0,1 % – Das Imperium der Milliardäre
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | 0,1 % – Das Imperium der Milliardäre |
| Autor(en): | Hans-Jürgen Krysmanski |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Westend |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2012 |
| Seitenanzahl: | 240 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3864890233 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783864890239 |
| Schlagwörter: | Reichtum, Elite, Plutokratie, Umverteilung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Soziologie |
| Rezensionen | |
0,1 % – Das Imperium der Milliardäre ist die 2012 im Westend-Verlag erschienene Untersuchung des Münsteraner Soziologen Hans-Jürgen Krysmanski über die globale Geldelite. Das Buch gehört zur Erforschung der Machtstrukturen und der Reichtumsforschung; 2015 erschien eine überarbeitete Taschenbuchausgabe. Krysmanski behauptet, dass eine winzige Schicht Superreicher die Funktionseliten überlagert und die Demokratie in Richtung einer oligarchischen Plutokratie verschiebt. Die Angabe 0,1 Prozent im Titel nennt er selbst eine Vergröberung; genauer seien oft 0,001 Prozent. Der Band ist Essay, Materialsammlung und Anklage zugleich.
Inhalt
Krysmanski schreibt gegen eine deutsche Soziologie, die wie im Kaiserreich die Unterschicht beobachtet, um die Oberschicht zu schonen, und gegen sublimierte Betrachtungen, die über die harten Verhältnisse hinwegsehen. Reichtum dieser Größenordnung – verfügbares Einkommen, das bei Hunderten von Millionen Dollar beginnt – lasse sich rechtlich nicht mehr einbinden. Weltweit zählt er etwa zehn Millionen Millionäre und darunter zwei- bis dreitausend Milliardäre, die als Familienclans mit einem Kranz von Helfern zu denken seien, in Deutschland rund fünfhundert Superreiche und etwa fünfzigtausend Personen in ihrem Umkreis. Die ungleiche Verteilung beruhe auf systematischer Umverteilung von unten nach oben. Im Transkapitalismus, so der von ihm gesetzte Begriff für eine über nationale Bindungen hinausgewachsene Kapitalordnung, finde eine Refeudalisierung statt: ein Geldadel, der sich über Erb- und Steuerrecht fortzeugt.
Die Behauptung entfaltet sich an der Planetarisierung des Reichtums nach 1989. Superreiche nomadisieren in einem Raum, den Robert Frank Richistan genannt hat, ein Reich der Reichen jenseits der Staaten: außerhalb wirksamer demokratischer Kontrolle, interessiert vor allem an der Erhaltung des Systems, das Funktionseliten zu beiderseitigem Vorteil organisieren. Stiftungen und Wohltätigkeit dienen der Machterhaltung, der Einbindung von Politikern und Intellektuellen, allenfalls der Beschwichtigung. Denkfabriken entwickeln Strategien; eine Obergrenze des Reichtums werden Superreiche nicht akzeptieren, weil die Vorstellungen mit den Möglichkeiten wachsen. Krysmanski stützt sich auf Thorstein Veblens Theorie der feinen Leute, auf Mills’ Machtelite und auf die Soziologische Phantasie. Anders als Jean Ziegler setzt er auf Transparenz und Enthüllung, etwa durch Veröffentlichungsplattformen, die den Informationsvorsprung der Eliten brechen.
Unsicher wird das Buch, wo These, Anekdote, Zeitungsausschnitt und Theorie ineinanderlaufen. Wolfgang Storz nannte es verdienstvoll und warnte, man könne sich zwischen Nomadisierung, Davos-Klasse, Biopolitik und persönlichen Erlebnissen verlieren. Die Deckelungsdebatte und die Behauptung, die Finanzelite halte die Welt für übervölkert, bleiben spekulativer als die Zahlen zur Vermögenskonzentration. Krysmanski steht in der Tradition marxistischer Dialektik und betont den empirischen Gehalt; zugleich gibt er zu, dass auch Karl Marx in den Grenzen seiner Zeit dachte. Die Gegenposition ist jede Soziologie, die Eliten als Leistungselite liest oder Reichtum als privates Thema behandelt. Für die Zukunft rechnet er mit nackten Überlebenskämpfen, sobald die Mittelschicht weiter schwindet.
Einordnung
Die Süddeutsche Zeitung las eine in Krisenzeiten berechtigte Auseinandersetzung mit einer Elite, die sich über Geld definiert; die Frankfurter Rundschau nannte das Buch einen fundierten Blick in die Welt des Reichtums. Deutschlandradio Kultur folgte der Diagnose einer Plutokratie außerhalb staatlicher Kontrolle. Daniela Rom im Standard hob hervor, dass die platte Aufforderung, die Reichen zu verspeisen, weitgehend ausbleibe. Krysmanski hat damit ein Thema, das in Deutschland tabuisiert werde, in die öffentliche Soziologie geholt. Nachbarschaft hat der Band zur amerikanischen Elitenforschung und zur europäischen Kritik der Ungleichheit nach der Finanzkrise.
Das Missverständnis ist, hier eine Verschwörungserzählung oder eine vollständige Theorie des Weltkapitals zu erwarten. Es ist ein Überblick, der Facetten sammelt und die Macht der Zahlen gegen die Scham des Faches setzt. Geblieben ist die Frage, ob repräsentative Demokratie unter exponentiell wachsendem Privatvermögen noch Meritokratie sein kann oder zur Kleptokratie driftet. Wer nach 2012 über Superreiche, Stiftungen und die Aushöhlung der Mitte spricht, findet in diesem Buch das Vokabular der Refeudalisierung, auch wenn er die Zuspitzung nicht teilt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
