Leben in Metaphern

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Leben in Metaphern
Autor(en): George Lakoff, Mark Johnson
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Carl-Auer
Serie:
Erscheinungsjahr: 1980
Seitenanzahl: 272 Seiten
Originaltitel: Metaphors We Live By
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 3896704877
ISBN-13/

EAN-Code:

9783896704870
Schlagwörter: Metapher, Körper, Bedeutung, Kognition
Sachgebiete: Sachbuch, Sprachwissenschaft
Rezensionen
Umschlag

Leben in Metaphern (englisch Metaphors We Live By) ist die 1980 erschienene Untersuchung von George Lakoff und Mark Johnson. Die Autoren behaupten, dass wir in Metaphern denken, weil wir Körper haben – nicht weil wir poetisch reden oder die Rede nachträglich schmücken.

Inhalt

Streit ist Krieg, Zeit ist Geld, mehr ist oben, gut ist hell: Solche Bilder sind keine Verzierungen am Rand der eigentlichen Bedeutung. Sie strukturieren, was wir für möglich halten, welche Schlüsse wir ziehen und welche Politik uns einleuchtet, weil sie den Gegenstand von einer Seite beleuchten und die anderen Seiten verdunkeln. Wer den Streit als Krieg denkt, sucht Sieg und Niederlage und übersieht, dass man denselben Streit als Tanz denken könnte, in dem es auf gemeinsame Bewegung ankommt. Lakoff und Johnson lösen die Metapher aus der Rhetorik, die sie als Tropus der Dichtung führte, und setzen sie in die Alltagskognition, also in das stille Wissen, mit dem wir uns in der Welt zurechtfinden. Eine Rede ohne solche Übertragungen bleibt fast nichts übrig, sobald man die scheinbar wörtlichen Wendungen prüft. Die philosophische Tradition, die die wörtliche Bedeutung für das Eigentliche und das Bild für den Schmuck hielt, erscheint hier als Irrtum mit Folgen für Wahrheit, Moral und Wissenschaft.

Das Buch führt das auf den Körper zurück. Innen und außen, Gleichgewicht, Weg und Ziel, Kraft gegen Widerstand, oben und unten: Das sind Schemata der Bewegung und der Haltung, bevor sie Begriffe werden. Bedeutung ist deshalb nicht die Zuordnung von Zeichen zu einer weltlosen Wahrheit, die der Geist unabhängig vom Leib ergreift. Sie ist verkörpert, gebunden an das, was Arme, Augen und Gleichgewichtssinn an der Welt erfahren. Ontologische Metaphern machen aus Vorgängen Dinge, mit denen man rechnen kann; orientierende Metaphern legen fest, dass Kontrolle oben liegt und Niedergeschlagenheit unten; strukturelle Metaphern übertragen ein ganzes Gefüge, etwa das des Krieges, auf ein anderes Feld. Die Lehre, die Lakoff und Johnson Objektivismus nennen – Wahrheit als Spiegel einer fertigen Welt –, verfehlt, dass jede Wahrheit in einem Rahmen steht, den der Körper und die Kultur geliefert haben. Wer den Rahmen setzt, setzt mit, was als vernünftiger Schluss gilt.

Der Ton ist essayistisch klar, mit Alltagsbeispielen und wiederkehrenden Listen, ohne den Apparat der generativen Grammatik, aus der Lakoff kam. Genau der Bruch mit Noam Chomskys Schule ist das Ereignis: Bedeutung wird hier nicht an Satzbäumen und angeborenen Formen gemessen, sondern an der Erfahrung des Leibes. Das Buch bleibt lesbar, weil es an Sätzen ansetzt, die jeder kennt, und weil es die philosophische Pointe nicht hinter Fachwörtern versteckt. Es bleibt angreifbar, weil die Beispiele oft aus dem amerikanischen Englisch stammen und die Universalität der Bilder behaupten, wo Kultur den Ausschlag geben könnte. Die spätere politische Arbeit Lakoffs über Rahmen und Wahlkampf liegt in dieser Behauptung schon bereit. Eine Stilkunde der schönen Rede findet man hier nicht; man findet eine Erkenntnistheorie, die den Alltag ernst nimmt.

Einordnung

Das Jahr 1980 gilt als Wende der kognitiven Linguistik, jener Richtung, die Bedeutung vom Körper und vom Begriffsnetz her denkt statt von der formalen Ableitung. Die Germanistik las das Buch zunächst als Beitrag zur Erzähl- und Bildtheorie; die Wahlkampfführung später als Anleitung, oft grober als die Autoren, die den Rahmen beschrieben, nicht die Manipulation empfohlen. Chomsky blieb der Gegner im Hintergrund, weil hier eine Semantik entstand, die ohne Universalgrammatik auskommen wollte. Die Kritik nennt die Universalität der Metaphern zu amerikanisch, die Listen zu suggestiv und den Sprung von der Alltagswendung zur Politik zu kurz. Geblieben ist die Erlaubnis, Bild und Begriff nicht mehr als Gegensatz zu behandeln, und ein Vokabular – Rahmen, Verkörperung, Hervorheben und Verbergen –, ohne das die öffentliche Rede über Sprache und Denken seither ärmer wäre.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.