godwin steht für die Vernunftkritik an Regierung, Proudhon für Eigentum als Diebstahl und Föderalismus, Stirner für das Einzige gegen jede fixe Idee, Bakunin für Umsturz und Kollektiv, Kropotkin für gegenseitige Hilfe, Tucker für den amerikanischen Individualanarchismus, Tolstoi für das christliche Nein zur Gewalt des Staates. Eltzbacher fragt jeweils, was vom Recht, vom Staat, von der wirtschaftlichen Ordnung übrig bleibt, wenn die Lehre zu Ende gedacht wird. Er klassifiziert, ohne zu werben. Gerade die Nüchternheit machte den Band für Leser jenseits der Bewegung brauchbar und für die Bewegung zitierbar, weil er sie ernst nahm. Übersetzungen trugen das Schema in andere Sprachen.
Unsicher wird das Buch, wo sieben Männer die Geschichte einer vielstimmigen, oft anonymen Bewegung vertreten und wo die juristische Brille Praxis, Milieu und Geschlecht ausblendet. Spätere Forschung hat Syndikalismus, Frauen und koloniale Ränder nachgetragen. Eltzbacher weiß, dass er Lehren, nicht Taten ordnet, und beharrt auf dem Recht der Ideengeschichte. Die Gegenposition ist jede Darstellung, die Anarchismus nur als Gewaltgeschichte schreibt, und jede, die ihn nur als gelebte Subkultur ohne Texte kennt. Neben Eine Verteidigung des Anarchismus und dem ABC des Anarchismus steht Eltzbacher als früher, schulischer Überblick, nicht als Parteinahme.
Einordnung
Um 1900 war der Band ungewöhnlich, weil er den Anarchismus in die Universität holte, ohne ihn zu denunzieren. Er hat die Kanonbildung der „Klassiker“ mitbestimmt: Wer diese sieben kennt, kennt Eltzbachers Liste. Die Neuauflage im Libertad-Verlag hat ihn in der deutschsprachigen Anarchismusforschung gehalten. Nachbarschaft hat er zur Rechtswissenschaft des Kaiserreichs und zur internationalen Theoriegeschichte, die ihn als eine der ersten systematischen Monographien führt. David Weir hat ihn im englischsprachigen Gespräch über Anarchie und Kultur mitzitiert.
Das Missverständnis ist, hier ein anarchistisches Manifest oder eine polizeiliche Warnschrift zu erwarten. Eltzbacher liefert eine ideengeschichtliche Landkarte. Geblieben ist das Verfahren, Strömungen an Autoren zu unterscheiden, statt sie in einem Schreckbild zu verschmelzen. Wer nach 1900 über Anarchismus als Lehre spricht, arbeitet mit Unterscheidungen, die dieses Buch popularisiert hat, auch wenn der Kanon sich erweitert hat.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
