Autor:Uwe Johnson
Uwe Johnson (1934–1984), in Cammin in Pommern geboren, hat die deutsche Teilung nicht als Thema neben der Geschichte behandelt, sondern als die Form, in der Menschen einander verlieren. Mutmassungen über Jakob spürt einem Toten im Nebel nach, ohne dass eine Seite das letzte Wort bekommt; die vierbändigen Jahrestage legen New York und Mecklenburg auf denselben Kalendertag.
Leben
Flucht 1945, Schule in Anklam, Germanistik in Rostock und Leipzig, der Streit mit der SED um das ungedruckte Ingrid Babendererde. Der Umweg war die Übersiedlung nach West-Berlin im Juni 1959, in demselben Jahr, in dem Suhrkamp den ersten Roman brachte, der im Osten nicht erscheinen konnte: Johnson wusste, dass die Stimmen über Jakob die Behörde nicht überleben würden. New York in den sechziger Jahren, die Arbeit an den Jahrestagen, zuletzt das Haus in Sheerness an der Themse, wo er allein schrieb und starb. Man fand ihn erst Tage später.
Wirkung
Johnson hat der Nachkriegsliteratur eine Sprache gegeben, in der Parataxe, harte Schnitte und unübersetzte Brocken die Teilung nachbilden. Jakob Abs geht quer über die Gleise; ob Unfall, Selbstmord oder Mord, bleibt offen, weil niemand die Instanz hat, die in einem ungeteilten Land der Erzähler wäre. Gesine Cresspahl, die aus diesem Buch in die Jahrestage hinübergeht, liest die New York Times und erinnert Jerichow: Zeitung und Gedächtnis gleichzeitig, fünfzehn Jahre Arbeit, der Schluss auf den Vorabend der Besetzung Prags. Neben Günter Grass’ Trommel ist das kälter und technischer – das Stellwerk statt der Groteske.
Die westdeutsche Kritik machte ihn zum Dichter der beiden Deutschland; die DDR warf ihm Undogmatik und schlechtes Deutsch vor. Beides trifft die Form. Der vierte Band der Jahrestage kam erst nach zehn Jahren; nach dem Tod in England las man den Rückzug als Scheitern und die Strenge als Unlesbarkeit. Neuausgaben haben das Debüt wieder als Offenbarung gelesen. Wer Johnson nur als Chronisten der DDR nimmt, verfehlt, dass der Westen bei ihm keine Rettung ist. Wer die Länge der Jahrestage für Beiwerk hält, hat Marie nicht gehört, die der Mutter sagt, sie lüge so schön.
Werke
- Jahrestage (1970)
- Mutmassungen über Jakob (1959)
In Auswahl außerdem: Ingrid Babendererde, Das dritte Buch über Achim, Zwei Ansichten.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.