Orlando
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Orlando |
| Autor(en): | Virginia Woolf |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Fischer Taschenbuch |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1928 |
| Seitenanzahl: | 304 Seiten |
| Originaltitel: | Orlando: A Biography |
| Originalsprache: | englisch |
| ISBN-10: | 3596907365 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783596907366 |
| Schlagwörter: | Geschlecht, Jahrhunderte, England, Verwandlung |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Orlando. Eine Biographie ist der 1928 erschienene Roman von Virginia Woolf, im Original Orlando: A Biography. Ein junger Adliger am Hof Elisabeths I. lebt dreihundert Jahre, wird zur Frau und schreibt dasselbe Gedicht zu Ende. Woolf hat das Buch Vita Sackville-West zugedacht: als Liebesbrief, als Parodie auf die Männerbiographie und als Spiel mit Zeit und Geschlecht. Die Sätze sind leicht und genau; die Jahrhunderte ziehen vorbei, als wären sie Kleider. Neben Mrs Dalloway und Die Fahrt zum Leuchtturm ist Orlando das heiterste der großen Bücher Woolfs – und das, das am unverfrorensten behauptet, ein Ich könne wechseln, ohne sich zu verlieren.
Inhalt
Orlando ist ein sechzehnjähriger Edelmann, den die greise Königin Elisabeth in ihren Hof zieht und später zum Schatzmeister und Verwalter von Knole macht. Er liebt die russische Gesandtentochter Sasha, die ihn auf der Eisbahn der Themse verführt und bei Tauwetter nach Moskau entkommt. Orlando zieht sich aufs Land zurück und schreibt an dem Gedicht The Oak Tree, das ihn durch alle Zeiten begleiten wird. Ein gescheiterter Dramatiker, Nick Greene, schmeichelt ihm und macht ihn in einem Pamphlet lächerlich. Unter Jakob I. wird Orlando Gesandter in Konstantinopel. Dort, nach Unruhen und einem siebentägigen Schlaf, erwacht er als Frau. Die Verwandlung geschieht ohne Moral und ohne Wunderapparat: Derselbe Mensch steht auf, nur das Geschlecht ist ein anderes.
Als Frau lebt Orlando eine Zeit bei einem fahrenden Volk in der Türkei, kehrt im engen Rock nach England zurück und muss lernen, dass Eigentum, Erbrecht und Anstand nun anders gelten. Die Erzherzogin Harriet, die ihn als Mann umworben hatte, erscheint als Erzherzog Harry und hält um ihre Hand an; Orlando flieht in den Park. Die Jahrhunderte wechseln das Klima und den Satzbau: Das achtzehnte bringt Salons und den Dichter Alexander Pope, das neunzehnte Krinolinen, Feuchtigkeit und den Zwang zur Ehe. Orlando heiratet den Seefahrer Marmaduke Bonthrop Shelmerdine, der so wenig ins Geschlecht passt wie sie; sie fragen einander, ob er eine Frau und sie ein Mann sei, und lassen die Frage stehen. Das Gedicht wächst.
Im Jahr 1928, Woolfs Gegenwart, fährt Orlando durch ein London aus Motoren und Kaufhäusern, kauft das Gedicht als gedruckten Band und kehrt nach Knole zurück. Unter der Eiche, mit der sie seit Elisabeths Tagen spricht, ist die Biographie am Ziel und nicht am Ende. Shelmerdine kommt aus dem Wolkenbruch, die wilde Gans fliegt über dem Park, und Orlando ruft seinen Namen. Was als Leben eines Mannes begann, schließt als Leben einer Frau, die sich erinnert, Mann gewesen zu sein, ohne eines von beiden zu bereuen. Die acht Illustrationen der Erstausgabe zeigen Vita Sackville-West in Kostümen der Jahrhunderte.
Einordnung
Woolf hat die Biographie, diese würdige Gattung der Männer und Nachlässe, zur Farce und zum Ernstfall gemacht. Zeit vergeht nicht als Psychologie, sondern als Stil: Jedes Jahrhundert hat sein Wetter, seinen Satz und seine Kleiderordnung, und Orlando geht hindurch, weil das Ich weiter ist als das Geschlecht, das die Gesellschaft ihm umhängt. Das Buch ist ein Liebesbrief an Vita Sackville-West und an Knole, das Haus, das sie als Frau nicht erben durfte; es ist zugleich die Behauptung, Literatur könne geben, was das Erbrecht verweigert. Neben dem Essay Ein Zimmer für sich allein gehört Orlando zu den Texten, in denen Woolf Geschlecht als Einrichtung beschreibt, nicht als Natur.
Die Nachwelt hat das Buch lange als Spielerei neben den „ernsten“ Romanen abgelegt. Spätere Leserinnen und Leser haben darin die Freiheit erkannt, die Woolfs anderes Werk oft nur als Sehnsucht kennt. Sally Potters Film von 1992 mit Tilda Swinton hat die Verwandlung sichtbar gemacht; die Bühne und die Oper haben nachgezogen. Wer nach Woolf über Geschlecht und Dauer spricht, kommt an diesem Band nicht vorbei: nicht weil er eine Lehre wäre, sondern weil er dreihundert Jahre braucht, um zu zeigen, dass ein Leben mehr als eine Rolle ist. Die angegebene Ausgabe folgt der Übersetzung von Brigitte Walitzek aus dem Englischen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
