Morphologie des Märchens

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Wladimir Propp · 1928 · Sachbuch, Literaturwissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Morphologie des Märchens
Autor(en): Wladimir Propp
Originaltitel: Morfologija skazki
Originalsprache: russisch
Erstveröffentlichung: 1928
Schlagwörter: Märchen, Funktion, Morphologie, Erzählung
Sachgebiete: Sachbuch, Literaturwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: stw
Umfang dieser Ausgabe: 272 Seiten
ISBN: 9783518281314
Verweise


Morphologie des Märchens (russisch Morfologija skazki) ist das 1928 in Leningrad erschienene Werk von Wladimir Propp, die Zerlegung des Zaubermärchens in Funktionen, die in einer festen Reihenfolge auftreten. Der Held, der Gegenspieler, die Schenkung, die Prüfung: nicht Figuren zuerst, sondern Taten. Das Buch hat den Formalismus an einem Stoff erprobt, den die Volkskunde besaß, und der strukturalen Erzählforschung das Organon geliefert.

Inhalt

Propp vergleicht hundert russische Zaubermärchen und findet eine begrenzte Zahl von Funktionen – Handlungen der Personen, definiert nach ihrer Bedeutung für den Gang der Geschichte. Die Reihenfolge ist konstant, einzelne Funktionen können fehlen, die Abfolge kehrt sich nicht um. Figuren sind austauschbare Träger; was zählt, ist die Stelle im Verlauf. Die Morphologie ist bewusst an die Botanik angelehnt: Form vor Ursprung, Vergleich vor Deutung. Wer das Märchen als Seele des Volkes oder als Kindheitsrest liest, hat die Konstruktion unterschlagen.

Das Buch blieb in der Sowjetunion lange randständig und wurde im Westen nach der englischen Übersetzung von 1958 zum Klassiker. Lévi-Strauss hat widersprochen und aufgenommen; Greimas hat die Funktionen in Aktanten übersetzt; die Erzähltheorie der sechziger Jahre hat Propps Schema zum Modell gemacht, oft über den Märchenstoff hinaus. Die Kritik nannte die Auswahl zu eng, die Starre der Reihenfolge, die Blindheit für Bedeutung und Geschichte. Geblieben ist der Zwang, Erzählung als Folge von Stellen zu lesen.

Propp hat später den historischen Ursprung der Märchen nachgetragen, den die Morphologie absichtlich wegließ. Wer nur das Schema kennt, unterschlägt die russischen Texte; wer nur die Volkskunde kennt, unterschlägt, dass 1928 ein Formalist Morphologie sagte, um Interpretation zu vertagen. Die deutsche Suhrkamp-Ausgabe hat das Buch zum Seminarstoff gemacht.

Einordnung

Propp hat dem Formalismus die Erzählung als System gegeben, das Schklowski an der Prosa, Tynjanow an der Evolution anders schnitten. Die Tartuer Schule hat ihn gelesen; Lotman steht auf diesem Boden. Neben der Theorie der Prosa ist die Morphologie das zweite Organon: nicht Verfremdung, sondern Funktion. Wer nach 1928 über Handlung spricht, ohne Stellen, spricht hinter diesem Band, auch in Hollywood.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.