Autoritäre Persönlichkeit

Aus Bookpedia Bücher einfach erklärt
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Daten zum Buch
Deutscher Titel: Autoritäre Persönlichkeit
Autor(en): Theodor W. Adorno
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie: stw 1182
Erscheinungsjahr: 1950
Seitenanzahl: 512 Seiten
Originaltitel: The Authoritarian Personality
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 3518287826
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518287828
Schlagwörter: Vorurteil, Faschismus, Charakter, Autorität
Sachgebiete: Sachbuch, Psychologie
Rezensionen
Umschlag

The Authoritarian Personality ist die 1950 in den Vereinigten Staaten erschienene Studie von Theodor W. Adorno, Else Frenkel-Brunswik, Daniel J. Levinson und R. Nevitt Sanford. Die deutsche Teilausgabe heißt Studien zum autoritären Charakter. Das Buch fragt, warum manche Menschen antisemitische und ethnozentrische Ideen annehmen und andere nicht. Es verbindet Fragebögen, Gespräche und psychoanalytische Deutung und gilt als Pionierarbeit der empirischen Vorurteilsforschung. Ins Deutsche wurde der Band nie vollständig übersetzt.

Inhalt

Die Autoren schreiben gegen die Annahme, Vorurteile seien bloß falsche Meinungen, die man durch Aufklärung streiche. Wer als Kind autoritär gehalten werde, entwickle einen Charakter, der Feindseligkeit auf Schwächere und Minderheiten richte und kaum noch umzulernen sei. Vorausgegangen waren Wilhelm Reich, Erich Fromms Arbeiten zum autoritären Charakter und die Studien über Autorität und Familie des Instituts für Sozialforschung. In Berkeley entstand ab 1943 die Berkeley Public Opinion Study, eingebettet in die Studies in Prejudice des American Jewish Committee. Mehr als zweitausend Personen, vor allem aus der kalifornischen Mittelschicht, wurden befragt; vierzig Frauen und vierzig Männer mit extrem hohen oder niedrigen Skalenwerten wurden in längeren Gesprächen genauer gehört. Die F-Skala sollte die Anfälligkeit für faschistische Ideologie messen, ohne den Faschismus beim Namen zu nennen: konventionelle Starrheit, Unterwürfigkeit, autoritäre Aggression, Ablehnung des Innerlichen, Aberglaube und Klischee, Härte, Zynismus, Projektion, übertriebene Sexualangst.

Adorno wertete die Gespräche soziologisch: der imaginäre Feind, der funktionale Antisemitismus, die Frage „wozu?“. Frenkel-Brunswik trug die tiefenpsychologische Lesart der Gespräche; Sanford die Konstruktion der Skalen; Levinson Ethnozentrismus, Antisemitismus und politisch-ökonomischen Konservatismus. Der erwartete Zusammenhang zwischen F-Werten und Vorurteilen bestätigte sich weitgehend. Der Forschungsansatz war für die Zeit ungewöhnlich: Einstellungsforschung, Persönlichkeitspsychologie, Psychoanalyse und Soziologie sollten ineinandergreifen; das Syndrom galt weder als starre Eigenschaft noch als bloße Situation. Praktisch zielte die Arbeit auf demokratische Erziehung, nicht auf eine geschlossene Charakterkunde.

Der Ton schwankt zwischen Tabellenwerk und auslegender Deutung. Unsicher bleibt die Repräsentativität, die Vermengung von Autoritarismus und gewöhnlichem Konservatismus und die Einseitigkeit nach rechts: Hans Jürgen Eysenck und Milton Rokeach haben Autoritarismus auch links beschrieben, Edward Shils die Rechts-links-Teilung selbst angegriffen. Die Subskalen wirken heterogen; Schicht und Bildung könnten Zusammenhänge einfacher erklären. Adorno hat ein geplantes Schlusskapitel 1947 nicht in den Band genommen; es erschien erst 2019. In Deutschland begann die Aufnahme zögernd. Das Frankfurter Gruppenexperiment der fünfziger Jahre griff das Konzept kaum auf. Adorno selbst warnte 1968 vor einem Umschlag studentischer Wut in autoritäre Erstarrung.

Einordnung

Die Studie gehört neben der Dialektik der Aufklärung zu den Versuchen, Auschwitz aus Haltungen der Moderne zu verstehen – hier nicht als Dialektik der Vernunft, sondern als messbares Syndrom. Die F-Skala hat Jahrzehnte der Autoritarismusforschung geprägt, bis in heutige Debatten über einen Autoritarismus, der sich freiheitlich gibt. Die deutsche Teilübersetzung hat das Bild in der Bundesrepublik geprägt und den englischen Gesamtband in den Hintergrund gedrängt. Adornos Radiovortrag Erziehung nach Auschwitz zog pädagogische Folgerungen, ohne einen Lehrplan zu liefern; die antiautoritäre Erziehung der sechziger Jahre stützte sich eher auf Reich und Alexander Sutherland Neill. Nachbarschaft hat das Buch zu Fromms Die Furcht vor der Freiheit und zu Männerphantasien, das den soldatischen Mann aus Texten statt aus Skalen liest.

Das Missverständnis liegt darin, den autoritären Charakter als festes Persönlichkeitsetikett oder als Entschuldigung zu gebrauchen, die Gesellschaftsfrage in Psychologie aufzulösen. Adorno betonte, die Wiederkehr des Faschismus sei im Entscheidenden keine psychologische Frage. Geblieben ist das Instrument, Vorurteile nicht nur zu zählen, sondern nach der verborgenen Aggression zu fragen – und die methodische Warnung, dass Skalen ein Syndrom zeichnen, keine Person verurteilen. Die Skala bleibt ein Forschungsinstrument, kein Stempel auf Lebensläufe.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.