Gustav Freytag (1816–1895), in Kreuzburg in Oberschlesien geboren, hat dem bürgerlichen Realismus den Kaufmannsroman gegeben – und dem deutschen Lesen das Schema, in dem Fleiß deutsch und Betrug jüdisch heißt. Soll und Haben war das Hausbuch des Jahrhunderts; der Schaden sitzt in der Bilanz, nicht am Rand.
Leben
Arztsohn, Breslau, Berlin, dann die Redaktion der Grenzboten, aus der er den nationalliberalen Ton der Jahrhundertmitte mitbestimmte. Der Umweg war das Kontor als Moral: Freytag wollte den Adel entzaubern und den Kaufmann adeln und baute dafür jüdische Figuren als Gegenrechnung. Nach dem Erfolg schrieb er weiter an deutscher Geschichte in Romanen und Bildern; er starb in Wiesbaden, als Honoratior einer Nation, die sein Schema längst als Wahrheit genommen hatte.
Wirkung
Anton Wohlfart steigt durch Arbeit; Veitel Itzig steigt durch Wucher und endet im Verbrechen. Freytag hat dem Realismus eine Sprache des Lagers und der Ware gegeben und dem Nationalismus eine Fabel, in der Vertrag und Protestantismus deutsch sind, Körper und Zins jüdisch. Zeitgenossen lasen einen Bildungsroman des Kaufmanns gegen den verschuldeten Adel; sie lasen aber auch die Karikatur, und viele lasen sie als Kenntnis. Die politische Spitze galt zuerst dem Stand, der nicht wirtschaften kann; in der ausgeführten Fassung trägt der Hass auf die jüdischen Figuren die Moral.
Die Nachwelt hat Freytag lange als Stilisten geschätzt und die Giftigkeit als Zeitfarbe verbucht. Das ist zu wenig. Der Roman hat Vorstellungen von Wucher, Sprache und Gesicht in die Mitte des gebildeten Lesens gerückt, die später politisch verwertbar waren, ohne dass man Freytag zum Propheten machen müsste. Rainer Werner Fassbinder wollte den Stoff verfilmen und scheiterte an eben dieser Zeichnung. Wer das Buch als harmlosen Kaufmannsroman führt, hat Itzig nicht gesehen.
Werke
- Soll und Haben (1855)
In Auswahl außerdem: Die Ahnen, Die Journalisten, Die verlorene Handschrift.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.