Jahrestage

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Jahrestage
Autor(en): Uwe Johnson
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1970
Seitenanzahl: 2150 Seiten
Originaltitel: Jahrestage
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3518464558
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518464557
Schlagwörter: New York, Mecklenburg, Erinnerung, Zeitung
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl ist das vierbändige Hauptwerk von Uwe Johnson, erschienen 1970 bis 1983 bei Suhrkamp. Vom 20. August 1967 bis zum 20. August 1968 begleitet der Roman die Bankangestellte Gesine Cresspahl und ihre Tochter Marie durch New York und zugleich durch die deutsche Geschichte seit der Weimarer Republik. Jeder Tag beginnt oft mit der New York Times; dann öffnet sich Jerichow in Mecklenburg, die erfundene Kleinstadt, in der Gesines Familie unter Nazis, Roter Armee und früher DDR gelebt hat. Johnson hat fünfzehn Jahre an dem Buch geschrieben und den Schluss auf den Vorabend der Besetzung der Tschechoslowakei gelegt. Es ist ein Roman des Erinnerns, nicht der Chronik im behördlichen Sinn.

Inhalt

Gesine Cresspahl, vierunddreißig, Deutsche in New York, liest täglich die Zeitung, als sei sie eine strenge Verwandte, und spricht auf Tonband für die Zeit nach ihrem Tod. Die zehnjährige Marie hört zu, unterbricht, zweifelt und sagt der Mutter, sie lüge so schön. Ein Erzähler, der Johnson heißt, führt die Feder mit; Auftraggeberin und »Genosse Schriftsteller« streiten um Länge und Wahrheit der Tageseinträge. So entsteht keine glatte Biografie, sondern eine Verhandlung. Die Gegenwart ist Vietnamkrieg, Rassismus, Studentenproteste, die Stadt als Ort der Flüchtlinge. Die Nachbarin Mrs. Ferwalter trägt eine Nummer auf dem Arm. Gesine arbeitet in einer Bank und erwägt, den Prager Frühling beruflich und politisch zu stützen.

Die Binnenerzählung holt Heinrich Cresspahl, den Tischler, und Gesines Mutter Lisbeth nach Jerichow: das Ende der Weimarer Jahre, der Aufstieg der Nationalsozialisten, Schuld, Schweigen, der Krieg, die sowjetische Besatzung, Willkür und Gewalt, die Anfänge der DDR. Gesine verliert die Mutter, den Vater, den Geliebten Jakob – Figuren, die Leser aus Johnsons früheren Büchern kennen – durch politische Umstände. Die Erinnerung soll Marie schützen und belehren; Marie glaubt sich gegen das, was der Mutter geschah, noch gefeit. Mehr als zwei Drittel des Werks gelten den Entscheidungen kommunistischer Parteien, der Militärverwaltung, Polen, der Tschechoslowakei. Jerichow und New York sind durch Antisemitismus und Rassismus verbunden, nicht durch Idylle.

Am 21. August 1968 beenden die Truppen des Warschauer Pakts den tschechoslowakischen Versuch, den Sozialismus zu erneuern. Gesines letzte Hoffnung auf eine sozialistische Heimat fällt aus. Übrig bleibt, was dem Kind zugeschrieben wird: ein ratloser Antikommunismus, ohne dass der Roman daraus eine Fahne macht. Der Lehrer Julius Kliefoth schließt mit dem Satz, dass, was dem Gesetz des Werdens unterliegt, nach diesem Gesetz vergehen muss. Johnson montiert Nachrichten, Dialoge, Briefe, plattdeutsche Brocken, englische Sätze. Die Form weigert sich, einfach zu erzählen, weil ihm keine Geschichte einfach vorkam. Wer eine Familiensaga mit klarem Erben erwartet, findet 366 Tage und keine Beruhigung.

Einordnung

Johnson hat den deutschen Nachkriegsroman an die Gleichzeitigkeit von Zeitung und Gedächtnis geführt. Jahrestage setzt Mutmaßungen über Jakob fort und nimmt Stoff aus dem frühen, damals ungedruckten Ingrid Babendererde auf. Die Frage, wie wahrhaftig zu leben und ein Kind zu erziehen sei in Systemen, die Sprache und Schuld verwalten, durchzieht das Werk. Reinhard Baumgart nannte es eine Lese-Weltreise; andere tadelten die Länge und die Strenge. Der vierte Band kam erst nach zehn Jahren; Johnson starb 1984 in Sheerness. Neben Siegfried LenzDeutschstunde und Jurek Beckers Jakob der Lügner steht das Buch in der Reihe der Versuche, deutsche Gewalt und deutsches Reden darüber erzählbar zu machen – hier vom anderen Ufer, aus New York, mit mecklenburgischer Genauigkeit.

Eine Verfilmung von Margarethe von Trotta hat den Stoff für das Fernsehen gebändigt und die Montage notwendig vereinfacht. Der Roman bleibt das Gegenteil der Vereinfachung: Geschichte als Entwurf, Erinnerung als Arbeit, die Tochter als Lektorin der Mutter. Wer Johnson nur als Autor der Ankunft im Westen kennt, findet hier die Weigerung, anzukommen. Wer die Times für Beiwerk hält, hat den Kompass nicht verstanden, den Gesine braucht, um nicht zu ertrinken. Die angegebene Suhrkamp-Ausgabe versammelt die vier Bücher im Schuber.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.