Wir sind nie modern gewesen

Version vom 25. August 2026, 14:27 Uhr von Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (Diskussion | Beiträge) (Ideen-Zettel ergänzt (Seminarknoten))
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Bruno Latour · 1991 · Sachbuch, Soziologie


Das Werk
Deutscher Titel: Wir sind nie modern gewesen
Autor(en): Bruno Latour
Originaltitel: Nous n'avons jamais été modernes
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1991
Schlagwörter: Moderne, Hybrid, Natur, Gesellschaft
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft
Umfang dieser Ausgabe: 205 Seiten
ISBN: 9783518294611
Verweise


Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie erschien 1991, deutsch zuerst 1995, in der hier verzeichneten Suhrkamp-Ausgabe 2008. Bruno Latour behauptet nicht, es gebe keine Labore, Rechte, Maschinen. Er behauptet, die Verfassung, die Natur und Gesellschaft reinlich trennt, habe nie gehalten – und gerade deshalb Hybride vermehrt.

Inhalt

Die Moderne, so Latour, arbeitet mit einer doppelten Praxis. Sie reinigt: dort die Dinge, hier die Menschen; dort Wissenschaft, hier Politik. Zugleich übersetzt sie unablässig: Ozonloch, Impfstoff, Klimaanlage, Mikroben sind weder Natur noch Gesellschaft, sondern Geflechte aus Instrumenten, Interessen, Texten, Körpern. Die Verfassung der Moderne verleugnet diese Übersetzungen, während sie sie beschleunigt. Je reiner die Trennung behauptet wird, desto mehr Quasiobjekte entstehen dazwischen. Wir sind nie modern gewesen heißt: Wir haben nie so gelebt, wie die Verfassung es vorschreibt. Die Vormoderne, die Hybride in einer Welt der Entsprechungen hält, erscheint plötzlich nicht als Rückstand, sondern als ehrlichere Ontologie – ohne dass Latour zur Nostalgie einlädt.

Das Buch ist ein Essay mit System, keine Ethnographie eines einzelnen Labors. Latour holt Hobbes und Boyle als Gründungsszene: der Leviathan und die Luftpumpe, Politik und Tatsache, in derselben historischen Stunde getrennt. Die Kritik der reinen Vernunft wird zur Kritik der reinen Trennung. Symmetrische Anthropologie heißt, die Wissenschaft nicht als das Andere der Kultur zu schonen und die Gesellschaft nicht als das Andere der Dinge. Wer Latour nur als Freund der Aktanten liest, unterschlägt die Verfassung, die er seziert. Wer nur die Wissenschaftsforschung kennt, unterschlägt, dass hier die politische Ökologie schon angelegt ist: das Parlament der Dinge folgt aus 1991.

Der Ton ist erzählend, fast heiter, die Pointe streng. Relativismus ist nicht das Ziel; die Tatsachen werden nicht geleugnet, sie werden in Ketten gelegt, die man nachzeichnen kann. Die Klimadebatte hat das Buch später eingeholt: Die Erde ist kein Hintergrund, auf dem Gesellschaft spielt. Die Gefahr bleibt, die Hybride so zu feiern, dass Herrschaft in Vernetzung verschwindet. Latour kennt den Einwand und hält an der Beschreibung fest, weil Denunziation und Entzauberung selbst moderne Gesten sind.

Einordnung

Ohne diesen Band bleibt die Moderne eine Epoche, die man bejaht oder verwirft, ohne ihre Verfassung zu kennen. Neben Donna Haraways Die Neuerfindung der Natur steht er als der französische Schnitt: nicht der Cyborg, das Quasiobjekt. Die Soziologie hat ihn als Relativisten beschimpft und als Klassiker kanonisiert. Wer nach Latour noch Natur gegen Kultur setzt, als wäre die Grenze klar, spricht hinter diesem Buch.

Ideen

Anthropozän (wichtig)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.