Hellenika

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Hellenika
Autor(en): Xenophon
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: de Gruyter
Serie:
Erscheinungsjahr:
Seitenanzahl: 454 Seiten
Originaltitel: Ἑλληνικά
Originalsprache: griechisch
ISBN-10: 3050054085
ISBN-13/

EAN-Code:

9783050054087
Schlagwörter: Griechenland, Sparta, Hegemonie, Zeitgeschichte
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Rezensionen
Umschlag

Die Hellenika sind das Geschichtswerk des Xenophon über Griechenland von 411 bis 362 vor Christus, in sieben Büchern, wahrscheinlich in Schüben entstanden und nach der Schlacht von Mantineia abgeschlossen. Der Text setzt genau dort ein, wo ThukydidesGeschichte des Peloponnesischen Krieges abbricht, und begründet damit die Tradition der fortlaufenden Zeitgeschichte, der historia perpetua, die bis in die Spätantike gereicht hat. Xenophon, Athener, Schüler des Sokrates, Reiteroffizier im Dienst Spartas und später in der Verbannung, schreibt aus erster Hand und aus Parteinahme. Die editio princeps gab Aldus Manutius 1503 in Venedig heraus; die gängige deutsch-griechische Ausgabe ist die von Gisela Strasburger. Das Buch reicht qualitativ nicht an Thukydides heran und bleibt dennoch die wichtigste erzählende Quelle für die Jahrzehnte nach dem Peloponnesischen Krieg.

Inhalt

Xenophon schreibt gegen das Verstummen nach Thukydides und gegen eine Geschichte, die nur Athen als Mitte kennt. Er berichtet den Rest des Dekeleischen Krieges, den Sturz der Demokratie, die Dreißig, die Wiederherstellung, den Königsfrieden von 387/386, dessen Wortlaut er mitteilt, die spartanische Hegemonie, die Befreiung Thebens, Leuktra 371 und Mantineia 362, wo die thebanische Vormacht ihrerseits bricht. Persien ist nicht Kulisse, sondern Akteur; Kleinasien, die Satrapen, die Soldheere gehören zur griechischen Geschichte. Zuerst orientiert er sich am Vorgänger: knapp, kriegerisch, annalistisch. In den späteren Partien, die später entstanden sind, lockert sich die Chronologie, die Handlung gruppiert sich um einzelne Männer, Ungenauigkeiten nehmen zu. Alkibiades, Agesilaos, Epameinondas erscheinen als Charaktere, nicht nur als Funktionen der Macht.

Der Ton ist der eines Mannes, der Feldlager kennt. Xenophon war in militärischen Dingen aus Erfahrung unterrichtet; Märsche, Gefechtsordnungen, die Mühe der Verpflegung sind plastisch, wo politische Beratung bei Thukydides schärfer gewesen wäre. Er neigt Sparta zu, übt aber Kritik an spartanischer Politik, wenn sie Maß und Bündnis verspielt. Göttliches spielt mit: Opfer, Vorzeichen, die Strafe für Hybris, eine Moral, die dem Sokratesschüler ansteht und die historische Ursache nicht ersetzen will, sie aber färbt. Er sucht menschliche Größe an ausgewählten Beispielen, nicht das Gesetz hinter den Ereignissen. Memoirencharakter und Geschichtsschreibung liegen ineinander; wo er nicht dabeigewesen ist, hat er schriftliche Quellen und Berichte anderer benutzt, ohne Quellenscheidung im modernen Sinn.

Unsicher ist das Werk, wo die Parteinahme die Gewichte verschiebt und wo die späteren Bücher die Genauigkeit der frühen nicht halten. Theben kommt schlechter weg, als die Machtverschiebung nach Leuktra erwarten ließe; athenische Innenpolitik wird knapper, als sie verdiente. Xenophon wollte vor allem die Geschichte seiner Zeit schildern, nicht Thukydides übertreffen, und an diesem Vorsatz gemessen ist der Vorwurf der zweiten Wahl oft ungerecht. Die neuere Forschung hat die Wertschätzung wieder angehoben: als Quelle unersetzlich, als Erzähler unterschätzt, als Analytiker begrenzt. Das Buch endet, weil die Hegemonien sich gegenseitig aufgerieben haben, nicht weil ein Sinn der Geschichte sich erfüllt hätte. Griechenland nach 362 ist ein Feld ohne Vorherrschaft – genau der Zustand, den Xenophon feststellt und nicht mehr ausdeutet.

Einordnung

Mit den Hellenika wird die Fortsetzung zum Genre. Wer nach Thukydides weitererzählt, steht in Xenophons Spur, auch dann, wenn er ihn überbietet. Die Geschichte des Peloponnesischen Krieges bleibt das Maß der Nüchternheit; Xenophon liefert die Jahrzehnte, ohne die der Übergang vom athenischen Seebund zur makedonischen Zeit eine Lücke wäre. Platon hat denselben Sokrates philosophisch festgehalten, Xenophon in den sokratischen Schriften biographisch; die Hellenika zeigen den Soldaten, der aus dieser Schule Moral in die Zeitgeschichte mitnimmt.

Die Nachbarschaft sind die Anabasis, Xenophons eigener Zug der Zehntausend, und die hellenistische Fortsetzungsliteratur bis in die Spätantike. Wer ihn nur als spartafreundlichen Dilettanten liest, verfehlt den Königsfrieden, die Schlachtbeschreibungen und die Einsicht, dass Hegemonie in Griechenland zerbrechen kann, ohne dass ein Sieger das Ganze erbt. Wer ihn nur als Quelle benutzt, verfehlt den Erzähler, der Alkibiades zeichnet und den Krieg nicht den Göttern in die Schuhe schiebt, sondern ihnen eine Rolle lässt. Geblieben ist ein Buch, das die Zeit nach 411 zusammenhält – ungleichmäßig, parteiisch und unentbehrlich.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.