Was ist Metaphysik
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Was ist Metaphysik? |
| Autor(en): | Martin Heidegger
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1929 |
| Schlagwörter: | Nichts, Angst, Wissenschaft, Sein |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Klostermann
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| Umfang dieser Ausgabe: | 55 Seiten |
| ISBN: | 9783465035176 |
| Verweise | |
Was ist Metaphysik? ist die öffentliche Antrittsvorlesung, die Martin Heidegger am 24. Juli 1929 an der Freiburger Universität hielt, als er den Lehrstuhl Edmund Husserls übernahm. Der Vortrag bestimmt den Menschen als das Wesen, das in der Metaphysik nach dem Ganzen fragt, und setzt Philosophie und Wissenschaft ins Verhältnis, indem er beider Bezug zum Nichts prüft. Die Logik erweist sich als untauglich, das Nichts zu begreifen; Heidegger lehnt sie als zentrale Methode der Metaphysik ab. Die Grundfrage, die am Ende steht, lautet: Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts? 1943 fügte er ein Nachwort, 1949 eine Einleitung hinzu, beide bereits nach der Kehre, als Selbstauslegung und Antwort auf die Kritik. Der Text ist der Übergang zwischen Sein und Zeit und dem Spätwerk, kurz, grell im Wort und von einer Wirkung, die bis zu Carnaps Angriff auf die Metaphysik reicht.
Inhalt
Heidegger schreibt gegen die Selbstverständlichkeit der Wissenschaften, die das Seiende erforschen wollen und sonst nichts. Dass sie so sprechen, nimmt er ernst: Indem die Wissenschaft das Nichts als unwissenschaftlich abtut, definiert sie sich mit seiner Hilfe. Metaphysik fragt der Mensch, und er fragt nach dem Ganzen, nicht nach dem vereinzelten Gegenstand. Die Wissenschaften beziehen sich auf Seiendes, abstrahieren vom Menschen, legen systematisch frei; sie fragen nicht nach dem Sein im Ganzen. Das Nichts als Verneinung eines Seienden oder des Ganzen zu denken reicht nicht: Dann wäre es über das definiert, was es ausschließt, und das Ganze ist uns als endlichen Wesen nie als Ganzes gegeben. Heidegger sucht eine Erfahrung, keine Verstandesoperation. In Langeweile und Freude kann das Ganze inmitten dessen, worin wir sind, bedeutsam werden; das Nichts erschließt sich in der Angst, die anders als die Furcht kein bestimmtes Etwas meint. Die Welt wird gleichgültig, sie ist »nichts« für uns, ohne zu verschwinden.
Das Nichts zeigt sich am Seienden, das in Unbedeutsamkeit versinkt. Heidegger spricht nicht von der Erfahrung des Nichts, sondern vom Nichts, das nichtet: Die Welt rückt vom Menschen ab, ihr Entzug steht nicht in seiner Macht. Die Wortprägung, das Nichts nichtet von sich aus, soll den Subjektivismus unterlaufen, der Angst für eine innere Einstellung hält. Die Verneinung gründet auf dem Nicht, das dem Nichten entspringt, nicht umgekehrt. Deshalb ist die Logik, die Sein und Nichts als Widerspruch auseinanderhält, nicht die Methode der Metaphysik. Heidegger grenzt sich von Hegel ab, der reines Sein und reines Nichts als dasselbe setzte, weil beide leer seien; für Heidegger gehören sie zusammen, weil beide auf den Menschen angewiesen sind, um sich zu offenbaren. Der Mensch ist Platzhalter des Nichts, und erst die Angst lässt das Seiende im Ganzen offenbar werden, sodass die Wissenschaft feststellen kann, dass sie sich auf Einzelnes bezieht. Auch ihr Fragen braucht das Nichts: Nur die Verwunderung, dass nicht nichts ist, bringt das Warum auf den Weg.
Unsicher bleibt die Sprache. Rudolf Carnap hat »nichten« als Wort ohne Bedeutung getadelt und das Nichts auf Verneinung und Dasein zurückgeführt; die Kritik war philosophisch und politisch. Heidegger antwortet im Nachwort: Das Nichts sei kein Nihilismus, weil es das Seiende gerade in seiner Unbedeutsamkeit angehen lasse; die Angst könne bezaubern, das Wunder, dass Seiendes ist; die Logik sei nur eine historisch gewordene Auslegung des Denkens. Die Einleitung von 1949 denkt den Grund der Metaphysik als Wahrheit des Seins, in den die Wurzeln des cartesischen Baums ragen. Ob der Vortrag von 1929 diese Kehre schon enthält oder sie nachträglich in ihn hineingelesen wird, ist die Streitfrage der Heidegger-Philologie. Der Vortrag spricht noch die Sprache der Metaphysik und fragt mit dem Titel über sie hinaus.
Einordnung
Kaum ein kurzer Vortrag der Zwischenkriegszeit hat so weit polarisiert. Die Existenzphilosophie hat die Angst als Erschließung genommen, die analytische Philosophie das Nichten als Muster sinnloser Sätze. Heidegger selbst hat den Text zweimal nachträglich in die Seinsgeschichte eingeordnet und damit gezeigt, dass er Philosophie als Vollzug versteht, nicht als System, auf das man sich verlassen kann. Zwischen Husserl und der Rektoratsrede liegen zwei Jahre; die Antrittsvorlesung ist akademischer Ernst und schon der Ton, der Carnap gegen die Metaphysik in Stellung brachte.
Die Nachbarschaft ist Sein und Zeit, Hegels Wissenschaft der Logik und der Brief über den »Humanismus«, der die Subjektivität vollends unter das Sein stellt. Wer den Vortrag nur als Wortgeklingel abtut, verfehlt die genaue Unterscheidung von Angst und Furcht, Wissenschaft und Metaphysik. Wer ihn nur als Tiefe feiert, verfehlt, dass das Nichten des Nichts eine Entscheidung gegen die Logik ist, keine Entdeckung im Labor. Geblieben ist die Grundfrage, warum Seiendes ist und nicht vielmehr Nichts – eine Frage, die die Wissenschaften nicht stellen.
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