Alte Meister
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Alte Meister |
| Autor(en): | Thomas Bernhard |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1985 |
| Seitenanzahl: | 310 Seiten |
| Originaltitel: | Alte Meister. Komödie |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3518380536 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783518380536 |
| Schlagwörter: | Museum, Kunsthass, Wien, Komödie |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Alte Meister. Komödie ist der 1985 bei Suhrkamp erschienene Roman von Thomas Bernhard, seine letzte abgeschlossene Prosa vor dem Tod, sieht man von der früher geschriebenen, später gedruckten Auslöschung ab. Ein Privatgelehrter beobachtet im Wiener Kunsthistorischen Museum einen Musikkritiker, der seit Jahrzehnten auf derselben Bank sitzt und die europäische Kunst in Grund und Boden redet. Der Untertitel nennt eine Komödie; gemeint ist die schwarze Heiterkeit maßloser Verrisse, nicht ein versöhnlicher Schluss. Bernhard hat Handlung auf wenige Stunden und einen Saal zusammengedrängt, der so nicht existiert: Einen Bordone-Saal gibt es im Museum nicht. Tintorettos Weißbärtiger Mann hängt, und die Sitzbänke gibt es. Der Text kommt ohne Absätze und Kapitel aus.
Inhalt
Der Privatgelehrte Atzbacher hat sich mit dem Musikkritiker Reger außer der Reihe an einem Samstag im Museum verabredet. Eine Stunde zu früh stellt er sich in den Nachbarsaal und betrachtet den Freund, der seit über sechsunddreißig Jahren jeden zweiten Werktag auf dem Sofa im sogenannten Bordone-Saal Platz nimmt, vor allem vor Tintorettos Bild des weißbärtigen Mannes, für Reger das einzige fehlerfreie Werk des Hauses. Der Saaldiener Irrsigler, seit fünfunddreißig Jahren im Dienst und von Reger sprachlich zugerichtet, hält den Mund. Atzbacher erinnert Gespräche: über Museumspädagogik als Seelenmisshandlung, über Stifter, Bruckner, Heidegger und Mahler, über Wiener Aborte und die Idealtemperatur von achtzehn Grad, in der sich denken lässt. Regers Frau ist vor einem Jahr gestorben; er hat sie auf eben dieser Bank kennengelernt und drei Jahrzehnte lang zu Museumsbesuchen angehalten. Die Kunst, sagt er, sei nichts gegen diesen einen Menschen.
Um halb zwölf tritt Atzbacher zu Reger. Nun redet dieser weiter, und Atzbacher gibt die Rede wieder, oft so, dass unklar bleibt, wer spricht. Reger hasst die Alten Meister als Staatskunst, als katholische Lüge, als Geldsucht der Weltausschmückungsmaler; er sucht in jedem Werk den entscheidenden Fehler, weil nur die Enttäuschung ihn am Leben hält. Zugleich kann er ohne diese Werke nicht sein. Wer alles genau lese, ruinere sich das Schönste; er selbst sei mehr Umblätterer als Leser. Irrsigler erklärt Besuchern die Bilder im Regerton. Die Figuren verdoppeln einander: der Wärter als Sprachrohr, die Tote als Schülerin, Atzbacher als Gedankensohn. Draußen liegt Wien, das Bernhard wie immer als katholisch-staatliche Zumutung behandelt, ohne dass jemand den Saal verließe.
Erst gegen Ende nennt Reger den Grund des Treffens. Er hat zwei Karten für Kleists Zerbrochenen Krug im Burgtheater gekauft und will Atzbacher mitnehmen – eine Geste an einen alten Meister, die ihm selbst schwerfällt, weil sie der totalen Verwerfung widerspricht. Sie gehen in die Vorstellung. Der Roman schließt mit dem Satz: Die Vorstellung war entsetzlich. Kunsthass und Kunstbedürfnis stehen unversöhnt nebeneinander. Der weiße Bart auf der Leinwand hat den ganzen Vormittag über den weißen Bart auf der Bank geblickt, und Atzbacher hat beide betrachtet. Mehr äußere Handlung gibt es nicht. Was Bernhard erzählt, ist die Steigerung einer Sitzung, in der Sätze sich wiederholen, bis sie komisch und tödlich zugleich klingen.
Einordnung
Jörg Robert hat den Roman mit Der Untergeher und Holzfällen als Trilogie der Künste gelesen: Musik, Theater, bildende Kunst, jeweils als Ort, an dem Österreich sich selbst vorführt. Alte Meister greift den Geniekult des neunzehnten Jahrhunderts an, indem es ihn ausschüttet; die Kaskaden der Verachtung – dreiunddreißig Variationen über die falsche Bewunderung – sind musikalisch gebaut, Lamento und Durchführung. Die Komödie liegt darin, dass der Anti-Künstler Reger ohne die Werke, die er vernichtet, keine Stunde überstände. Lesungen und Bühnenfassungen haben den Text an Originalschauplätze zurückgetragen, bis nach Dresden und ins Deutsche Theater Berlin; 2010 hing Tintoretto für einen Abend so, wie Bernhard ihn braucht.
Wer nach 1985 über Museum, Staatskunst und die Unmöglichkeit, Tradition rein zu verwerfen, in einem Atemzug spricht, spricht hinter dieser Bank. Neben Holzfällen ist Alte Meister das Buch, in dem Bernhards Wut heiter wird, ohne milder zu werden. Der Schluss im Burgtheater nimmt der Kritik nicht die Schärfe: Auch Kleist scheitert am Abend, und trotzdem bleibt die Karte die einzige Liebeserklärung, die Reger noch zustande bringt. Das Museum rettet niemanden. Es gibt nur die Temperatur, in der sich der Satz fortsetzen lässt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
