Am kürzeren Ende der Sonnenallee

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Thomas Brussig · 1999 · Roman
Das Werk
Deutscher Titel: Am kürzeren Ende der Sonnenallee
Autor(en): Thomas Brussig
Originaltitel: Am kürzeren Ende der Sonnenallee
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1999
Schlagwörter: Berlin, Mauer, Jugend, DDR
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fischer Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 157 Seiten
ISBN: 9783596148479
Verweise
Umschlag

Am kürzeren Ende der Sonnenallee ist der dritte Roman von Thomas Brussig, 1999 bei Volk und Welt erschienen. Er spielt in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren am Ost-Berliner Stummel der Sonnenallee, wo die Mauer die Straße teilt und der Westen zum Fenster hinauswinkt. Brussig hat das Buch nach dem Drehbuch zum Film Sonnenallee geschrieben, nicht umgekehrt: Es blieben Szenen und Einfälle übrig. Der Ton ist heiter, der Ernst sitzt in der Nähe des Todesstreifens. Das Buch wurde in viele Sprachen übersetzt und in die Debatte um die verklärte Erinnerung an die DDR gezogen.

Inhalt

Michael Kuppisch, genannt Micha, wohnt mit Eltern, Schwester Sabine und Bruder Bernd in einer zu kleinen Wohnung und trifft sich mit der Clique »das Potenzial« auf der Straße. Der Abschnittsbevollmächtigte erwischt sie beim Hören verbotener Musik, nimmt Michas Tonband und wird trotzdem degradiert; Micha malt sich aus, das Band habe den Vorgesetzten begeistert und den Mann gestürzt. Die Mutter will Micha ins »Rote Kloster« schicken, eine linientreue Eliteschule; der Vater, Straßenbahnfahrer, droht mit Eingaben, die er selten schreibt. Miriam, das umschwärmte Mädchen der Gegend, wohnt mit der geschiedenen Mutter ebenfalls an der Sonnenallee und rebelliert, indem sie Westmänner trifft. Micha erobert sie unbeholfen, über Jahre, mit Plänen, die scheitern, bis ein Kinobesuch, eine martialische Parade und gefälschte Tagebücher sie aufwecken.

Um Micha stehen Mario, der Lenin-Parolen verdreht und von der Schule fliegt; Brille, der lange Sätze kann; Wuschel, der nur die Rolling-Stones-Platte Exile on Main St. will; der Dicke, der Fernschach mit Brasilianern spielt. Wuschel bekommt die Platte und verdankt ihr das Leben: Bei einem Stromausfall am Grenzstreifen schießt ein Wachmann, die Schallplatte fängt die Kugel. Onkel Heinz aus dem Westen schmuggelt, belehrt, stirbt an Lungenkrebs; Frau Kuppisch bringt seine Asche in einer Büchse Kaffee über die Grenze. Mario wird als Flüchtling verhaftet und wieder freigelassen; am Ende wird er Vater. Micha und Mario spielen vor einem Westbus hungernde Ossis und beherrschen das Klischee besser als die Touristen.

Der Erzähler sagt »wir«, als sei er dabeigewesen, und gesteht am Schluss die Unzuverlässigkeit der Nostalgie. Die Liebesgeschichte trägt die Episoden, ohne sie zur Lehre zu machen. Die Mauer ist da, der Schießbefehl ist da, und trotzdem wird getanzt, gelogen, geküsst. Brussig lässt die Clique gewinnen, wo das System absurd ist, und zeigt die Angst der Mutter, das Mitlaufen des Bruders bei der Armee, die verstümmelte Sprache nach dem Dienst. Der Schluss ist versöhnlich im privaten Sinn: Micha und Miriam finden zueinander. Politisch bleibt die Sonnenallee das kürzere Ende.

Einordnung

Brussig hat den DDR-Alltag in die Form der Schnurre geholt, die das Erinnern selbst nachahmt: assoziativ, parteiisch, lustig auf Kosten der Macht. Der Vorwurf, das Buch male ein harmloses Märchenland, gehört zur frühen Aufnahme; genauer ist es ein Roman über Jugend, die das System als Kulisse und als Gefahr kennt, ohne die Biografie zur Anklageakte zu machen. Die Sprache mischt DDR-Wortschatz, Berlin und Jugendsprache; Bernds Militärdeutsch zeigt, wie weit die Zurichtung ins Private reicht. Neben Jurek Beckers Jakob der Lügner steht der Band in der Reihe der komischen Ernstfälle; Becker ist älter und dunkler, Brussig später und lauter.

Der Film von Leander Haußmann und das Buch nähren einander; wer nur den Film kennt, verpasst Onkel Heinz’ Asche und den Erzähler, der seine Sehnsucht verdächtigt. Wer nur Ostalgie sucht, findet den ABV, den Streifen und die Kugel in der Platte. Die angegebene Fischer-Taschenbuchausgabe hat den Volk-und-Welt-Text in die Breite getragen. Wer nach 1999 über Jugend an der Mauer spricht, spricht hinter diesem Roman; wer ihn für bloße Posse hält, hat Miriams Zusammenbruch vor der Parade nicht gelesen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.