Holzfällen

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Holzfällen
Autor(en): Thomas Bernhard
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1984
Seitenanzahl: 320 Seiten
Originaltitel: Holzfällen. Eine Erregung
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3518386778
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518386774
Schlagwörter: Wien, Künstler, Hass, Sitzung
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Holzfällen. Eine Erregung ist der 1984 bei Suhrkamp erschienene Roman von Thomas Bernhard. Ein Ich-Erzähler sitzt auf einem Ohrensessel in der Wiener Gentzgasse, eingeladen zu einem »künstlerischen Abendessen« des Ehepaars Auersberger, und steigert in einem ununterbrochenen Monolog Abscheu, Erinnerung und den Entschluss zu gehen. Dem Buch steht ein Satz Voltaires voran: Da er die Menschen nicht vernünftiger machen könne, sei er lieber fern von ihnen glücklich. Die Veröffentlichung löste eine Beleidigungsklage aus, Beschlagnahme in Österreich, steigende Verkaufszahlen; Marcel Reich-Ranicki nahm den Band in seinen Kanon auf.

Inhalt

Das Ehepaar Auersberger hat nach dem Begräbnis der gemeinsamen Bekannten Joana Gäste geladen, darunter einen Burgschauspieler, der auf sich warten lässt. Die Gesellschaft trinkt, unterhält sich, wird betrunken; der Erzähler langweilt sich und hasst sich dafür, gekommen zu sein. Er kennt die meisten seit Jahrzehnten und hat sie Jahre nicht gesehen. Auf dem Sessel, vom Rand der Szene, läuft der Satz gegen die Auersberger, gegen die Wiener Künstlerszene, gegen die eigene Mitläuferschaft in den fünfziger Jahren, als er, aus dem Sanatorium kommend, bei den Auersbergern am Land Unterschlupf fand und sich aushalten ließ. Joana, Tänzerin und später gescheitert, hat sich das Leben genommen; der Erzähler erinnert ihre Ehe mit einem Tapiseristen, eine Mexikoreise, den Leichtsinn der Freunde, die sie nicht hielten.

Der Burgschauspieler erscheint spät, betrunken, redet von der Natur, vom Wald, den er liebe, und schließt: »Wald, Hochwald, Holzfällen«. Für einen Augenblick empfindet der Erzähler fast Sympathie. Dann schlägt die Erregung um. Die Gäste sind ihm nichts als Hochstapler, der Abend eine Folter aus Wiederholung, Wien eine Stadt, in der alle über alle herziehen. Der Text hat keine Kapitel und kaum Absätze; was auf der ersten Seite steht – Einladung, Sessel, Abscheu –, wird dreihundert Seiten lang variiert, bis der Erzähler aufbricht und in die Nacht der Stadt hinaustritt, atmend, entschlossen, dieses Wien und diese Menschen zu hassen und trotzdem zu brauchen. Die Handlung ist die Steigerung einer Sitzung, nicht die Abfolge von Ereignissen.

Joana wird von Lesern mit Ingeborg Bachmann zusammengedacht, Auersberger mit dem Komponisten Gerhard Lampersberg, der klagte und die Klage zurückzog. Der Erzähler schont sich nicht. Er ist der Parasit, der die Gastgeber frisst und ihnen die Rechnung präsentiert. Das Begräbnis am Anfang und der Aufbruch am Ende rahmen eine Nacht, in der niemand sich ändert außer der Stimme, die immer lauter dasselbe sagt. Selbst der Wald, von dem der Schauspieler schwärmt, ist nur noch ein Satz.

Einordnung

Bernhard hat das Leben als Theater beschrieben; Holzfällen ist der Roman, in dem das Theater eine Wiener Wohnung ist und das Publikum sich selbst zerlegt. Sigrid Löffler las darin die Gerüchtemacherei des Literaturbetriebs, die der Text zugleich spiegelt und bedient. Die Klage Lampersbergs machte gerichtsöffentlich, was der Schlüsselroman andeutete, und bewies unfreiwillig die These, Wien lebe vom Weitertragen. Claus Peymann hat aus dem Sessel eine Vortragspose gemacht; 2024 spielte Nicholas Ofczarek eine Bühnenfassung am Burgtheater.

Wer nach 1984 Künstlerhass, Undank und die Unmöglichkeit, aus der eigenen Stadt fortzugehen, in einem Atemzug erzählt, erzählt hinter diesem Ohrensessel. Neben Heldenplatz ist Holzfällen das Werk, an dem sich die österreichische Öffentlichkeit abgearbeitet hat. Es verriet keine Geheimnisse, die man nicht schon munkelte. Es traf den Ton, in dem diese Öffentlichkeit über sich spricht: unendlich, boshaft, komisch und ohne Ausweg, außer dem Satz vom Holzfällen, der kurz wie Frieden klingt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.