Der neue Tugendterror
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Der neue Tugendterror |
| Autor(en): | Thilo Sarrazin |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Deutsche Verlags-Anstalt |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2014 |
| Seitenanzahl: | 448 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3421046174 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783421046178 |
| Schlagwörter: | Meinung, Gleichheit, Medien, Freiheit |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Zeitdiagnose |
| Rezensionen | |
Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland erschien am 24. Februar 2014 in der Deutschen Verlags-Anstalt. Thilo Sarrazin setzt die Streitlinie seines Bandes Deutschland schafft sich ab fort, diesmal als Klage über einen linksliberalen Meinungskonformismus in den deutschen Medien. Das Buch hat autobiographische Züge: eine Fallstudie gilt dem Autor selbst. Es stieg auf den ersten Platz der Sachbuchlisten und wurde in den überregionalen Feuilletons am Erscheinungstag überwiegend verrissen; die Bild-Zeitung druckte Vorabzüge wohlwollend. Sarrazin stellt vierzehn „Axiome des Tugendwahns“ auf, die er für die herrschende Moral der Bundesrepublik hält.
Inhalt
Sarrazin schreibt gegen das, was er politische Korrektheit und Tugendterror nennt: eine moralische Sperre, die abweichende Sätze nicht widerlege, sondern ächte. Das erste Kapitel gilt der Meinungsfreiheit und ihren Grenzen; das zweite erzählt, wie er mit ihr in Konflikt geriet. Das dritte holt Niccolò Machiavelli und Alexis de Tocqueville heran und behandelt Anpassung mit Mitteln der Verhaltensökonomik. Das vierte gilt der Sprache, einschließlich der geschlechtergerechten Formen. Das fünfte bietet einen historischen Abriss von der Christianisierung bis zur Gegenwart, mit einem Exkurs zu Moral und Gewissheit. Die These lautet, ein Gleichheitsdenken habe sich zur Ideologie verdichtet, die Wirklichkeit und Leistung verleugne.
Die vierzehn Axiome fassen die Behauptung zusammen. Ungleichheit sei in der herrschenden Moral schlecht, Gleichheit gut; Sekundärtugenden und Leistungswettbewerb stünden unter Verdacht; Reichtum erzeuge Schuldgefühle; Lebensverhältnisse lägen an Umständen, kaum an Menschen; Fähigkeiten hingen fast nur an Bildung; Völker hätten keine Unterschiede über das Körperliche hinaus; Kulturen seien gleichwertig, das christliche Abendland ohne Vorrang; der Islam eine Kultur des Friedens und eine Bereicherung; für Armut der übrigen Welt hafte der Westen; Männer und Frauen hätten außer dem Körper keine angeborenen Unterschiede; das klassische Familienbild sei überlebt; der Nationalstaat ebenso; alle Menschen hätten Anspruch auf die deutsche Grundsicherung; Kinder seien Privatsache, Zuwanderung löse die Bevölkerungsfrage. Sarrazin setzt gegen jedes Axiom die Gegenauskunft seiner früheren Bücher: messbare Unterschiede, vererbte Fähigkeiten, kulturelle Rangfolgen. Die Form ist die der Umkehrung: was als Selbstverständlichkeit gilt, wird als Wahn denunziert.
Unsicher wird das Buch, wo die Diagnose der eingeschränkten Rede auf den Autor zurückfällt, der in Fernsehdebatten, Zeitungen und auf Bestenlisten überaus präsent war. Der Widerspruch zwischen behauptetem Totschweigen und öffentlicher Allgegenwart ist der Einwand, den fast jede Rezension erhob. Gegenpositionen kommen als Zitate eines uniformen Gegners vor, selten als ernst genommene Argumente. Die Fallstudie der eigenen Person macht aus der Mediensoziologie eine Rechtfertigungsschrift. Was als Verteidigung der Meinungsfreiheit auftritt, verlangt oft Freiheit von Kritik. Die historische Linie vom christlichen Tugenddruck zur Gegenwart ist weit und dünn belegt.
Einordnung
Alexander Häusler hat Alexander Gaulands Artikel über das politisch korrekte Deutschland als Vorlage gelesen. Hans Mathias Kepplinger begleitete die Vorstellung wohlwollend; Gerd Habermann nannte Sarrazin einen antiegalitären Publizisten. Johannes Heinrichs bezweifelte, dass ein einheitliches Gleichheitsdenken die treffende Diagnose sei. Armin Pfahl-Traughber sprach von Strohmann-Argumenten; Frank Decker von Rechtspopulismus; Klaus Jürgen Bade von Kulturrassismus. Jürgen Kaube sah in der Frankfurter Allgemeinen einen Autor, der imitiert, was er angreift. Jakob Augstein nannte ihn den Vordenker einer reaktionären Renaissance. Die Zeit las eine narzisstische Kränkung; die taz den Versuch, aus einer alten Nummer neues Kapital zu schlagen.
Neben Deutschland schafft sich ab ist der Band weniger Bevölkerungslehre als Medienkampf. Wer ihn als Beleg fehlender Meinungsfreiheit nimmt, muss die Verkaufszahlen und die Flut der Gespräche wegerklären. Wer ihn nur als Kränkung abtut, verfehlt, dass Fragen nach Gleichheit, Sprache und Medienmacht auch ohne diesen Autor gestellt werden. Die vierzehn Axiome sind ein Zerrbild, das wirkliche Streitfragen – Migration, Familie, Leistung – so zuspitzt, dass die Mitte als Wahn erscheint. Die Wirkung lag in der Mobilisierung eines Publikums, das sich von Zeitungen und Rundfunk nicht vertreten fühlte, und in der Bestätigung der Gegner, dass Sarrazin den Streit um die Sache durch den Streit um sich selbst ersetzt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
