Josefine Mutzenbacher

Version vom 25. August 2026, 14:34 Uhr von Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (Diskussion | Beiträge) (Fehlender Werkartikel zu den Lesepfaden)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
anonym (Zuschreibung umstritten) · 1906 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Josefine Mutzenbacher
Autor(en): anonym (Zuschreibung umstritten)
Originaltitel: Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1906
Schlagwörter: Wien, Erotik, Kunstfreiheit, Anonymität
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Schneekluth


Umfang dieser Ausgabe: 383 Seiten
ISBN: 9783795111700
Verweise


Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt erschien 1906 als Privatdruck in Wien, ohne Verfassernamen auf dem Titel. Der Roman gibt sich als Lebensbericht einer Prostituierten, die ihre Kindheit, die Männer und die Stadt in einer Sprache erzählt, die das Wienerische nicht als Folklore schont. Die Autorschaft ist bis heute nicht gesichert: Felix Salten wurde früh genannt und hat weder bestätigt noch dementiert; Arthur Schnitzler und in jüngerer stilometrischer Forschung Ernst Klein stehen ebenfalls im Spiel. Für die bundesdeutsche Rechtsgeschichte zählt weniger der Name als der Text, an dem Gerichte gemessen haben, ob Pornographie Kunst sein kann.

Inhalt

Josefine erzählt von sich selbst, in der ersten Person, ohne Reue als Moral und ohne die Sentimentalität, die erotische Bücher oft als Entschuldigung mitliefern. Die Kindheit in einem Wiener Hinterhaus, der frühe Sex, die Mutter, die Nachbarn, später das Gewerbe: der Roman stapelt Episoden, bis die Stadt als ein Netz aus Zimmern, Höfen und Männern erscheint. Die Sprache mischt Hochdeutsch und Dialekt, Derbheit und Genauigkeit. Genau diese Mischung hat das Buch berüchtigt und, für manche Leser, literarisch gemacht: es klingt nach einem Mund, nicht nach einem Traktat.

Die Erzählung behauptet Authentizität, indem sie die Fiktion der Autobiographie durchhält. Ob hinter dem Mund Salten, Klein oder ein Unbekannter sitzt, ändert die formale Wette: eine Frau spricht, und das Sprechen ist die Ware. Fortsetzungen und Nachahmungen haben den Titel zur Marke gemacht; der erste Band bleibt der, den die Gerichte meinten. Oswald Wieners Ausgabe von 1969 hat dem Text einen philologischen Rahmen gegeben, der die Ädöologie des Wienerischen ernst nahm, statt nur zu schockieren.

Was das Buch zeigt, ist nicht eine Liebesgeschichte und nicht eine Sozialstudie im engeren Sinn, sondern eine Ökonomie des Begehrens, die das Kind schon einbezieht. Gerade deshalb ist es kein harmloser Klassiker der Erotik. Die literarische Verteidigung hat oft die Sprachkraft hervorgehoben und die Gewalt gegen Minderjährige in der Fiktion unterschlagen. Beides gehört in denselben Absatz: Kunstfreiheit ist hier an einem Text erstritten worden, der verletzt, nicht an einem, der nur derb ist.

Einordnung

Der Bundesgerichtshof hat 1990 in der Mutzenbacher-Entscheidung die Kunstfreiheit des Grundgesetzes gegen den strafrechtlichen Pornographiebegriff gehalten und den Roman als Kunstwerk behandelt, das nicht schon wegen sexueller Deutlichkeit als unsittlich ausscheidet. Die Karlsruher Formel ist seither Lehrbuchstoff: Kunst ist nicht die keusche Ausnahme der Unzucht, und Unzucht ist nicht schon Kunst, weil sie gedruckt steht. In der Reihe der bundesdeutschen Zensurfälle steht das Buch neben Fanny Hill, dem Wendekreis des Krebses und Esra – dort Intimsphäre und Schlüsselroman, hier die ältere Frage, ob ein anstößiger Text überhaupt Literatur sein darf. Der Essay zur Zensur in der Bundesrepublik hat an diesem Titel den Maßstab, den die Republik für erotische Klassiker gefunden hat, spät und streitig.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.