Discorsi

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Discorsi
Autor(en): Niccolò Machiavelli
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Insel
Serie:
Erscheinungsjahr: 1531
Seitenanzahl: 513 Seiten
Originaltitel: Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio
Originalsprache: italienisch
ISBN-10: 3458342516
ISBN-13/

EAN-Code:

9783458342519
Schlagwörter: Republik, Freiheit, Geschichte, Tatkraft
Sachgebiete: Sachbuch, Politik
Rezensionen
Umschlag

Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio sind die 1531, ein Jahr nach dem Tod Niccolò Machiavellis, in Rom gedruckten Abhandlungen über die ersten zehn Bücher des Livius. Entstanden sind sie zwischen 1513 und 1519 auf dem Landgut bei San Casciano, im selben Exil, das auch Der Fürst hervorgebracht hat. Wo jener das neue Fürstentum beschreibt, gilt dieser der Republik: Rom als Lehrstück, wie ein freies Gemeinwesen entsteht, sich hält und verdirbt. Machiavelli nimmt Livius nicht als Stoff für Bewunderung, sondern als Vorrat wiederholbarer Fälle. Die Kirche setzte beide Schriften auf den Index; der Ruf des Teufelswerks lastete lange schwerer auf dem schmalen Fürstentraktat als auf diesem umfangreicheren Hauptwerk.

Inhalt

Machiavelli schreibt gegen eine Politik, die die Alten preist und ihre Mittel nicht anwendet, und gegen die fromme Hoffnung, man könne Macht ohne Zwiespalt, Religion ohne Nutzen und Freiheit ohne Waffen haben. Die Geschichte wiederholt sich, weil die Menschen dieselben Leidenschaften haben; wer die Vergangenheit genau liest, sieht die kommenden Unruhen und die Hilfsmittel, die schon einmal gewirkt haben. Drei Bücher gliedern den Stoff nach Livius: Verfassung und innere Ordnung, Vermehrung der Herrschaft, Beispielhaftigkeit einzelner Männer. Am Anfang steht die Gründung der Stadt und die Lehre von den Regierungsformen, die ineinander umschlagen – Alleinherrschaft, Aristokratie, Volksherrschaft und ihre entarteten Zwillinge. Rom wird groß, weil es die Gegensätze nicht erstickt. Die Uneinigkeit von Volk und Senat, sagt Machiavelli, hat die Republik frei und mächtig gemacht; die Volkstribunen sind nicht Makel, sondern Vollendung. Wer Ruhe um jeden Preis will, opfert die Kraft, die aus dem Streit kommt.

An Beispielen entfaltet sich die Behauptung. Die Religion ist für Rom ein Werkzeug der Ordnung, nicht eine Wahrheit über die Götter; Italien verfällt, weil die römische Kirche selbst keine bindende Religion mehr trägt. Eigene Waffen gelten mehr als Geld, Söldner und Bündnisse mit Fürsten, deren Ruf größer ist als ihre Kriegsmacht. Die diktatorische Gewalt war der Republik von Nutzen, solange sie befristet blieb; ein Gesetz nicht zu halten, dessen Urheber man ist, setzt ein schlechtes Beispiel. Machiavelli nennt virtù die Tatkraft, die der Zeit gewachsen ist, und fortuna das Glück, das die Hälfte der Dinge lenkt. Das Volk, versammelt, sei mutig und oft weiser als die Fürsten, einzeln aber schwach; eine Menge ohne Haupt sei unnütz. Republiken dauern länger als Fürstentümer, weil sie, auf die Vielzahl gegründet, dem Wechsel der Zeiten besser folgen als ein Mann, der nur eine Art zu handeln kennt.

Unsicher wird das Buch, wo aus der römischen Ausnahme eine Regel für verdorbene Städte werden soll. Machiavelli fragt, wie in verderbten Gemeinwesen eine freie Verfassung zu halten oder einzuführen sei, und antwortet härter, als die republikanische Wärme des Anfangs erwarten lässt: Wo Gleichheit fehlt, lasse sich keine Republik einführen; wo viele Edelleute sind, müsse man den Adel ausrotten, bevor gesetzliche Freiheit möglich ist. Die Menschen seien selten ganz gut oder ganz böse, leicht zu verderben, gierig auf Neues auch dann, wenn es ihnen gut geht. Erzwungene Versprechen müsse man nicht halten; Betrug im Krieg könne ruhmvoll sein. Der Analytiker, der das Wohl des Volkes zum Maßstab macht – Republiken sind Staaten, in denen das Volk Fürst ist –, räumt ein, dass keine Sache ohne Schattenseite ist. Das ist eine Lehre der geringeren Übel, angreifbar, sobald jemand fragt, wer diese Übel zählt.

Einordnung

Ohne die Discorsi wird Der Fürst zum Klischee des skrupellosen Herrschers. Beide Schriften gehören zusammen: Hier die Republik als dauerhafte Form der Freiheit, dort die Not der neuen Herrschaft, wo keine Sitte sie trägt. Carlo Schmid las darin die gelassenere Untersuchung, was geschehen muss, damit aus dem Zwiespalt von Freiheit und Macht nicht Anarchie oder der Untergang des Staates folgt. Francesco Guicciardini, Freund und Kritiker, hat zu vielen Kapiteln gegenteilige Bemerkungen hinterlassen. Die politische Wissenschaft der Neuzeit nimmt hier ihren Ausgang: nicht bei der besten Verfassung im Kopf, sondern bei den wiederkehrenden Bewegungen der Geschichte.

Neben AristotelesPolitik und später Jean Bodins Sechs Bücher über den Staat steht das Werk als republikanisches Gegenstück zur Souveränitätslehre. Jean-Jacques Rousseau konnte Machiavelli als heimlichen Republikaner lesen; die Gegenstimme bleibt, dass die Lehre von Notwendigkeit und Betrug jede Schandtat decken kann. Das Missverständnis, Machiavelli predige die Macht um ihrer selbst willen, entsteht vor allem dort, wo man den Fürstentraktat ohne diese Abhandlungen nimmt. Gelesen als Paar, zeigen sie denselben kalten Blick auf das, was wirkt – einmal zugunsten der Bürgerfreiheit, einmal zugunsten des neuen Herrn. Unschädlich wird der Blick dadurch nicht; er wird genauer.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.