Deutschland schafft sich ab
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Deutschland schafft sich ab |
| Autor(en): | Thilo Sarrazin |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Deutsche Verlags-Anstalt |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2010 |
| Seitenanzahl: | 464 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3421044309 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783421044303 |
| Schlagwörter: | Zuwanderung, Demografie, Bildung, Unterschicht |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Zeitdiagnose |
| Rezensionen | |
Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen ist das 2010 bei der Deutschen Verlags-Anstalt erschienene politische Sachbuch von Thilo Sarrazin. Der damalige Bundesbankvorstand und Sozialdemokrat verbindet Geburtenrückgang, eine wachsende Unterschicht und Zuwanderung aus überwiegend islamischen Ländern zu der These, Deutschland werde kleiner, älter und weniger leistungsfähig. Das Buch wurde eines der meistverkauften Sachbücher der Bundesrepublik, löste eine lang anhaltende Debatte aus und kostete den Autor Amt und später die Parteimitgliedschaft. Es ist Befund und Kampfschrift in einem, kein Lehrbuch der Demografie.
Inhalt
Sarrazin schreibt gegen eine öffentliche Rede, die seiner Ansicht nach den Zusammenhang von Fruchtbarkeit, Bildung und Herkunft totgeschwiegen habe. Nach einem geschichtlichen Abriss rechnet er vor, bei anhaltend niedriger Geburtenrate und mäßiger Zuwanderung laufe das Wirtschaftswachstum um 2020 aus, weil Produktivitätszuwachs und schrumpfende Erwerbstätigkeit einander aufhöben. Relativ zu den Erwerbstätigen verdoppele sich die Zahl der über Fünfundsechzigjährigen. Quantität und Qualität der Erwerbstätigen – Sozialisation, Bildungsgrad, Altersaufbau und die Herkunft Zugewanderter – seien der Engpass, nicht der Kapitalstock. Umverteilung ersetze dann den Zuwachs. Die Gesellschaft werde heterogener und weniger leistungsfähig; überdurchschnittlich viele Kinder wüchsen in bildungsfernen Schichten auf. Nicht die materielle Armut sei das Kernübel, sondern geistige und moralische Armut, die Sarrazin von Einkommenstransfers nicht geheilt sieht.
Die mittleren Kapitel gelten Arbeit, Bildung und Zuwanderung. Eine Gesellschaft nach Verdienst, so die Behauptung, sortiere nach Begabung; Chancengleichheit hebe Ungleichheit nicht auf, sondern mache sichtbar, dass jemand „aus Gründen unten“ sei, die in seiner Person lägen. Die Grundsicherung setze falsche Anreize und binde weniger Leistungsstarke in Nichtbeschäftigung. Dagegen empfiehlt er eine verpflichtende Gegenleistung nach dem Muster der amerikanischen Arbeitspflicht für Transferempfänger. In der Bildung verlangt er bundesweite Tests, Ganztagsschule, Kindergartenpflicht, Schulkleidung und das Zurückdrängen von Fernsehen und Computerspielen. Zum Islam in Deutschland stellt er unterdurchschnittliche Erwerbsbeteiligung, hohe Transferabhängigkeit, Heirat mit Partnern aus der Herkunftsregion und „Parallelgesellschaften“ behauptet; an einer Stelle spekuliert er über Erbfaktoren und Inzucht als Hintergrund schulischen Scheiterns türkischer und kurdischer Migranten. Integration sei Bringschuld; willkommen sei, wer Sprache lerne, arbeite und Deutsche werde.
Das letzte Kapitel denkt Bevölkerungspolitik als Trendumkehr: Wertschätzung dauerhafter Partnerschaften, Betreuung, Kindergeld, das Erwerbstätige nicht in Armut drängt und Transferempfänger nicht zur Erhöhung der Unterstützung durch Kinder verführt. Sarrazin erwägt eine staatliche Prämie für Kinder studierender Mütter vor dem dreißigsten Lebensjahr, „selektiv“ für Gruppen, deren höhere Fruchtbarkeit die „sozioökonomische Qualität der Geburtenstruktur“ verbessern solle. Zwei satirische Szenarien – Traum und Albtraum – schließen auf hundert Jahre. Der Ton ist der eines Rechnungsprüfers: Tabellen, Korrelationen, der Gestus der unbestechlichen Zahl. Unsicher wird das Buch, wo Korrelation zur Ursache wird und Kultur als Deckwort für Vererbung dient. Sarrazin selbst notiert, es gebe keine zuverlässige Methode, Geburten und Zuwanderung über Jahrzehnte vorherzusagen – und rechnet dennoch weit voraus. Die Sprache meidet das Wort Rasse, nachdem der Verlag es durch Ethnie ersetzen ließ; der biologische Kern bleibt lesbar.
Einordnung
Vorabdrucke in Bild und Spiegel, der Gestus, man dürfe endlich aussprechen, was andere verschwiegen, und mehr als eine Million verkaufter Exemplare machten das Buch zum politischen Ereignis. Sarrazin schied einvernehmlich aus dem Vorstand der Bundesbank; 2020 schloss die SPD ihn aus. Die Kritik zerfiel rasch in Lager. Frank Schirrmacher las eine vulgärdarwinistische Gesellschaftstheorie, die Kultur durch Erbgut ersetze und an die Eugenik des 19. Jahrhunderts anschließe, ohne das Wort zu nennen; Christian Geyer nannte es ein antimuslimisches Dossier, dem das Elementare das Biologische sei. Historiker wie Hans-Ulrich Wehler würdigten ein Reformplädoyer und die Problemdiagnose, wollten die Deutung aber auf soziokulturelle und politische Faktoren stützen. Necla Kelek forderte, die Thesen zu Bildung und Zuwanderung zu diskutieren statt den Autor nur zu verteufeln. Empirische Einwände betrafen Aggregation, die Gleichsetzung von Herkunftsregion und Islam, die Bildungszahlen iranischer und afghanischer Zuwanderer und die fehlende Kausalität zwischen Religion und Schulleistung.
Das Missverständnis der Anhänger war, hier sei endlich die ungeschminkte Wahrheit gesagt; das der bloßen Empörung, Zahlen und Integrationsfragen entfielen, weil die biologische Zuspitzung unhaltbar ist. Nachbarschaft hat der Band nicht in der politischen Philosophie von Der Staat oder der Nikomachischen Ethik, sondern in der deutschen Demografieangst und in älteren Diskursen über Auslese, die das 20. Jahrhundert diskreditiert hat. Als Zeitdiagnose bleibt das Buch Dokument einer Spaltung: Es hat Themen der Unterschicht, der Schule und der Einwanderung verschärft sichtbar gemacht und zugleich eine Sprache normalisiert, in der Herkunft und Intelligenz kausal verkoppelt werden. Lesen heißt beides sehen – den Verkaufserfolg und die Kritik, die Methode und ihren Missbrauch – ohne den Text zum Ratgeber zu machen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
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