Wendekreis des Krebses

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Henry Miller · 1934 · Roman
Das Werk
Deutscher Titel: Wendekreis des Krebses
Autor(en): Henry Miller
Originaltitel: Tropic of Cancer
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1934
Schlagwörter: Paris, Hunger, Körper, Ich
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Rowohlt


Umfang dieser Ausgabe: 396 Seiten
ISBN: 9783499143618
Verweise
Umschlag

Wendekreis des Krebses ist der 1934 in Paris bei der Obelisk Press erschienene Roman von Henry Miller, im Original Tropic of Cancer. Miller, Amerikaner ohne Geld, schreibt in der Ich-Form von den Jahren in Paris, in denen er hungert, bei Freunden schläft, Frauen begehrt und Sätze sucht, die nicht mehr lügen. Das Buch ist tagebuchnah, sprunghaft, oft burlesk und stellt den Körper nicht als Würze neben die Kunst, sondern als den Stoff, aus dem die Kunst hier gemacht wird. In den Vereinigten Staaten und in Großbritannien blieb es jahrzehntelang verboten; die Bundesrepublik indizierte es zeitweise. Die erste deutsche Ausgabe von Kurt Wagenseil erschien 1953 in kleiner, nummerierter Auflage; die greifbare Fassung folgte 1962 bei Rowohlt, mit einem Vorwort von Anaïs Nin.

Inhalt

Der Erzähler, der Millers Namen trägt, treibt durch Paris: billige Hotels, Cafés, Ateliers, die Betten von Freundinnen und Freunden. Er hat Mona, die Frau, in Amerika gelassen oder verloren – die Chronologie hält nicht still – und schreibt an einem Buch, das niemand drucken will. Fillmore, Van Norden, Carl und andere Amerikaner und Franzosen kreuzen seinen Weg; man leiht sich Geld, Frauen, Sätze. Der Hunger ist konkret: Brot, eine Einladung, die man nicht ausschlagen kann, der Ekel vor der nächsten Gefälligkeit. Dazwischen stehen Passagen, die den Alltag überschreiten: Hymnen auf die Stadt, auf den Niederbruch, auf ein Leben, das sich nicht mehr an Anstellung und Anstand misst. Die Sexualität ist grob, komisch, oft lieblos; sie ist nicht das Geheimnis des Buchs, sondern seine Weigerung, den Leib hinter eine Metapher zu schieben.

Frauen erscheinen als Geliebte, als Prostituierte, als Retterinnen für eine Nacht, selten als Gegenüber mit eigenem Roman. Das ist die Grenze des Buchs und Teil seines Programms: Miller schreibt den Mann, der nimmt, was die Stadt hergibt, und behauptet, in dieser Rücksichtslosigkeit liege eine Wahrheit, die der bürgerliche Roman verdeckt. Freundschaften halten länger als Liebschaften, weil sie das Bett und die Mahlzeit teilen, ohne Treue zu verlangen. Paris ist keine Kulisse der Bohème, sondern ein Ort, an dem man friert und trotzdem den nächsten Satz für möglich hält. Die Handlung hat keine Steigerung im Sinn eines Konflikts, der sich löst; sie hat Wiederholung, Absturz, einen Rausch, der in den nächsten Morgen kippt.

Gegen Ende verdichtet sich nichts zur Bekehrung. Der Erzähler bleibt der Mann, der schreibt, weil ihm nichts anderes übrigbleibt, und der den Krebs Wendekreis nennt, als wäre die Krankheit der Welt ein Himmelsstrich, unter dem man endlich ohne Entschuldigung leben kann. Die Form – undatierte Einträge, assoziative Sprünge, philosophische Brocken neben der Schilderung eines Abortes – gehört zur Behauptung, dass ein geordnetes Leben eine geordnete Lüge wäre. Wer eine Entwicklung sucht, findet nur die zunehmende Entschlossenheit, so weiterzumachen. Der Roman endet nicht, er hört auf, wie ein Tag in Paris aufhört: mit dem nächsten Hunger.

Einordnung

Miller hat den amerikanischen Roman aus der Schicklichkeit entlassen, ohne ihn in die Pornographie zu entlassen, als die ihn die Zensoren behandelten. Die Prozesse in den Vereinigten Staaten bis in die frühen sechziger Jahre galten dem Wortlaut, nicht der Form; sobald das Buch frei war, zeigte sich, dass seine Radikalität in der Stimme liegt, nicht im Verzeichnis der Akte. George Orwell nannte es 1940 in dem Essay Inside the Whale einen der großen Romane der Zeit: nicht weil es schockiert, sondern weil es den unteren Rand des Lebens ohne Erlösung beschreibt. Neben Célines Reise ans Ende der Nacht steht Millers Paris als die andere, hellere Nacht – hungrig, geschwätzig, weniger verzweifelt auf das Ganze der Zivilisation gerichtet.

Nins Vorwort hat das Buch lange als Werk der Befreiung gerahmt; spätere Lektüren haben die Frauenfiguren und den Kult des männlichen Ichs schärfer gesehen. Beides gehört zusammen: Ohne die Rücksichtslosigkeit gäbe es den Ton nicht, und der Ton ist, was bleibt, wenn der Skandal verbraucht ist. Joseph Strick hat 1970 mit Rip Torn verfilmt, was sich vom Tagebuch kaum in Handlung übersetzen lässt. 1939 folgte Wendekreis des Steinbocks; der Krebs bleibt das Buch der Ankunft in Paris, der Weigerung, nach Hause zu schreiben. Die angegebene Rowohlt-Ausgabe folgt Wagenseils Übersetzung, später durchgesehen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.