Sansibar oder der letzte Grund
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Sansibar oder der letzte Grund |
| Autor(en): | Alfred Andersch |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1957 |
| Seitenanzahl: | 170 Seiten |
| Originaltitel: | Sansibar oder der letzte Grund |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3150160367 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150160367 |
| Schlagwörter: | Flucht, Ostsee, 1937, Gewissen |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Sansibar oder der letzte Grund ist der 1957 erschienene Roman von Alfred Andersch. Im Herbst 1937 kreuzen sich in einem Ostseehafen fünf Lebensläufe, und eine Holzfigur soll nach Schweden. Andersch hat den Terror nicht beim Namen der Partei genannt, sondern bei dem Wort, das die Figuren gebrauchen: die Anderen. Rerik, so heißt der Ort, trägt Züge von Wismar und vom wirklichen Rerik; Sansibar ist kein Ziel auf der Karte, sondern der Tagtraum eines Jungen von einem Leben anderswo. Das Buch ist knapp, szenisch und eines der wirksamsten Fluchtbücher der Nachkriegszeit. Es hat Anderschs Ruf begründet, nach den umstrittenen Kirschen der Freiheit.
Inhalt
Gregor, ein junger kommunistischer Funktionär, kommt mit dem Auftrag, die zerschlagene Partei zu sammeln, in die kleine Hafenstadt. Judith Levin, Tochter aus gutem Haus, flieht nach dem Freitod der Mutter vor den Nürnberger Gesetzen und sucht ein Boot. Der Fischer Heinrich Knudsen soll helfen und zögert: Seine Frau Bertha, geistig behindert, wäre unter den Anderen verloren, wenn er ginge. Der Pfarrer Helander, kriegsversehrt, glaubensmüde und empört über die Schande der Kirche, will eine Holzskulptur retten, den Lesenden Klosterschüler nach Ernst Barlach, den die Anderen als entartete Kunst beschlagnahmen würden. Knudsens Junge, fünfzehn, dessen Vater auf See blieb, träumt von Sansibar und will nicht werden wie die Erwachsenen von Rerik.
In siebenundzwanzig Stunden und siebenunddreißig kurzen Kapiteln, jeweils einer Figur überschrieben, schieben sich die Aufträge ineinander. Gregor gibt die Parteidisziplin auf und macht Judiths Rettung und die der Figur zu seiner Sache. Knudsen stellt den Kutter. Der Junge hilft tragen, weil das Abenteuer größer ist als der Hafen, und begreift unterwegs, dass er mitgeht, ohne zu bleiben. Helander, der nicht mehr leben will, gibt den Klosterschüler aus der Kirche und behält sich selbst zurück. Judith, verwöhnt und plötzlich umstellt, vertraut den drei Männern, weil ihr niemand sonst geblieben ist.
In der Nacht geht das Boot nach Schweden. Judith und die Skulptur erreichen das andere Ufer. Gregor, Knudsen und der Junge kehren nach Deutschland zurück, ins Offene des Gewissens und der Gefahr. Helander, von der Geheimen Staatspolizei geholt, leistet Widerstand und lässt sich erschießen. Der Junge hat Sansibar nicht betreten; er hat, indem er umkehrte, den kindlichen Ausbruch gegen eine Verantwortung getauscht, die noch keinen Namen hat. Der Klosterschüler liest weiter, wo man ihn hinlegt. Was die Stadt betrifft, so bleiben die Türme, die alle zu beobachten scheinen.
Einordnung
Andersch hat ein Lehrstück geschrieben, das sich nicht so liest. Die Figuren vertreten Schichten und Haltungen – Partei, Kirche, Arbeit, Jugend, verfolgte Jüdin –, und trotzdem atmen sie. Die Hoffnung des Buches liegt in der Bündelung dieser Kräfte, die 1933 nicht zustande kam; die Kritik hat das als Holztafel getadelt und als Vorschein einer anständigen Gesellschaft gelobt. Der personale Erzähler wechselt mit den Kapiteln, die Sprache passt sich an: Knudsens Mundart, Judiths Hochdeutsch, der Gedankenstrom des Jungen. Freiheit ist hier keine Rede, sondern eine Nacht auf dem Kutter.
Das Buch wurde Schullektüre, Hörspiel, Film – 1961 und 1987, zuletzt unter Bernhard Wicki – und Oper. Die Einfachheit hat ihm Leser gehalten, die Anderschs späteres Werk nicht mehr mitgenommen haben. Die Figur des Jungen trägt die Identifikation; die Härte liegt bei Helander und bei der Rückkehr. Wer nach ihm über Flucht und 1937 spricht, spricht hinter diesem Band: hinter der Entscheidung, ein Boot zu besteigen und wieder von Bord zu gehen. Sansibar bleibt der Name für den letzten Grund, fortzugehen, und für den Grund, zu bleiben.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
