Der Allesfresser

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Nancy Fraser · 2022 · Sachbuch, Gesellschaftstheorie


Das Werk
Deutscher Titel: Der Allesfresser
Autor(en): Nancy Fraser
Originaltitel: Cannibal Capitalism
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 2022
Schlagwörter: Kapitalismus, Sorge, Natur, Enteignung
Sachgebiete: Sachbuch, Gesellschaftstheorie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 281 Seiten
ISBN: 9783518029831
Verweise


Der Allesfresser. Wie der Kapitalismus seine eigenen Grundlagen verschlingt erschien 2022, deutsch 2023 bei Suhrkamp. Nancy Fraser nennt den Kapitalismus einen Kannibalen: Er lebt von Sorge, Natur, öffentlicher Gewalt und rassifizierter Enteignung – und frisst, was ihn trägt.

Inhalt

Fraser erweitert die Kritik, die nur Ausbeutung der Lohnarbeit kennt. Hinter der Fabrik liegen die Haushalte, in denen Sorge unbezahlt oder schlecht bezahlt reproduziert; hinter dem Markt die Natur als scheinbar kostenloser Speicher; hinter dem Vertrag der Staat, der Eigentum schützt und Krisen sozialisiert; hinter der freien Arbeit die Enteignung kolonisierter und rassifizierter Bevölkerungen. Diese Hintergründe sind keine Kulisse, sie sind Bedingungen. Der gegenwärtige Kapitalismus verschärft den Stoffwechsel, bis die Bedingungen selbst erodieren: Krise der Sorge, des Klimas, der Demokratie, rassistische Gewalt gehören zusammen, nicht als Themenliste, sondern als Kannibalismus desselben Systems. Die Verschränkung der Herrschaftsverhältnisse wird hier politisch-ökonomisch gefasst, nicht als Addition von Benachteiligungen.

Das Buch ist polemischer und zugänglicher als Frasers ältere Aufsätze zu Umverteilung und Anerkennung. Wer Fraser nur als Gegenspielerin Axel Honneths kennt, trifft hier die Theoretikerin des Ganzen. Wer nur Marx kennt, unterschlägt, dass Reproduktion, Rasse und Natur nicht Anhängsel der Wertform sind. Die Gefahr ist das Schema: vier Hintergründe, ein Allesfresser, die Diagnose als Tableau. Fraser hält dagegen, dass ohne Tableau die Kämpfe auseinanderfallen – Feministinnen gegen Ökologen gegen Antirassisten, während das System sie gemeinsam verzehrt.

Die deutsche Ausgabe traf auf eine Linke, die Identität und Klasse wieder gegeneinander stellte. Fraser schreibt gegen diese Spaltung, ohne Anerkennung zu streichen. Seminare der Gesellschaftstheorie haben den Band schnell genommen, oft neben Jaeggi, mit der Fraser eigens gesprochen hat. Die Kritik nannte das zu amerikanisch-akademisch, zu wenig Institutionengeschichte. Wer das Buch als Absage an Kulturkämpfe liest, hat die Pointe verkehrt: Die Kämpfe sind real, sie werden nur falsch vereinzelt.

Einordnung

Ohne dieses Buch bleibt die kritische Theorie nach der Anerkennungsspaltung eine Moral der Sichtbarkeit oder eine Ökonomie ohne Sorge. Fraser hat ihr ein spätes Organon gegeben, das den Kapitalismus wieder beim Stoffwechsel nennt. Wer nach 2022 Krise sagt und nur den Markt meint, spricht hinter diesem Band.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.