Brief über den »Humanismus«
| Daten zum Buch | |
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| Deutscher Titel: | Brief über den »Humanismus« |
| Autor(en): | Martin Heidegger |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Klostermann |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1947 |
| Seitenanzahl: | 56 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3465040910 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783465040910 |
| Schlagwörter: | Humanismus, Existenz, Sprache, Sein |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Der Brief über den »Humanismus« ist die 1947 erschienene Schrift von Martin Heidegger, die überarbeitete Fassung eines Briefes vom Herbst 1946 an den französischen Philosophen Jean Beaufret. Als selbstständige Broschüre kam der Text 1949 bei Vittorio Klostermann heraus; zuerst war er zusammen mit Platons Lehre von der Wahrheit in Bern gedruckt worden. Es ist Heideggers erste Veröffentlichung nach 1945, geschrieben, während in Freiburg die Bereinigungskommission über sein Rektorat von 1933 und die Mitgliedschaft in der NSDAP verhandelte. Beaufret hatte gefragt, wie dem Wort Humanismus wieder ein Sinn zu geben sei, wie Ontologie und Ethik zusammenhingen und was das Abenteuer der Philosophie ausmache. Der Brief beantwortet die erste Frage, indem er den Humanismus in Anführungszeichen setzt, den Menschen als Ek-sistenz bestimmt und die Sprache das Haus des Seins nennt. Trotz der Kürze gilt er als Schlüssel des späten Denkens: Kehre, Seinsgeschichte, Technik, Dichten und Denken stehen hier zum ersten Mal beieinander.
Inhalt
Heidegger schreibt gegen die historischen Gestalten des Humanismus – den christlichen, den marxschen, den sartreschen –, nicht gegen die Sorge um den Menschen. Jeder dieser Humanismen setze eine metaphysische Auskunft über Natur, Geschichte oder Weltgrund voraus und lege von dort die humanitas nachträglich aus. Der Mensch als animal rationale, als vernünftiges Lebewesen, setze schon ein Verständnis von Leben und Natur voraus; zusammengestückt aus Tierheit und Vernunft achte er das Wesen des Menschen zu gering, weil er es auf Seiendes zurückführe. Dagegen stellt Heidegger die Ek-sistenz: das Hinausstehen in die Lichtung des Seins, kein Heraus aus einem Innen, sondern der Bezug, in dem der Mensch immer schon vom Sein angegangen wird. Das Tier hat Umgebung, keine Welt; der Mensch ist auf das Sein angewiesen, um in sein Wesen zu finden. Nicht der Mensch ist das Wesentliche, sondern das Sein.
Denken ist Denken des Seins in doppeltem Sinn: Es widmet sich der Wahrheit des Seins, und es gehört dem Sein, weil es sich vom Sein her ereignet. Wahrheit ist Unverborgenheit, nicht Herstellung durch Methode; das Sein entbirgt das Seiende und verbirgt den Entbergungsvorgang selbst. Die Metaphysik bleibt seinsvergessen, nicht aus Schuld des Denkers, sondern weil der Mensch sich beim Seienden aufhält. Werte lehnt Heidegger ab, weil das Werten das Gewertete zum Gegenstand der Schätzung macht; Gott als höchsten Wert zu setzen wäre Blasphemie. Ethik als Regelwerk über Epochen hinweg vertrage sich nicht mit der Seinsgeschichte. Halt findet der Mensch nicht in selbstgemachten Gesetzen, sondern wo das Sein ihn in die Hut nimmt. Die gegenwärtige Heimatlosigkeit sei Subjektivismus: der Mensch in der Mitte des Seienden, Sprache zum bloßen Mittel der Mitteilung und des Verkehrs verkommen.
Unsicher wird der Brief in der Selbstauslegung von Sein und Zeit. Geworfenheit, Entwurf, Dasein werden umgedeutet: nicht mehr Leistung einer Person, sondern Geschehen vom Sein her. Heidegger behauptet nicht, die Begriffe seien 1927 schon so gemeint gewesen; er verweist auf den ungeschriebenen dritten Abschnitt und auf die Erfahrung der Seinsvergessenheit, die unter dem Programm gelegen habe. Die Forschung hat das als gewaltsame Umdeutung und als Versuch gelesen, die innere Notwendigkeit des eigenen Weges zu verstehen. Unsicher bleibt auch, ob die Absage an den Humanismus den Menschen rettet oder ihn dem Sein so gründlich unterstellt, dass Verantwortung für 1933 philosophisch unzustellbar wird. Der Hirt des Seins ist weniger als der Herr des Seienden und soll gerade darin würdiger sein; die politische Probe dieser Würde bleibt im Brief ausgespart.
Einordnung
Der Humanismusbrief hat die französische Heidegger-Rezeption entschieden geprägt und Heidegger nach dem Lehrverbot auf die philosophische Bühne zurückgebracht. Jean-Paul Sartre, die Existenzphilosophie, die spätere Abbauarbeit an der Metaphysik haben hier Formeln gefunden – Haus des Seins, Hirt, Ek-sistenz –, oft gegen Heideggers Absicht, der Sartre vorwarf, die Metaphysik der Subjektivität nur umzukehren. In Deutschland steht der Text in den Wegmarken. Er ist Brücke zwischen Sein und Zeit und der Technikvorlesung, zwischen Freiburger Rektorat und Spätwerk.
Die Nachbarschaft ist Platons Bestimmung des Menschen, Hölderlins Dichtung, gegen die Goethe und Schiller als bildender Humanismus gestellt werden, und die humanistische Tradition, die Heidegger für zu gering hält, weil sie den Menschen in die Mitte rückt. Wer den Brief nur als Entnazifizierungsschrift liest, verfehlt die seinsgeschichtliche Pointe und unterschätzt sie zugleich: Die Kehre kann als Ausweichen vor der Schuld gelesen werden. Wer ihn nur als Sprachmystik liest, verfehlt die genaue Kritik am Wert und an der Sprache als bloßer Mitteilung. Geblieben ist der Satz, der Mensch sei nicht Herr des Seienden, sondern Hirt des Seins – eine Demut, die trösten und entlasten kann, und deren Preis die Schwarzen Hefte nachträglich sichtbar gemacht haben.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
