Jakob der Lügner

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Jakob der Lügner
Autor(en): Jurek Becker
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1969
Seitenanzahl: 301 Seiten
Originaltitel: Jakob der Lügner
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3518419447
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518419441
Schlagwörter: Ghetto, Lüge, Hoffnung, Radio
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Jakob der Lügner ist der 1969 im Aufbau-Verlag erschienene erste Roman von Jurek Becker. Ein Mann im Ghetto behauptet, ein Radio zu besitzen, und hält mit erfundenen Siegesmeldungen eine Weile die Verzweiflung auf. Becker, der als Kind das Ghetto Litzmannstadt und mehrere Lager überlebt hat, hat daraus keine Chronik gemacht, sondern eine Geschichte über die Lüge, die lebendig hält. Der Ton ist trocken, witzig und genau; das Entsetzen steht nicht im Pathos, sondern in dem, was die Figuren nicht mehr sagen. Es ist eines der wenigen Bücher der DDR-Literatur, die das Ghetto von innen erzählen, ohne den Widerstand zu heroisieren.

Inhalt

Jakob Heym wird nach der Ausgangssperre von einem Wachposten auf die Wache geschickt und hört dort, zufällig, eine Wehrmachtsmeldung: Die Rote Armee sei im Vormarsch. Im Ghetto, das der Roman nicht bei seinem historischen Namen nennt, erzählt er dem jungen Mischa, er habe ein Radio. Die Nachricht läuft um. Selbsttötungen hören auf; die Leute fragen nach weiteren Meldungen. Jakob besitzt kein Gerät. Er erfindet Frontverläufe, Ortsnamen, Kilometer, weil das Schweigen tödlicher wäre als die Unwahrheit. Der Ich-Erzähler, ein Überlebender, der Jakob gekannt hat, mischt sich ein, prüft Varianten und gibt zu, dass er nicht alles gesehen hat.

Um Jakob versammeln sich die, die von der Hoffnung leben: der Friseur Kowalski, Jakobs einziger Freund; das Mädchen Lina, dem Jakob aus einem imaginierten Radio Märchen und Siege vorspielt; Rosa, Mischas Geliebte, deren Eltern schon deportiert sind; der Fromme Herschel Schtamm, der die Meldungen als Zeichen liest. Jakob stiehlt sich nachts in einen Keller, um an einem echten Radio Gewissheit zu holen, und scheitert. Je länger die Lüge trägt, desto teurer wird sie. Kowalski, dem Jakob in einem Augenblick der Erschöpfung gesteht, dass es kein Radio gibt, erhängt sich. Die Erfindung, die andere am Leben hielt, tötet den, der dem Erfinder am nächsten stand.

Das Ghetto wird aufgelöst. Jakob stirbt, als er sich gegen eine Demütigung wehrt oder – in einer der Erzählversionen, die der Erzähler nebeneinanderstellt – auf der Flucht erschossen wird. Der Erzähler überlebt das Lager und schreibt, nach dem Krieg, die Geschichte auf, weil er sie nicht den Akten überlassen will. Er bietet sogar ein anderes, versöhnlicheres Ende an, in dem Jakob am Leben bleibt, und nimmt es zurück: So sei es nicht gewesen. Was bleibt, ist die Behauptung, dass eine Lüge unter diesen Umständen keine Privatangelegenheit war. Sie war die letzte Nachricht, die das Ghetto sich selbst schickte.

Einordnung

Becker hat den Holocaust nicht als Lehrstück erzählt und nicht als heiliges Schweigen. Der Witz Jakobs, die Alltagsstreitereien, die Liebe zwischen Mischa und Rosa – das alles steht neben der Vernichtung, ohne sie zu verharmlosen. Die DDR hat das Buch rasch kanonisiert, auch weil es den Sowjetvormarsch als Hoffnung kennt; zugleich ist es listiger, als die damalige Lesart zuließ. Der Erzähler zweifelt, korrigiert sich, erfindet, und genau darin liegt die Treue zu den Toten: Niemand hat das Ghetto vollständig überblickt.

Konrad Wolfs Film von 1974 mit Vlastimil Brodský hat den Stoff in der DDR und darüber hinaus bekannt gemacht; eine spätere amerikanische Fassung mit Robin Williams hat denselben Kern ins Sentiment gezogen. Becker selbst hat den Roman mehrfach überarbeitet und die Spannung zwischen den Enden stehen lassen. Wer nach ihm über das Erzählen im Angesicht der Vernichtung spricht, spricht hinter diesem Band: hinter der Einsicht, dass Hoffnung hier eine Form der Lüge war und die Lüge eine Form der Würde. Es ist Beckers erstes und bleibendes Buch.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.