Billard um halb zehn

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Heinrich Böll · 1959 · Roman
Das Werk
Deutscher Titel: Billard um halb zehn
Autor(en): Heinrich Böll
Originaltitel: Billard um halb zehn
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1959
Schlagwörter: Familie, Abtei, Gedächtnis, Rhein
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: dtv


Umfang dieser Ausgabe: 336 Seiten
ISBN: 9783423009911
Verweise
Umschlag

Billard um halb zehn ist ein Roman von Heinrich Böll, 1959 bei Kiepenheuer und Witsch erschienen. An einem einzigen Tag, dem 6. September 1958, versammelt sich die rheinische Architektenfamilie Fähmel zum achtzigsten Geburtstag des Großvaters, und aus Gesprächen, inneren Monologen und Rückblicken wird ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte. Heinrich Fähmel hat die Abtei St. Anton gebaut; sein Sohn Robert hat sie in den letzten Kriegstagen als Sprengmeister der Wehrmacht zerstört; der Enkel Joseph hilft beim Wiederaufbau. Böll hat den Zeitroman in ein Ritual gelegt: Jeden Morgen spielt Robert von halb zehn bis elf im Hotel Prinz Heinrich Billard. Der Band gilt als sein erster großer Versuch, Kaiserreich, Nationalsozialismus und Bundesrepublik in einer Form zu binden.

Inhalt

Der junge Architekt Heinrich Fähmel gewinnt 1907 die Ausschreibung für die Abtei im Kissatal, heiratet die Notarstochter Johanna Kilb und plant ein Leben, das an seinem achtzigsten Geburtstag vollendet sein soll. Von den Kindern sterben zwei früh; Otto folgt später der Partei, Robert nicht. Im Nationalsozialismus, den der Roman das Sakrament des Büffels nennt, halten die Fähmels Distanz, soweit das gelingt. Robert erlebt als Schüler den Terror gegen Freunde, voran durch den Mitschüler Nettlinger; nach einem missglückten Anschlag flieht der Freund Schrella, ein anderer wird hingerichtet, Robert geht in die Niederlande und kehrt zurück, weil nichts gegen ihn vorliegt. Als Sprengmeister überzeugt er einen General, die Abtei des Vaters zu sprengen – aus Gründen, die der Roman nicht glatt auflöst: die Mönche hatten dem Büffel gehuldigt, die Zeit verlangte Zerstörung, der Sohn antwortet dem Bau.

Nach dem Krieg ist Roberts Frau tot, Otto gefallen, Johanna im Sanatorium. Robert rechnet Statik, stellt alte Sprengkameraden ein und hält die Gefühle hinter einem Stundenplan. Der Hotelboy Hugo hört beim Billard, was Robert sonst niemandem sagt. 1958 ist der Wiederaufbau der Abtei im Gang, Joseph findet Sprengzeichen in der Handschrift des Vaters. Schrella reist ein, wird wegen eines alten Haftbefehls festgenommen und von Nettlinger befreit, der sich zum Demokraten gewandelt hat und das Opfer jovial behandelt, damit die Vergangenheit schweigt. Robert weicht Nettlinger aus und lädt Schrella zum Fest.

Die Feier wird ins Hotel verlegt. Auf dem Nebenbalkon winkt ein Minister einem Verband alter Kameraden; Johanna, aus dem Sanatorium angereist, zieht eine Pistole und schießt auf den Minister. Der Schuss trifft nicht die ganze Republik, aber das Ritual der Versöhnung, das der Geburtstag spielen sollte. Lämmer und Büffel, Bölls Gegenbegriffe, stehen sich am Abend noch gegenüber: Wer nicht gekostet hat vom Sakrament der Macht, bleibt verdächtig, auch 1958. Der Tag endet nicht mit einer Lösung, sondern mit der Tat einer Frau, die das Winken nicht erträgt.

Einordnung

Böll hat die Rückblende so gebaut, dass 1958 das Resultat ist, nicht die Kulisse. Die Abtei als Bau, Sprengung und Wiederaufbau trägt drei Generationen und zwei deutsche Staaten; der Billardtisch ist die Gegenstätte, an der Robert die Zeit in Stößen misst. Gegenüber Ansichten eines Clowns ist der Roman choraler, gegenüber Gruppenbild mit Dame noch ohne den sammelnden Verfasser: Die Stimmen der Fähmels selbst tragen das Jahrhundert. Zeitgenossen lobten die Reife oder warfen Böll vor, formale Ehrgeizstücke nach fremden Vorbildern zu liefern. Die Formel vom Lamm und vom Büffel ist seither das Erkennungszeichen des Buches, manchmal zu glatt zitiert. Im Text bleibt sie Erfahrung, nicht Emblem.

Jean-Marie Straub hat 1965 mit Nicht versöhnt eine strenge Verfilmung vorgelegt, die Bölls Sätze stehen lässt und die Versöhnung verweigert, die der Titel des Films benennt. In der westdeutschen Literatur der fünfziger Jahre steht der Band neben Koeppens Tauben im Gras als Versuch, die Bundesrepublik als Erbe zu lesen, nicht als Neuanfang. Wer nach diesem Roman über Wiederaufbau spricht, muss die Sprengung mitdenken, die der Sohn dem Vater antut und verschweigt. Der Minister auf dem Balkon ist 1958 schon wieder grußfähig; Johanna schießt, weil das Gedächtnis nicht winkt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.