Zeit und Erzählung

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Paul Ricoeur · 1983 · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Zeit und Erzählung
Autor(en): Paul Ricoeur
Originaltitel: Temps et récit
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1983
Schlagwörter: Zeit, Erzählung, Mimesis, Geschichte
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fink


Umfang dieser Ausgabe: 454 Seiten
ISBN: 9783770526086
Verweise


Zeit und Erzählung (französisch Temps et récit) ist das zwischen 1983 und 1985 in drei Bänden erschienene Hauptwerk Paul Ricoeurs. Die menschliche Zeit wird nur als erzählte erfahrbar: Mimesis als Vorkonfiguration des Lebens, Konfiguration des Werks, Refiguration des Lesers, der seine Zeit nach der Fabel neu bewohnt. Das Buch hat der französischen Philosophie nach 1945 die Erzählung als Organon der Zeit gegeben, gegen die reine Phänomenologie und gegen den Strukturalismus, der die Fabel streicht.

Inhalt

Ricoeur liest Augustinus’ unruhige Zeit und Aristoteles’ Fabel als zwei Hälften desselben Problems: Die Zeit zerrinnt, wenn niemand sie erzählt; die Erzählung ist leer, wenn sie keine Zeit ordnet. Die dreifache Nachahmung – das Leben, das schon symbolisch ist, das Werk, das eine Intrige baut, die Lektüre, die das Leben umbaut – verbindet Phänomenologie, Poetik und Hermeneutik. Der zweite Band führt durch Geschichtsschreibung und fiktionales Erzählen; der dritte setzt die erzählte Identität gegen das Cogito, das sich selbst besitzt. Gegen Sartre, der die Freiheit im Nichts gründet, setzt Ricoeur die Freiheit in einer Geschichte, die man übernehmen kann, ohne sie gewählt zu haben.

Gegen Levi-Strauss und den Strukturalismus setzt er die Behauptung, die Fabel sei nicht das, was die Analyse auflöst, sondern das, was Zeit menschlich macht. Gegen Levinas, der die Erzählung für Totalität halten könnte, setzt er eine Identität, die vom Anderen durchkreuzt bleibt und doch erzählt werden muss, wenn Verantwortung ein Subjekt haben soll. Merleau-Pontys Leib ist die Lage; Ricoeurs Erzählung ist die Zeit dieser Lage. Die drei Bände sind schulmäßig, reich an Lektüren – von Woolf bis Braudel –, und gerade darin unfranzösisch: Ricoeur baut, statt zu sprengen.

Die Grenzen liegen in der Versöhnung. Wer den Bruch will, den Foucault und Derrida am Wissen und an der Schrift vollzogen, findet Ricoeur zu heilend. Wer die Zeit als Aporie will, die Augustinus offen ließ, findet die Fabel als zu glatte Lösung. Das Buch bleibt trotzdem das Organon: Nach ihm ist Unschuld in der Rede von Identität schwerer, weil Identität erzählt ist, und Unschuld in der Historie schwerer, weil Historie erzählt, ohne Fiktion zu sein. Fink hat die deutsche Ausgabe in drei Bänden vorgelegt; die Aufnahme war respektvoll und seltener enthusiastisch als die der Sprenger.

Einordnung

Ricoeur hat der französischen Philosophie die hermeneutische Mitte gegeben, die das Jahrhundert oft für unmodern hielt und doch brauchte. Neben Sartre, Merleau-Ponty, Foucault und Derrida steht dieser Band als die Behauptung, dass Zeit ohne Erzählung nicht menschlich und Erzählung ohne Zeit nicht bindend ist. Die Geschichtswissenschaft hat die Mimesis genommen; die Literaturwissenschaft die Refiguration; die Theologie den Ricoeur, der sie nie ganz verlassen hatte. Wer nach 1983 Identität sagt und Lebensgeschichte meint, spricht dieses Werk. Die drei Bände sind ein Buch; der Slot ist einer.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.