Moral und Hypermoral
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Moral und Hypermoral |
| Autor(en): | Arnold Gehlen
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1969 |
| Schlagwörter: | Ethos, Institution, Humanität, Überdehnung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Anthropologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Klostermann
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| Umfang dieser Ausgabe: | 196 Seiten |
| ISBN: | 9783465042808 |
| Verweise | |
Moral und Hypermoral. Eine pluralistische Ethik ist das 1969 bei Athenäum erschienene letzte Buch von Arnold Gehlen. Der Titel nennt die doppelte Aufgabe: eine Ethik aus mehreren Wurzeln und eine Zeitkritik an dem, was Gehlen Hypermoral nennt, eine überdehnte Moralität, die sich vom Boden der Institutionen gelöst hat. Gehlen widerspricht dem Satz Voltaires, es gebe nur eine Moral wie nur eine Geometrie. Die Klostermann-Ausgabe, herausgegeben von Karl-Siegbert Rehberg, hat den Text in der Roten Reihe gehalten.
Inhalt
Gehlen schreibt gegen die abstrakte Ethik der Aufklärung und gegen die Vorstellung, moralisches Verhalten lasse sich auf ein Prinzip zurückführen. Im Menschen seien mehrere moralische Instanzen angelegt, deren Entfaltung die jeweiligen Umstände entscheide. Er unterscheidet vier Ethosformen: Gegenseitigkeit, instinktnahe soziale Regulationen, das familienbezogene Ethos bis hin zu seiner Ausweitung auf jeden Menschen, und das Ethos der Institutionen. Das Verfahren sei schematisch, aber der Genauigkeit wegen nötig. Die Wirksamkeit einer Form bindet er an Eliten; wo diese fehlen, herrsche Pluralismus.
An ethnologischen und verhaltenskundlichen Befunden entfaltet sich die Behauptung. Gegenseitigkeit stützt er auf Claude Lévi-Strauss und deutet sie instinktnah. Die physiologischen Tugenden – Schutz- und Pflegereaktionen auf das Kleine und Niedliche – entnimmt er Konrad Lorenz: die zuverlässigsten Regelungen bewegten sich im Umkreis der Sinne. Diese Impulse seien weltoffen und neigten zur Überdehnung; Nächstenhilfe könne politisch ausgewertet werden, ausdrücklich bei Martin Luther King und Mahatma Gandhi. Wo das Familienethos auf jeden Beliebigen ausgedehnt wird, entsteht der Humanitarismus, die zur Pflicht gemachte Menschenliebe. Institutionen gerinnen von selbst und bändigen Angriffe, indem sie Rang anerkennen; das Staatsethos verwertet Aggressionen. Ihre Geltung ist nicht hinterfragbar, ihre Rechtfertigung der funktionale Erfolg, nah an Thomas Hobbes’ Leviathan.
Unsicher wird das Buch, wo aus der Typenlehre eine Kampfschrift gegen Intellektuelle, Pazifismus und das öffentliche Moralisieren wird. Gehlen sieht in der Spätantike und im hellenistischen Reich schon die Friedenssehnsucht, die Herrschaft genehm ist. Verbinden sich Humanitarismus und das Ethos des allgemeinen Wohlergehens, entstehe Moralhypertrophie: die Institutionen sinken zu Wohlstandsapparaten, die politische Tugend weicht der privaten Subjektivität. Die Menschheit umarme sich selbst, weil sie nichts Größeres außer sich sehe. Publizisten wirft er vor, gruppenspezifische Interessen als Wahrheit auszugeben; er nennt sie Mundwerksburschen, die fehlenden Zugang zu den Sachen durch Humanitarismus ersetzen. Die Polemik trägt die Analyse und gefährdet sie: was als empirische Mehrzahl der Moralen begann, endet als Absage an eine Öffentlichkeit, die Institutionen befragt.
Einordnung
Das Buch zerbrach die vierzigjährige Freundschaft mit Helmut Schelsky. Schelsky, der Gehlens Institutionenlehre dynamisch weitergeführt hatte, las keine wissenschaftliche Analyse, sondern eine Herrschaftsphilosophie für Starke, die sich ein westdeutscher Professor fünfundzwanzig Jahre nach dem Nationalsozialismus nicht leisten könne. Jürgen Habermas schrieb 1970 im Merkur, respektable Lebensweisheiten seien mit dem politischen Stammtisch eines aus dem Tritt geratenen Rechtsintellektuellen verknüpft; Humanität sei die Kühnheit, die uns am Ende bleibe. Odo Marquard nahm den Band wohlwollend auf.
Neben Gehlens anthropologischem Hauptwerk Der Mensch steht Moral und Hypermoral als späte Zuspitzung: das Mängelwesen braucht Entlastung durch Institutionen, und die überdehnte Moral raubt sie ihm. Der Titelbegriff ist in das Wortfeld der neueren Rechten gewandert; Alexander Grau hat ihn in einer Streitschrift erneuert. Wer über Moralpluralismus, Staatsethos und öffentliche Empörung spricht, hat hier die schroffste deutsche Absage an den Humanitarismus – und den Beleg, wie nah Zeitkritik und Ressentiment beieinanderliegen können.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
