Politik
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Politik |
| Autor(en): | Aristoteles |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | |
| Seitenanzahl: | 613 Seiten |
| Originaltitel: | Πολιτικά |
| Originalsprache: | griechisch |
| ISBN-10: | 3150085225 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150085226 |
| Schlagwörter: | Polis, Verfassung, Haus, Tugend |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Die Politik ist die in acht Büchern überlieferte staatsphilosophische Vorlesung von Aristoteles, entstanden im Umkreis des Lykeion in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts vor Christus. Der griechische Titel Politiká meint die Dinge, die das Gemeinwesen betreffen. Aristoteles bestimmt den Menschen als auf Gemeinschaft angelegtes Lebewesen, prüft bestehende und erdachte Verfassungen und fragt, welche Ordnung ein gelungenes Leben trägt. Das Werk ist keine Utopie nach Art von Platons Der Staat, sondern Beobachtung, Typenlehre und Norm in einem.
Inhalt
Aristoteles schreibt gegen die Vorstellung, der Staat sei bloße Satzung oder Zwangsgemeinschaft zur Abwehr. Der Mensch ist zoon politikon: ein Lebewesen, das durch Sprache Gerechtes und Ungerechtes unterscheidet und nur in der Polis seine Natur erfüllt. Wer von Natur außerhalb des Staates lebt, ist Tier oder Gott. Die Polis wächst aus Haus und Dorf und ist zugleich früher als beide, weil das Vollendete dem Unvollkommenen vorausgeht. Nur in ihr ist Selbstgenügsamkeit möglich. Von Natur gebe es Herrschendes und Beherrschtes; freie Männer sollen die Angelegenheiten bestimmen, Frauen, Kinder und Sklaven bleiben dem Haus zugeordnet. Die Natur folgt einem inneren Zweck, keinem Zufall und keinem weltschöpferischen Geist. Ordnung entsteht, wenn jedes Ding den in ihm liegenden Zweck vollbringt.
Die Staatsformenlehre zählt sechs Typen. Auf das Wohl aller zielen Königtum, Aristokratie und Politie; auf den Nutzen der Herrschenden Tyrannis, Oligarchie und Demokratie, verstanden als Herrschaft der vielen Armen. Die Demokratie in ihrer extremen Form wird dem Tyrannen verglichen: Das Volk herrscht ohne Gesetz, Demagogen treten an die Stelle der Satzung. Milder urteilt die zweite, empirischere Lehre des vierten und sechsten Buches, die mehrere gesetzliche Spielarten der Volksherrschaft unterscheidet. Die beste erreichbare Verfassung ist für Aristoteles die Politie als Mischung: Wahlen nach oligarchischer Art, Teilnahme an der Volksversammlung ohne hohen Zensus. Maß und Mitte im Besitz sollen die Vernunft stützen; Gleichheit gilt unter Ebenbürtigen, Ungleichheit unter Ungleichen. Das Haus ist Ort des Wirtschaftens. Eigentum fördert Fürsorge und mindert Streit; Geld als Tauschmittel dient der Versorgung, die Kunst, Geld um des Geldes willen zu häufen – die Chrematistik –, gilt als naturwidrig, der Zins als hassenswert, weil er aus dem Geld selbst Gewinn zieht.
Der Ton ist der der Vorlesung: Sätze werden gesetzt, Einwände eingeschoben, Verfassungen Athen, Sparta und den erdachten Städten der Vorgänger gegenübergestellt. Buch zwei kritisiert namentlich Platons Gütergemeinschaft der Wächter. Die Bücher sieben und acht entwerfen Erziehung und bestes Gemeinwesen, ohne den Bauplan einer zweiten Politeia zu liefern. Unsicher wird der Text im Verhältnis von Haus und Polis: Die Nikomachische Ethik nennt den Menschen stärker auf die Gemeinschaft zu zweien angelegt, die Politik setzt die Stadt früher als das Haus. Die Rechtfertigung der Sklaverei und der männlichen Herrschaft im Oikos bleibt an die angebliche Natur gebunden. Als Handbuch heutiger Demokratie taugt der Text nicht, weil er den freien Mann der Polis voraussetzt; als bloßes Plädoyer der Reichen liest man ihn ebenso falsch, weil ihm das allgemeine Wohl und die Warnung vor der gesetzlosen Menge ernst sind.
Einordnung
Vier Thesen hat Otfried Höffe als jahrhundertelang anerkannt genannt: der Mensch als politisches Lebewesen, die Polis als vollkommene und natürliche Gemeinschaft, die Polis früher als Haus und Einzelner. Die Lehre der drei guten und drei entarteten Verfassungen hat das abendländische Staatsdenken geprägt, von der Scholastik bis zur Neuzeit. Jochen Bleicken hat den historischen Wert dieser Typen für Athen bestritten: Sie seien gedankliche Gebilde einer späten Zeit. Höffe selbst schränkt ein, die politische Anthropologie überzeuge im Grundsätzlichen, beschönige aber die öffentlichen Gewalten und bleibe ohne überpolisische, panhellenische Perspektive. Gegen Platons Philosophenherrschaft holt Aristoteles die Verfassung in die Mitte des Bürgers und das wirtschaftliche Leben in das Haus – näher an der Nikomachischen Ethik als an der Höhle.
Das Missverständnis liegt darin, Demokratie bei Aristoteles mit der neuzeitlichen Volkssouveränität gleichzusetzen oder die Politie zur bloßen Vorform parlamentarischer Mischverfassung zu glätten. Nachbarschaft hat das Buch zu Der Staat, den es kritisiert, zur Ethik, in die es mündet, und zu späteren Vertragstheorien wie Vom Gesellschaftsvertrag, die den Staat nicht mehr als Naturzweck denken. Karl Popper hat in Die offene Gesellschaft und ihre Feinde Platon angegriffen und Aristoteles milder als Hegel gelesen; die Probe bleibt, ob Kritik und Gesetz die Herrschaft binden. Geblieben ist der Satz vom politischen Lebewesen – und die Last der Natur, mit der Aristoteles Herrschaft im Haus begründet.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
