Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945–1955
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945–1955 |
| Autor(en): | Harald Jähner
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2019 |
| Schlagwörter: | Nachkriegszeit, Trümmer, Alltag, Verdrängung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Rowohlt
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| Umfang dieser Ausgabe: | 480 Seiten |
| ISBN: | 9783737100137 |
| Verweise | |
Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945–1955 ist das 2019 bei Rowohlt Berlin erschienene Geschichtsbuch von Harald Jähner. Es erzählt, wie aus Volksgenossen allmählich wieder Bürger wurden, und versenkt sich nicht in die großen Konferenzen, sondern in Alltagsstile, Wanderungen, Schwarzhandel und das Beschweigen der Schuld. Der Titel zitiert die Rede vom Menschen, der dem Menschen ein Wolf wird, und meint die Niemandszeit in den Trümmern. Das Buch erhielt 2019 den Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Sachbuch und Essay. Die gebundene Ausgabe hat den erzählenden Ton und die Bildauswahl zusammengehalten.
Inhalt
Jähner schreibt gegen den Mythos der Stunde Null, gegen die saubere Trennung von Zusammenbruch und Neubeginn. Kontinuität faschistischer Eliten, Verdrängung und die Massenvergewaltigungen durch Soldaten der Roten Armee passen nicht zum Bild eines unbelasteten Anfangs. Die Trümmerlandschaft deutet er doppeldeutig: für Architekten ein Sandstrand neuer Baufreiheit, für andere die Entblößung eines Scheins, der immer noch fotogen war. Er spricht von gekehrter Hölle, von Schuttbergen als Kriegsendmoränen und von Trümmertourismus. Etwa vierzig Millionen Entwurzelte – Befreite, Obdachlose, Geflohene, Vertriebene – treffen aufeinander; die Alliierten fürchteten Bürgerkrieg. Die Vertriebenen werden ihm zum modernisierenden Ferment, auch wo sich neuer Rassismus gegen die Zugezogenen wendet. Ein Nationalismus auf diesem zerstrittenen Grund, schreibt er, ließ sich kaum bauen – kein schlechter Ausgang für die junge Demokratie.
Die Kapitel verdichten Alltagsbeobachtung zu einer Geschichte der Stimmungen. Zurückkehrende Männer finden selbständige Frauen vor und deuten das oft als Schamlosigkeit; Jähner widerspricht einer Opfererzählung, die Begehren und Eigensinn der Frauen unterschlägt. Raub, Plünderung und Schwarzhandel – in Berlin an sechzig Orten – werden als „fringsen“ und „organisieren“ verharmlost und lenken von den Kriegsverbrechen ab, schulen aber Kommunikation und Markterfahrung. Währungsreform, das Volkswagenwerk und Beate Uhse stehen für die Genealogie des Wirtschaftswunders; daneben die alliierte Pressepolitik und die Förderung gegenständlich gelöster Kunst, in der Jähner ein westliches Freiheitszeichen gegen den verordneten Realismus im Osten liest. Das letzte Kapitel gilt dem Beschweigen von Krieg und Judenmord: eine schwer erträgliche Anmaßung, die er mit Hermann Lübbe, Norbert Frei und Egon Bahr dennoch als Bedingung dafür liest, Millionen Mitläufer mit der Demokratie zu versöhnen.
Unsicher wird das Buch am eigenen Titel. Jähner fragt selbst, ob wirklich eine ganze Moral in den Keller geschickt worden sei, und viele Befunde widersprechen der Wildheit, die „Wolfszeit“ weckt; Rezensenten haben den Namen unglücklich genannt, weil die Wolfszeit 1933 begonnen habe. Die Fokussierung auf Westdeutschland, das städtische Milieu und die Aussparung der großen Politik erzeugen den Eindruck, das Wirtschaftswunder habe sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen. Weltpolitik findet fast nicht statt. Der Ton ist der eines Feuilletons, das zugespitzt und bildkräftig erzählt; die steilen Sätze – der Kalte Krieg als Glücksfall, Demokratisierung ohne Persilschein undenkbar – tragen die These und reizen den Widerspruch.
Einordnung
Jähner, lange Feuilletonchef der Berliner Zeitung, hat die Nachkriegszeit als Mentalitätsgeschichte lesbar gemacht, ohne Archivmonographie zu sein. Der Band steht neben den Forschungen Norbert Freis zur Vergangenheitspolitik und neben Alltagsgeschichten der Besatzungszeit, erzählt aber bewusst vom Tanzen über dem Schlund, vom Lachen im Elend. Thomas Hobbes’ Satz vom Menschen als Wolf, den der Leviathan zur Begründung der Herrschaft braucht, wird hier zur Metapher einer Gesellschaft, die sich aus dem Rudel wieder zum Bürger zusammensetzt. Die Kritik hat die Westdeutschlandlastigkeit und den stillen Blick auf 1968 vermerkt und den Erzählton gleichwohl gelobt.
Geblieben ist das Bild der gekehrten Hölle und die unbequeme Pointe, dass Verdrängung die Demokratie mitermöglicht habe. Die Rowohlt-Ausgabe hat den publizistischen Atem bewahrt; die Fachgeschichte arbeitet daneben weiter an dem, was er zugespitzt hat. Die deutschen Nachkriegsjahre erscheinen hier als Alltag, nicht als Abfolge von Konferenzen. Jähner hat Szenen gesetzt, an denen sich die Moral der Nachgeborenen reibt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
