Familienlexikon
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Familienlexikon |
| Autor(en): | Natalia Ginzburg |
| Originaltitel: | Lessico famigliare |
| Originalsprache: | italienisch |
| Erstveröffentlichung: | 1963 |
| Schlagwörter: | Familie, Turin, Faschismus, Erinnerung |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Wagenbach
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| Umfang dieser Ausgabe: | 192 Seiten |
| ISBN: | 9783803125637 |
| Verweise | |
Familienlexikon ist der Roman von Natalia Ginzburg, 1963 als Lessico famigliare erschienen, im selben Jahr mit dem Premio Strega ausgezeichnet, auf Deutsch bei Wagenbach. Eine Familie spricht in Sprüchen, und die Sprüche sind das Gerüst des Buchs: nicht Kapitel nach Jahren, sondern Wendungen des Vaters, der Mutter, der Geschwister, an denen sich eine Zeit festmacht. Das Personal ist die jüdisch-piemontesische Familie Levi in Turin, Ginzburgs Herkunft, ohne dass der Text eine Beichte wäre. Der donnernde Anatomieprofessor, Bergsteiger, Freund entschiedener Urteile; die Mutter, listenreich, den Haushalt und die Kinder verteidigend: durch sie sieht Ginzburg eine Epoche. Faschismus, Einaudi, Cesare Pavese, der ermordete Leone Ginzburg – alles kommt vor und bleibt unter dem Ton der familiären Redensart, der das Entsetzen nicht aufhebt und es nicht ausstellt.
Inhalt
Der Vater hasst das Schwache, das ihm als Nachlässigkeit erscheint, und prägt Sätze, die die Kinder ihr Leben lang mitschleppen. Die Mutter erzählt, wiederholt, schützt, vergisst nichts, was im Kleiderschrank und in der Küche zählt. Geschwister tauchen auf, Freunde, die Olivettis, die Turiner Intelligenz, die gegen den Faschismus steht und dafür zahlt. Ginzburg nennt kaum Gefühle beim Namen. Sie lässt sagen, was gesagt wurde, und der Leser hört, was darunter lag: Angst, Stolz, Zärtlichkeit, der Alltag einer Familie, die nicht klein ist und nicht heroisch erzählt werden will.
Leone Ginzburg, der Slawist, den Natalia 1938 heiratet, stirbt 1944 in einem römischen Gefängnis unter den Deutschen. Der Roman holt den Tod nicht als Klimax nach vorn. Er steht in der Folge der Sprüche, wie ein Eintrag im Lexikon, das weitergeht, weil Familien weitersprechen. Pavese, der Selbstmord, der Verlag Einaudi, in dem Ginzburg fast ihr Leben lang arbeitete: das öffentliche Italien der Mitte des Jahrhunderts erscheint als Hausfreundschaft, nicht als Geschichtsstunde. Die Komik ist trocken. Wer lacht, lacht über den Vater, der alles verachtet, was ihm nicht passt, und merkt erst spät, dass dieselbe Stimme eine Welt zusammengehalten hat, die der Faschismus zerlegen wollte.
Die Form ist das Argument. Ein Lexikon der Familie behauptet, dass Herkunft eine Sprache ist, nicht eine Theorie. Wer die Wendungen nicht kennt, versteht die Leute nicht; wer nur die Wendungen kennt, hat die Toten nicht. Ginzburg schreibt in der ersten Person und hält sich zurück, als wäre Zurückhaltung die einzige Ehrlichkeit gegenüber Eltern, die noch in jedem Satz sitzen. 192 Seiten in der Wagenbach-Ausgabe, ein schmales Buch, das ein halbes Jahrhundert italienischer bürgerlicher Intelligenz trägt, ohne Inventar zu werden. Das Ende ist kein Schluss. Familienlexika hören nicht auf; sie werden nur nicht mehr unter demselben Dach gesprochen.
Einordnung
Ginzburg hat die Autobiographie so erzählt, dass sie Roman bleibt: Namen, die historisch sind, ein Ton, der sich weigert, historisch zu tönen. Wagenbach hat damit die italienische Linie gehalten, die das Haus meinte, wenn es nicht nur Sciascia sagte: Genauigkeit, Untertreibung, die politische Geschichte im Privaten. Der Strega-Preis von 1963 machte den Band zum Hauptwerk; die Nachwelt hat ihn als Familienbuch gelesen und oft die Härte überhört, mit der der Faschismus und die deutsche Besatzung in denselben Sprüchen stehen wie das Essen.
Wer nach diesem Buch über Herkunft als Sprache spricht, spricht in Ginzburgs Spur. Wer nur das heitere Portrait will, hat Leone nicht mitgelesen. Neben der großen italienischen Nachkriegsprosa steht Familienlexikon als das stillere Buch, das keine Stadt erfindet und keine Theorie baut, sondern eine Küche, in der Sätze überleben, die Menschen nicht überlebt haben. Alice Vollenweiders Übersetzung und Nachwort haben den deutschen Text gebunden; Wagenbach hält ihn in der anderen Taschenbuchreihe. Es ist kein Schlüsselroman der Olivettis. Es ist das Lexikon einer Stimme, die das Entsetzen nicht erhöht und es nicht verrät.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
