Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus |
| Autor(en): | Jürgen Habermas
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1973 |
| Schlagwörter: | Legitimation, Krise, Staat, Spätkapitalismus |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Gesellschaftstheorie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | edition suhrkamp |
| Umfang dieser Ausgabe: | 195 Seiten |
| ISBN: | 9783518106235 |
| Verweise | |
Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus ist die 1973 bei Suhrkamp erschienene zeitdiagnostische Schrift von Jürgen Habermas. Sie entstand als Programmskizze für das Max-Planck-Institut in Starnberg, das Habermas mit Carl Friedrich von Weizsäcker leitete, und gilt als sein erster Versuch einer umfassenden Gesellschaftstheorie. Habermas revidiert die marxistische Krisenlehre: im organisierten Kapitalismus fängt der Staat ökonomische Zusammenbrüche auf, erzeugt aber neue Krisen der Rechtfertigung. Der Band blieb in der Politikwissenschaft der siebziger Jahre ein Streitbuch. Später hat Habermas den Krisenbegriff, der auf Überwindung des Systems zielte, hinter sich gelassen.
Inhalt
Habermas schreibt gegen zwei Vereinfachungen: gegen die orthodoxe Erwartung, der Kapitalismus gehe an seinen ökonomischen Widersprüchen zugrunde, und gegen die liberalen Lehre, Wirtschaft und Staat seien getrennt und Krisen darum nur Marktkrisen. Im Liberalkapitalismus war die Ökonomie ein relativ staatsfreier Raum; Krisen konnten ökonomischer Natur sein. Im organisierten oder staatlich geregelten Kapitalismus, den Habermas mit Claus Offe Spätkapitalismus nennt, reguliert der Staat den Kreislauf, erzeugt und verbessert Verwertungsbedingungen für überschüssiges Kapital. Die Last des Systems wandert ins Politische. Wohlfahrtsstaatliche Einrichtungen dämpfen den ökonomischen Schock und erzeugen Folgelasten: Bevormundung, ökologische Zerstörung, Schwäche der demokratischen Vertretung. Die zentrale Annahme lautet, dass erweiterte politische Steuerung einen erhöhten soziokulturellen Legitimationsbedarf weckt, der nicht gedeckt wird.
Die Behauptung entfaltet sich an vier Krisentendenzen. Die ökonomische Krise wird administrativ aufgefangen, kehrt aber als Rationalitätskrise wieder: der Staat soll steuern, ohne die Privatautonomie der Verwertung zu sprengen, und scheitert an dieser Doppelbindung. Die Legitimationskrise entsteht, wo politische Entscheidungen Rechtfertigung verlangen, die aus Konjunkturprogrammen und Sachzwang nicht zu gewinnen ist. Die Motivationskrise trifft die kulturelle Überlieferung, aus der Bürger Leistung, Gehorsam und Wahlbeteiligung bezogen: sie erodiert, ohne dass neue Sinnquellen nachwachsen. Habermas rekonstruiert den Begriff der Systemkrise, statt ihn zu beerben. Nachfrage nach Partizipation, Sinn und demokratischer Begründung steigt; das politisch-administrative System liefert Verfahren und Leistungen, nicht den Grund, warum sie gelten sollen.
Unsicher wird das Buch, wo die erfolgreiche Überformung der Ökonomie durch Politik behauptet wird. Marxistisch orientierte Staatstheorie hat gerade das bestritten: die Verwertung bleibe das Kommando, der Staat ihr Ausschuss. Wilhelm Hennis hielt es 1975 für abwegig, Legitimität statt Stabilität zum Hauptproblem zu erklären, und erinnerte, dass bürgerliche Gesellschaften andere Sorgen kannten. Habermas selbst sprach auf derselben Tagung über Legitimationsprobleme im modernen Staat und rückte später von der Überwindungsperspektive ab. Die Theorie des kommunikativen Handelns verschiebt die Kritik in Lebenswelt und System, ohne den Spätkapitalismus noch stürzen zu wollen. Gegenposition ist jede Krisentheorie, die beim Profit und beim Zusammenbruch bleibt, und jede Demokratietheorie, die Legitimation für ein gelöstes Problem der Verfassung hält. Das Buch hat die Krise verlagert. Ob die Verlagerung sie entschärft oder nur unsichtbar macht, ist der Einwand, den es nicht ausräumt.
Einordnung
Innerhalb des Werks steht die Schrift zwischen Strukturwandel der Öffentlichkeit und der großen Theorie der achtziger Jahre: noch marxistisch im Vokabular, schon steuerungstheoretisch in der Diagnose. Sie hat die Rede von Legitimation in der deutschen Politikwissenschaft der siebziger Jahre geprägt und die Unregierbarkeitsdebatte von rechts gekreuzt. Wer Habermas nur als Ethiker des Diskurses kennt, verfehlt diese Materialanalyse des Staates. Neben Offes Strukturproblemen des kapitalistischen Staates ist sie das linke Zeitbuch jener Jahre. Die neunte Auflage 1992 zeigt, dass der Titel länger trug als die Forschungsplanung Starnbergs.
Das Missverständnis wäre, hier schon die Diskursethik oder eine fertige Krisenmechanik zu suchen. Es ist eine Argumentationsskizze, ausdrücklich als Rekonstruktion, kein Zeitroman. Nach dem Abschied vom revolutionären Krisenbegriff bleibt sie als Dokument einer Schwelle: der Staat hat die Ökonomie in sich aufgenommen und damit die Frage nach dem Einverständnis verschärft, nicht erledigt. Niklas Luhmanns Legitimation durch Verfahren beantwortet dieselbe Frage kälter, ohne Sinnbedarf. Habermas hat den Bedarf behauptet. Ob Gesellschaften an seinem Mangel zerbrechen oder mit Verfahren weiterlaufen, ist der Streit, der die beiden Bücher aneinanderbindet.
Ideen
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
