Die Entdeckung des Himmels

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Harry Mulisch· 1992· Roman
Das Werk
Deutscher Titel: Die Entdeckung des Himmels
Autor(en): Harry Mulisch
Originaltitel: De ontdekking van de hemel
Originalsprache: niederländisch
Erstveröffentlichung: 1992
Schlagwörter: Freundschaft, Engel, Gebote, Niederlande
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Rowohlt


Umfang dieser Ausgabe: 880 Seiten
ISBN: 9783499134760
Rezensionen
Umschlag

Die Entdeckung des Himmels ist der 1992 erschienene Roman von Harry Mulisch, niederländisch De ontdekking van de hemel, deutsch 1993 bei Hanser, später als Taschenbuch bei Rowohlt, übersetzt von Martina den Hertog-Vogt. Zwei Engel steuern auf der Erde eine Freundschaft, eine Liebe und ein Kind, damit die Tafeln der Zehn Gebote in den Himmel zurückkehren und der Bund zwischen Gott und den Menschen gelöst wird. Darunter liegt ein Zeitroman der Niederlande von den sechziger bis in die achtziger Jahre: Studentenunruhen, Kuba, Sprachwissenschaft, Politik, Astronomie. Mulisch, Sohn einer jüdischen Mutter und eines österreichischen Bankangestellten, der mit der Besatzungsmacht zusammenarbeitete, hat die eigene Herkunft in die Figur des Astronomen gelegt. 2007 wählte die Zeitung NRC Handelsblad das Buch zum besten niederländischsprachigen Roman.

Inhalt

Zwei Engel, dem Leser in Rahmenkapiteln hörbar, brauchen ein Kind von besonderer Herkunft, das die Tafeln stehlen kann. Dafür lassen sie am selben Tag zwei Männer zeugen, die sich später in der Sternwarte treffen und erkennen: Max Delius, Astronom und Frauenheld, geboren am 27. November 1933 als Sohn einer Jüdin und eines NS-Offiziers, der Frau und Verwandtschaft denunziert und in die Lager geschickt hat; und Onno Quist, Linguist aus einer konservativen Politikerfamilie, der in einer Kellerwohnung lebt, alte Schriften entziffert und das Chaos pflegt. Die Freundschaft ist sofort und vollständig. Max lernt die Cellistin Ada Brons kennen, die Tochter eines Buchhändlers; er gibt sie preis, weil ihm Onno wichtiger ist, und Onno heiratet sie. Auf Kuba, wohin die drei reisen, hat Ada mit beiden Verkehr; wer Quinten zeugt, bleibt offen. Auf der Rückfahrt verunglückt der Wagen, Ada fällt ins Koma, das Kind wird per Schnitt geboren. Ada liegt siebzehn Jahre, bis ihre Mutter Sophia ihr Insulin gibt und sie stirbt.

Quinten wächst bei Max und Sophia auf, die nachts ein Verhältnis führen, tags die Rollen von Schwiegermutter und Freund des Vaters spielen. Das Kind sieht aus wie ein Engel, lernt bei den Nachbarn im Haus mehr als in der Schule und hat Träume, die wie Aufträge aussehen. Max, der den Himmel als Astronom entdecken will, wird in den achtziger Jahren von einem Meteoriten erschlagen, bevor er die Entdeckung mitteilen kann. Onno macht politische Karriere, nimmt die alte Freundin Helga wieder auf, verliert sie an einen Raubüberfall und taucht unter. Quinten verlässt mit siebzehn die Schule, sucht den Vater und findet ihn vor dem Pantheon in Rom. Gemeinsam stehlen sie aus der Sancta Sanctorum die Steintafeln, fliehen nach Jerusalem; Quinten zerstört sie auf dem Tempelberg, die Trümmer holt die Müllabfuhr. Onno begreift, dass Quinten Max’ Sohn ist, und dass die Schuldgefühle der beiden Männer umsonst waren. Der Bund ist gelöst; die Welt, so die Engel, hat nun einen Pakt mit dem Widersacher.

Mulisch gliedert in vier Teile – Anfang vom Anfang, Ende vom Anfang, Anfang vom Ende, Ende vom Ende – und lässt die Himmelsszenen nur an den Rändern ins Irdische greifen. Dazwischen stehen lange Gespräche über Gott, Sprache, Politik und Naturwissenschaft, eine niederländische Gesellschaft, die sich für tolerant hält, und die Frage, wer an einem Kind schuld ist, das niemand geplant hat. Ada bleibt siebzehn Jahre stumm im Bett; die Sterbehilfe, zur Zeit des Erscheinens in den Niederlanden umstritten, ist keine These, sondern ein Akt der Mutter. Quintens Schönheit und Kälte machen ihn zum Werkzeug, nicht zum Helden. Die Tafeln, einmal gestohlen, sind Müll.

Einordnung

Mulisch hat nach Das Attentat den großen Roman geschrieben, in dem Biographie, Theologie und Zeitgeschichte denselben Satz teilen dürfen, ohne dass eine Ebene die andere erklärt. Die Engel sind keine Erbauung: Sie kommentieren zynisch, sie brauchen Körper, sie erfüllen einen Auftrag des »Chefs«, der den Bund kündigt, weil die Menschen ihn gebrochen haben. Gegen den realistischen Nachkriegsroman der Niederlande steht hier die Spekulation, gegen den reinen Ideenroman die Freundschaft zweier Männer, die sich widersprechen und brauchen. Onno trägt Züge von Mulischs Freund, dem Schachmeister Hein Donner; Max trägt die Herkunft des Autors. Die Entdeckung des Himmels, die Max nicht mehr aussprechen kann, ist ironisch: Der Himmel war immer da, und er zieht sich zurück.

Jeroen Krabbé verfilmte 2001 das Buch mit Stephen Fry als Onno, Greg Wise als Max und Flora Montgomery als Ada. Der Roman bleibt sperriger als seine Bilder: Er verlangt, dass man die Tafeln ernst nimmt und zugleich die Müllabfuhr. Wer nach 1992 über Freundschaft, Vaterschaft und den Rest des Religiösen in einem säkularen Land sprach, hatte dieses Buch im Rücken, auch wenn er die Engel für überflüssig hielt. Sie sind es nicht; ohne sie wäre die Handlung Zufall, und Zufall ist genau das, was die Engel nicht zulassen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.