Der Schaum der Tage
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Der Schaum der Tage |
| Autor(en): | Boris Vian |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Wagenbach |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1947 |
| Seitenanzahl: | 185 Seiten |
| Originaltitel: | L'Écume des jours |
| Originalsprache: | französisch |
| ISBN-10: | 3803122732 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783803122735 |
| Schlagwörter: | Liebe, Jazz, Krankheit, Surrealismus |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Der Schaum der Tage ist der 1947 erschienene Roman von Boris Vian, im Original L'Écume des jours. Ein junger Mann mit zu viel Geld und zu viel Zärtlichkeit heiratet eine Frau, der eine Wasserlilie in der Lunge wächst; die Welt, die erst tanzt, zieht sich um das Krankenbett zusammen. Vian, Trompeter und Ingenieur, hat die Geschichte in einer Stadt angesiedelt, in der Mäuse zu Duke Ellington marschieren, Fensterscheiben nachwachsen und die Sonne von allen Seiten scheint, bis sie das nicht mehr tut. Der erste Druck fand wenig Leser, obwohl Jean-Paul Sartre Auszüge in Les Temps Modernes brachte und Raymond Queneau das Buch pries. Heute steht es auf der Liste der hundert Bücher des Jahrhunderts von Le Monde. Die neuere deutsche Fassung heißt Die Gischt der Tage; das Lemma folgt dem älteren Titel, unter dem das Buch hierzulande bekannt wurde.
Inhalt
Colin ist zweiundzwanzig, reich und allein. Er kämmt sich mit einem Bernsteinkamm, hält den Koch Nicolas und beneidet den Freund Chick, der die junge Alise kennengelernt hat. Auf einer Cocktailparty trifft Colin Chloé, die denselben Namen trägt wie seine Lieblingsplatte von Duke Ellington, und heiratet sie fast umgehend in einer Zeremonie, bei der die Orgelpfeifen Seifenblasen stoßen. Großzügig schenkt er Chick und Alise ein Viertel seines Vermögens, damit auch sie heiraten können. Die Flitterwochen beginnen als Fest: Das Haus ist hell, die Maus tanzt, Nicolas kocht Gerichte, deren Namen selbst schon sättigen. Dann erkrankt Chloé. In ihrer Lunge wächst eine Wasserlilie, und nur Blumen lindern den Schmerz. Colin kauft Blumen, verkauft das Auto, das Haus schrumpft um sie, die Sonne bleibt aus. Das Geld reicht nicht, weil das Glück teurer ist als die Rechnung.
Chick, Ingenieur und trotzdem arm, gibt inzwischen alles für die Schriften des Philosophen Jean-Sol Partre aus, einer Karikatur Sartres, der im Roman Vorträge hält und Bände produziert, als wäre Denken eine Industrie. Alise bittet Partre, aufzuhören; als er sich weigert, tötet sie ihn und zündet Buchhandlungen an, in denen seine Werke liegen. Die Nebenhandlung ist keine bloße Posse: Chick liebt die Sätze mehr als die Frau, und die Frau antwortet mit Feuer. Colin arbeitet inzwischen in einer Waffenfabrik und später an einem Job, bei dem er die Körper von Arbeitern streckt, damit sie in die Maschinen passen. Die Stadt, die am Anfang ein Spielzeug war, zeigt ihr Eisen. Nicolas bleibt treu, bis auch ihm die Mittel ausgehen.
Chloé stirbt. Man begräbt sie in einem Sarg, der zu klein ist, weil die Welt sich zusammengezogen hat; die Maus legt sich tot neben sie. Colin bleibt in einem Zimmer, das kaum noch ein Fenster hat. Der Roman schließt nicht mit einer Moral und nicht mit einer Genesung. Was als Liebesmärchen begann, endet als Erstickung: Die Lilie hat gesiegt, der Jazz verstummt, Partres Bücher haben einen Toten und eine Brandstifterin hinterlassen. Vian hat die Geschichte lose an Erich Maria Remarques Drei Kameraden angelehnt, das Pathos aber durch eine Physik ersetzt, in der Gefühle die Möbel verformen. Wer die Wasserlilie für ein bloßes Bild hält, hat den Satzbau nicht ernst genommen: Hier wächst sie wirklich.
Einordnung
Vian hat den surrealistischen Roman nicht als Schule geschrieben, sondern als Jazzstück, das kippt. Die Gegenstände handeln mit, weil die Liebe sie aufbläht und die Krankheit sie einzieht; das ist keine Dekoration, sondern die Behauptung, dass eine Gesellschaft, die Arbeit und Waren über die Körper stellt, die Körper buchstäblich staucht. Jean-Sol Partre trifft Sartres Ruhm in dem Jahrzehnt, in dem Vian selbst im Schatten der Existentialisten spielte; die Ermordung des Philosophen ist eine literarische Abrechnung und eine Warnung vor dem Kult. Neben Der Ekel steht hier keine Übelkeit vor dem Dasein, sondern eine Zärtlichkeit, die das Dasein nicht hält. Queneau hat das Buch den ergreifendsten Liebesroman der Zeit genannt; die Nachwelt hat daraus einen Kult gemacht, der die Härte manchmal versüßt.
Die Verfilmungen – Charles Belmont 1968, Go Riju 2001, Michel Gondry 2013 mit Audrey Tautou und Romain Duris – haben die Erfindung sichtbar gemacht und oft die Trauer unter dem Kitsch begraben. Edison Denissow schrieb 1981 eine Oper. Wagenbach hat den Text im Taschenbuch gehalten, später in Frank Heiberts Neuübersetzung als Gischt. Vian starb 1959, neununddreißigjährig, bei der Voraufführung eines Films nach einem anderen seiner Bücher. Der Schaum der Tage bleibt das Werk, in dem seine Doppelbegabung – Ingenieur der Gags, Musiker der Trauer – am genauesten zusammenfällt. Die angegebene Ausgabe folgt der Übersetzung von Antje Pehnt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
