Herr der Fliegen

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William Golding · 1954 · Roman
Das Werk
Deutscher Titel: Herr der Fliegen
Autor(en): William Golding
Originaltitel: Lord of the Flies
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1954
Schlagwörter: Insel, Kinder, Gewalt, Zivilisation
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fischer Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 224 Seiten
ISBN: 9783596906673
Verweise
Umschlag

Herr der Fliegen ist der erste Roman von William Golding, 1954 in London erschienen, nachdem mehrere Verlage das Manuskript abgelehnt hatten. Eine Gruppe englischer Schuljungen stürzt im Krieg auf einer unbewohnten Insel ab und soll dort die Zivilisation neu beginnen; sie richtet sie zugrunde. Golding, der selbst zur See gefahren und Lehrer gewesen war, hat das Inselabenteuer der Jugendbücher umgedreht: Nicht die Wildnis verderbt die Knaben, sondern das, was sie schon mitgebracht haben. Der Titel meint den Teufel, Beelzebub, und den verwesenden Eberkopf, den die Jäger auf einen Pfahl spießen. 1983 erhielt Golding den Nobelpreis; dieses Buch bleibt dasjenige, mit dem man ihn zuerst nennt.

Inhalt

Nach dem Absturz sammeln sich die Überlebenden um eine große Muschel, die Ralph als Zeichen der Versammlung bläst. Ralph wird zum Anführer gewählt, weil er hellhaarig, vernünftig und der Sohn eines Marineoffiziers ist. Neben ihm steht Piggy, dick, kurzsichtig, asthmatisch, mit der Brille, die später das Feuer entfachen soll; die anderen machen sich über ihn lustig, brauchen ihn aber. Jack Merridew, Chorleiter und Jäger, will jagen und befehlen. Zunächst gilt die Abmachung: Die Muschel gibt das Wort, ein Signalfeuer auf dem Berg soll Rettung herbeirufen, Hütten sollen Schutz geben. Die kleinen Kinder bleiben am Rand, und sehr schnell zerfällt die Ordnung. Jacks Jäger lassen das Feuer ausgehen, weil sie ein Schwein erlegen wollen; ein Schiff zieht vorüber, ohne die Insel zu bemerken. Ralph und Jack reden noch miteinander, verstehen einander aber nicht mehr: einer will nach Hause, der andere will Fleisch und Tanz.

Die Furcht vor einem »Biest« wächst, nachdem die Kleinen von einer Schlange im Wald gesprochen haben. Simon, der stille, nachdenkliche Junge, geht allein in den Wald und begreift, dass das Ungeheuer in ihnen selbst sitzt. Die Jäger spießen den Kopf eines Ebers auf einen Pfahl; Fliegen setzen sich daran, und Simon hat vor diesem »Herrn der Fliegen« eine Vision, in der die Bestie mit ihm spricht. Ein toter Fallschirmjäger hängt im Wind auf dem Berg und wird für das Biest gehalten. Jack spaltet die Gruppe, gründet einen Stamm mit Kriegsbemalung und Opferfesten. Ralphs Kreis schrumpft. Bei einem nächtlichen Tanz im Regen halten die Jäger Simon, der aus dem Wald stürzt, um die Wahrheit über den Toten zu sagen, für das Ungeheuer und erschlagen ihn. Der Tod ist kein Unfall mehr, auch wenn die Beteiligten ihn am nächsten Tag herunterspielen.

Jack raubt Piggys Brille, das letzte Werkzeug des Feuers. Ralph, Piggy und die Zwillinge suchen das Lager der Jäger auf, um die Muschel und die Brille zurückzuverlangen. Roger, der schon früh Steine nach den Kleinen geworfen hat, ohne sie ganz zu treffen, hebelt einen Felsblock los: Piggy stürzt in die Tiefe, die Muschel zerspringt, die Stimme der Versammlung ist tot. Die Jäger hetzen Ralph durch den Wald, stecken die Insel in Brand, um ihn auszuräuchern. Ralph flieht auf den Strand und fällt einem Marineoffizier vor die Füße, der das Feuer gesehen hat. Die geretteten Knaben weinen; der Offizier sieht ein Spiel, das außer Kontrolle geraten ist, und blickt verlegen zur Seite. Hinter ihm liegt der Krieg, aus dem die Kinder gekommen sind, und die Insel brennt. Der Roman endet nicht mit der Wiederherstellung der Ordnung, sondern mit der Einsicht, dass die Rettung von derselben Welt kommt, die den Absturz erst möglich gemacht hat.

Einordnung

Golding hat den Inselroman der englischen Tradition – Ballantyne, die pfadfinderische Zuversicht, dass englische Knaben überall eine Miniatur des Weltreichs errichten – widerlegt, ohne ihn bloß zu verspotten. Die Muschel, die Brille, das Feuer und der Eberkopf sind keine Symbole, die man abhaken könnte; sie arbeiten im Buch als Geräte und als Ansprüche. Wer den Roman als Beweis liest, der Mensch sei von Natur aus böse, verkürzt ihn: Die Gewalt entsteht aus Angst, Rangstreit und dem Bedürfnis, einer Gruppe anzugehören, die opfert. Neben George Orwells 1984 und Aldous Huxleys Schöne neue Welt steht Goldings Insel als die Gegenutopie, die ohne Staat und Labor auskommt. Sie braucht nur Kinder und eine Küste.

Der Nobelpreis hat das Buch in den Kanon der Schulen gehoben, wo es oft als Warnung vor der Gemeinheit in der Gruppe und als Lektüre über Führung verkommt. Die Härte liegt woanders: Simon stirbt, weil er die Wahrheit bringt; Piggy stirbt, weil er das Recht der Rede verteidigt; Ralph überlebt und weiß, dass er mitgejagt hat. Verfilmungen von Peter Brook und später Harry Hook haben die Bemalung und die Jagd festgehalten; die Stille Simons ist schwerer zu filmen. Wer nach 1954 über Zivilisation als dünne Schicht spricht, spricht hinter diesem Roman; wer ihn für ein Jugendbuch über das Böse in den anderen hält, hat Ralphs Weinen am Schluss nicht gehört.

Ideen

Zivilisation

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.