Gott und Macht

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Catherine Keller · 2005 · Sachbuch, Theologie
Das Werk
Deutscher Titel: Gott und Macht
Autor(en): Catherine Keller
Originaltitel: God and Power. Counter-Apocalyptic Journeys
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 2005
Schlagwörter: Apokalypse, Imperium, Macht, Liebe
Sachgebiete: Sachbuch, Theologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fortress Press


Umfang dieser Ausgabe: 184 Seiten
ISBN: 9780800637279
Verweise
Umschlag

Gott und Macht (englisch God and Power. Counter-Apocalyptic Journeys) ist die 2005 bei Fortress Press in Minneapolis erschienene Sammlung von Vorträgen und Aufsätzen der amerikanischen Theologin Catherine Keller. Die Stücke sind zumeist nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entstanden und begleiten die Neuausgabe von Apokalypse jetzt und damals. Keller fragt, was amerikanische Weltmacht, Präventivkrieg und die Rede vom Imperium mit dem christlichen Erbe der Apokalypse zu tun haben. Eine deutsche Ausgabe liegt nicht vor. Der schmale Band bereitet die politische Theologie vor, die sie später in der Politischen Theologie der Erde ausführt, und liest die Offenbarung des Johannes gegen den Strich einer Politik, die das Ende der Geschichte herbeireden will.

Inhalt

Keller schreibt gegen zwei bequeme Lesarten der Gegenwart: gegen die evangelikale Gewissheit, die Zeichen der Zeit deuteten auf Armageddon, und gegen die säkulare Gewissheit, Religion sei in der Weltpolitik nur Beiwerk. Rechte und Linke, sagt sie, lesen die Lage apokalyptisch, ohne das zwiespältige Erbe zu verstehen, aus dem diese Bilder stammen. Die Fragen, die der Gebrauch amerikanischer Macht aufwirft, entblößen ein politisches Unbewusstes, das mit Macht, Schrecken, Territorium und Liebe ringt. Allmacht wird hier nicht zuerst als Gotteslehre verhandelt, sondern als Politik der Vorwegnahme: wer den Gegner schlagen will, bevor er schlägt, ahmt eine göttliche Verfügung nach, die keine Zukunft offenlässt. Reinhold Niebuhr dient als unerwarteter Zeuge; seine Warnung vor der Selbstgerechtigkeit der Macht wird gegen die Rhetorik des Präventivkriegs gewendet. Gott und Macht fallen in dieser Diagnose nicht zusammen, sie verdächtigen einander.

Der mittlere Teil setzt die Arbeit der Konter-Apokalypse fort, die Keller in dem älteren Buch begonnen hat: ein Lesen, das die Offenbarung nicht verwirft und nicht wörtlich nimmt, sondern ihre Tiere, Huren und Augen als politische Traumarbeit behandelt. Territorium, Terror und Folter erscheinen als Wiederkehr apokalyptischer Raumbilder; Geschlechterstile der Endzeit zeigen, dass das Ende männlich als Schlag und weiblich als Berechnung oder Klage erzählt wird. Befreiung und Dekonstruktion blicken sich an, ohne dass eine die andere schluckt. Der dritte Teil konstruiert eine politische Theologie der Liebe. Keller greift auf Face of the Deep zurück, ihre Auslegung der Schöpfung aus der Tiefe, und auf nachkoloniale Theorie: das Christentum ist überall und nirgendwo in der imperialen Ordnung, ein Nachtrag der Liebe, der die Herrschaft nicht tauft. Die Demokratie der Schöpfung heißt bei ihr Chaosmos: Ordnung und Unordnung gehören zusammen, das Ende ist kein Sieg über das Chaos, sondern ein Bleiben in der gefährdeten Welt.

Unsicher wird die Sammlung, wo die Gattung der Vorträge die Systematik ersetzt. Acht Kapitel, oft schon anderswo gedruckt, verdichten eine Lage, ohne sie so durchzuarbeiten wie das ältere Buch zur Apokalypse. Die theopoetische Sprache – Dichtung als Gottesrede – kann die Analyse der Weltmacht tragen oder sie in Bildern auffangen, die den Gegner nicht mehr treffen. Keller weiß, dass Liebe als politische Kategorie sentimental klingt, und beharrt darauf, dass gerade die Sentimentalität der Allmacht die gefährlichere Theologie sei. Der Ton ist der einer konstruktiven Theologie, die Bibel, Zeitgeschichte und Metaphysik ineinanderzieht, ohne die Kanzel zu verlassen. Die Gegenposition ist der klassische Theismus der Allmacht und die linke Anti-Apokalypse, die das religiöse Pathos nur umkehrt und dabei das Muster behält.

Einordnung

Der Band steht zwischen der feministischen Wirkungsgeschichte der Offenbarung in Apokalypse jetzt und damals und der erdpolitischen Zuspitzung der späteren Jahre. Er gehört zur amerikanischen Prozesstheologie nach Alfred North Whiteheads Prozess und Realität, die Gott nicht als unbewegten Beweger braucht, und wendet dieses Erbe gegen die Kriegsreligion der frühen zweitausender Jahre. Nachbarn sind Jürgen Moltmann, dessen Eschatologie Keller ironisch und ernst zugleich liest, und die nachkolonialen Theologien, mit denen sie an der Drew University Kolloquien veranstaltet hat. Die Missverständnisse liegen nah: wer nur den Titel hört, erwartet eine Staatslehre; wer nur die Aufsatzform sieht, unterschätzt die durchlaufende Behauptung, dass Weltmacht eine Theologie hat.

Geblieben ist die Zumutung, amerikanische Macht nicht ohne die Offenbarung und die Offenbarung nicht ohne die imperiale Ordnung zu lesen. Eine deutsche Übersetzung fehlt; die Debatte erreichte den deutschsprachigen Raum über Aufsätze, über Über das Geheimnis und über die ökologische Fortsetzung. Die Aufsatzform hat die These zerstreut und sie in der amerikanischen Rede über Religion und Krieg leichter zitierbar gemacht. Wer nach 2005 über politische Theologie, Vorwegnahme und das Ende spricht, spricht hinter diesem Begleitband oder gegen ihn – oft ohne ihn gelesen zu haben, weil das ältere Apokalypsebuch den Namen der Konter-Apokalypse schon gesetzt hatte.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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