Eigen-Sinn

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Alf Lüdtke · 1993 · Sachbuch, Geschichte
Das Werk
Deutscher Titel: Eigen-Sinn
Autor(en): Alf Lüdtke


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1993
Schlagwörter: Alltag, Fabrik, Herrschaft, Arbeiter
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Ergebnisse


Umfang dieser Ausgabe: 400 Seiten
ISBN: 9783879755363
Verweise
Umschlag

Eigen-Sinn. Fabrikalltag, Arbeitererfahrungen und Politik vom Kaiserreich bis in den Faschismus ist die 1993 erschienene Sammlung von Studien Alf Lüdtkes. Eigen-Sinn ist das Wort für die Weise, Herrschaft mitzumachen, ohne in ihr aufzugehen: Distanz im Gehorsam, Aneignung im Befehl.

Inhalt

Lüdtke holt die Geschichte in die Fabrik, ohne sie zur Betriebsidylle zu machen. Arbeiter erfahren Politik als Takt, Lärm, Pausen, als Art, Anweisungen zu erfüllen und dabei ein Stück Eigensinn zu retten. Herrschaft greift, weil sie Alltag wird; sie wird porös, wo Alltag sich entzieht, ohne zu revoltieren. Das ist keine Heroisierung des Kleinen. Eigen-Sinn erklärt Mitmachen und Widerstehen in derselben Geste, oft an denselben Personen. Quellen sind Akten, Werkzeitungen, Erinnerungen, gelesen gegen den Strich der Organisationsgeschichte. Vom Kaiserreich in den Nationalsozialismus führt keine glatte Linie der Disziplinierung; es führen Praktiken, die sich umstellen.

Gegen Wehlers große Struktur setzt Lüdtke die Erfahrung. Gegen die Oral History als Bekenntnis setzt er die Archivarbeit. Die Alltagsgeschichte der achtziger Jahre bekommt hier ihr hartnäckigstes Konzept, das später inflationär wurde und im Buch noch präzise ist. Kritik hat den Eigen-Sinn für zu weich gegenüber der Gewalt, die Fabrik für zu männlich, die Politik für zu klein gehalten. Die Stärke ist die Weigerung, Herrschaft nur von oben oder nur als Gesinnung zu lesen. Wer nach Lüdtke Alltagsgeschichte sagt und Anekdoten meint, hat die Fabrik nicht betreten.

Die Wirkung liegt in der deutschen Sozialgeschichte, in der NS-Forschung, die Täter und Volksgenossen im Alltag sucht, in einer Methode, die Mikro und Herrschaft zusammenzwingt. Der Sammelband Alltagsgeschichte von 1989 war das Programm; Eigen-Sinn ist die Probe. Wer nur Programm kennt, hat die Studien nicht gelesen. Wer nur die Studien kennt, unterschlägt, dass sie eine Zunft umgestellt haben, die vorher Klassen und Staaten zählte.

Einordnung

Ohne dieses Buch bleibt die deutsche Geschichtswissenschaft ohne das Wort, mit dem Alltag herrschaftsfähig wurde. In Geschichtswissenschaft: Deutschland steht es neben Bracher und Mommsen: Eigen-Sinn gegen Diktatur und gegen verspielte Freiheit, unten gegen Eliten. Wer nur Polykratie kennt, hat den Shopfloor nicht gelesen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.