Der Aufstand der Massen

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Der Aufstand der Massen
Autor(en): José Ortega y Gasset
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
Serie:
Erscheinungsjahr: 1929
Seitenanzahl: 223 Seiten
Originaltitel: La rebelión de las masas
Originalsprache: spanisch
ISBN-10: 3421045776
ISBN-13/

EAN-Code:

9783421045775
Schlagwörter: Masse, Elite, Europa, Zeitdiagnose
Sachgebiete: Sachbuch, Zeitdiagnose
Rezensionen
Umschlag

Der Aufstand der Massen ist die 1929 auf Spanisch erschienene Zeitdiagnose von José Ortega y Gasset, die Helene Weyl 1931 ins Deutsche brachte. Die fünfzehn Kapitel waren seit 1926 in der Madrider Zeitung El Sol vorabgedruckt worden; das Buch wurde Ortegas Hauptwerk und nach 1945 in Deutschland ein Verkaufserfolg. Ortega diagnostiziert die Massenzivilisation der Zwischenkriegszeit nicht als bloßes Anschwellen der Städte, sondern als einen psychologischen Typus: den Massenmenschen, der seine Gewöhnlichkeit kennt und sie zum Recht erklärt. Er schreibt gegen den reinen Untergangsglauben Oswald Spenglers ebenso wie gegen die Selbstbedienung im Staat, und er verlangt am Ende ein Europa jenseits der Nationalstaaten aus Blut und Sprache. Der Ton ist aristokratisch, lebensphilosophisch und polemisch; die Fachsoziologie hat ihn selten als Methode genommen, die öffentliche Rede oft als Schlagwort.

Inhalt

Das Buch richtet sich gegen die Vorstellung, Masse sei eine Kopfzahl. Ortega bestimmt sie psychologisch: Masse ist der Durchschnittsmensch, der sich wohlfühlt, wenn er merkt, dass er ist wie alle, und der die Zivilisation als Naturgegebenheit hinnimmt, ohne nach ihren Voraussetzungen zu fragen. Charakteristisch für die Gegenwart sei, dass die gewöhnliche Seele ihre Gewöhnlichkeit kennt und die Unverfrorenheit besitzt, für das Recht der Gewöhnlichkeit einzutreten. In einer guten Ordnung, so Ortega, bleibt die Masse passiv und führbar; wird sie aktiv, droht die direkte Aktion ohne Begründung, ohne Höflichkeit und ohne Rechtsweg – Syndikalismus und Faschismus gelten ihm als Beispiele. Zugleich widerspricht er dem Kulturpessimismus des Untergangs: Das historische Niveau sei gestiegen, Vermögen, Kultur und Geschlechter glichen sich an, der Durchschnittsmensch habe nie so viele Lebensmöglichkeiten besessen. Vitalität, nicht Dekadenz, sei das Zeichen der Zeit; ein Nachlassen der Lebenskraft allein wäre Niedergang.

Die Steigerung des Niveaus zeigt Ortega an der Wissenschaft selbst. An die Stelle des enzyklopädischen Gelehrten des neunzehnten Jahrhunderts trete der Fachmann, der in seiner Zelle den Fortschritt fördere wie die Biene in der Wabe, ohne das Ganze zu überblicken. Daraus hat die Wissenschaftssoziologie später die Ortega-Hypothese gezogen: dass der Fortschritt auch von der Menge mittelmäßiger Beiträge lebe. Gegen den Moralverfall setzt Ortega den Liberalismus, der mit dem schwachen Feind zusammenzuleben bereit sei; die Masse wähle stattdessen die unmittelbare Durchsetzung. Den Staat versteht er nicht als Bluts- oder Sprachgemeinschaft, sondern als Projekt einer Zusammenarbeit, als Übersetzung zwischen Gruppen, die nicht von Natur zusammengehören. Der Nationalstaat aus Verwandtschaft und Sprache sei eine Schwäche; Mussolini erscheint ihm als Massenbewegung, der Bolschewismus als Verlockung, der ein geeintes Europa überlegen sein müsse.

Am Ende bleibt das Buch absichtlich ungeschlossen. Ortega nennt es eine Annäherung an das Problem des modernen Menschen, unabhängig noch von den tieferen Mängeln der europäischen Kultur, die einer Theorie des menschlichen Lebens bedürften. Die Lebensvernunft, die razón vital, und der Perspektivismus seiner Erkenntnistheorie sind vorausgesetzt, werden aber nicht als System nachgeliefert. Die Kritik hat ihm Standesdünkel vorgeworfen und die Beobachtung, dass jeder Leser sich zur Elite rechnen darf. Ortega erwähnt weder Gustave Le Bons Massenpsychologie noch Sigmund Freuds Massenpsychologie ausdrücklich, obwohl beide das Feld bereitet hatten; er schreibt aus Spanien unter der Diktatur Primo de Riveras und aus dem Eindruck der deutschen Großstädte. Die offene Schlussformel – vielleicht werde das Mitmurmeln bald ein Schrei – hält die Diagnose in der Schwebe zwischen Analyse und Alarm.

Einordnung

In Spanien war das Buch ein Erfolg der Republikwerdung; in Deutschland entfaltete es seine Wirkung verspätet. Die Taschenbuchausgabe von 1956 verkaufte im ersten Jahr an die hunderttausend Exemplare, Konrad Adenauer griff den Massenmenschen in Reden auf, und der Band stand in der ZEIT-Bibliothek der hundert Sachbücher. Michael Stürmer hat ihn neben Karl JaspersDie geistige Situation der Zeit gestellt: dieselbe Krise, weniger System, mehr Leben, deshalb mehr Leser. Lothar Baier nannte Ortega einen aristokratischen Reaktionär ohne seriöse Methode; Eckart Pankoke las eine soziologische Variante von Friedrich Nietzsches Polemik gegen den Herdeninstinkt, anregend für den Begriff der Massengesellschaft, schwach als Wissenschaft.

Die Nachbarschaft ist die Elitekritik Julien Bendas in Der Verrat der Intellektuellen, die Massenpsychologie vor 1914 und die europäische Selbstkritik vor dem nächsten Krieg. Wer Ortega nur als Feind der Gleichheit liest, übersieht die Steigerung des Niveaus und die Absage an Spenglers Zwangsläufigkeit. Wer ihn nur als Europäer im Vorgriff feiert, übersieht, dass der Staatenbund hier gegen Sowjetplan und Massenstaat gedacht ist, nicht als Verwaltungsfrieden. Geblieben ist die Figur des zufriedenen jungen Herrn, der die Voraussetzungen seiner Behaglichkeit nicht kennt – eine Figur, die sich aktualisieren lässt, ohne dass man Ortegas Rangordnung übernehmen müsste.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.