Kunst als Sprache: Unterschied zwischen den Versionen

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''Kunst als Sprache'' bündelt deutsche Auswahlen aus den Tartuer Arbeiten zu den Zeichensystemen: die Schule lebte in Heften, nicht nur in Monographien.
''Kunst als Sprache. Untersuchungen zum Zeichencharakter von Literatur und Kunst'' ist die 1981 in Leipzig bei Reclam erschienene deutsche Auswahl aus den Arbeiten [[Autor:Jurij M. Lotman|Jurij M. Lotman]]s, herausgegeben von Klaus Städtke, mit einem Essay von Ewald Lang. Die Schule von Tartu lebte in den Heften ''Trudy po znakovym sistemam''; dieser Band macht aus verstreuten Untersuchungen ein Buch für den deutschsprachigen Leser. Eine ISBN der DDR-Ausgabe fehlt; Amazon führt deshalb kein fremdes Cover. Semiosphäre, Grenze, Typologie der Kulturen: Motive, die hier versammelt liegen, bevor sie in späteren Monographien Namen bekamen.


== Inhalt ==
== Inhalt ==


Die Trudy po znakovym sistemam sind das Organ Tartus. Wer nur Lotmans dicke Bücher kennt, hat die Zeitschrift übersprungen, in der die Schule sich als Wir schrieb. Semiosphäre, Grenze, Typologie der Kulturen: Motive, die hier verstreut liegen.
Lotman behandelt die Kunst als sekundäres modellbildendes System: Sie ist Sprache, aber nicht die Alltagssprache, und sie modelliert die Welt, indem sie eigene Regeln der Bedeutung setzt. Grenze, Innen und Außen, das Sujet als Ereignis, das eine Grenze überschreitet – die Kulturwissenschaft hat diese Figuren übernommen, oft ohne die Hefte, in denen sie zuerst standen. Der Band führt von allgemeinen semiotischen Thesen zu Pushkin, zum Theater des frühen 19. Jahrhunderts, zu Pasternak. Tartu schreibt sich als Wir; die deutsche Auswahl macht daraus Kapitel. Genau so kam die Schule in die Proseminare: als Buch, nicht als Abonnement.


Die deutsche Auswahl macht aus Heften ein Buch. Genau so kam Tartu in die Proseminare: als Kapitel, nicht als Abonnement. Der Sammelband ist kein Verfasserwerk und doch unentbehrlich.
Gegen die Pariser Härte von [[Autor:Algirdas Julien Greimas|A. J. Greimas]]’ ''[[Strukturelle Semantik]]'' setzt Lotman die Kultur als Raum, nicht nur das Raster der Relationen. Greimas zerlegt Bedeutung in Aktanten und Quadrate; Lotman fragt, wie Kulturen Texte umgeben und ausschließen. Die Lücken der Übersetzung sind Teil der Rezeption: Was in Tartu als Fortsetzung eines Hefts erschien, liegt hier als geschlossene Untersuchung vor. Städtkes Nachwort und Langs Exkurs über den Denkstil markieren, dass der Band Vermittlung ist, nicht das Organ selbst.


Im Essay steht er, weil Tartu in Heften Tartu war. Die Lücken der Übersetzung sind Teil der Rezeption.
Die westdeutsche Lotman-Rezeption lief lange über Suhrkamp und ''[[Die Struktur literarischer Texte]]''; die Leipziger Auswahl blieb die DDR-Adresse derselben Semiotik. Die Kritik nannte die Zusammenstellung eklektisch und die Begriffe zu weit. Geblieben ist der Satz, dass Kunst eine Sprache ist, die die Welt modelliert, und dass Tartu in Heften Tartu war. Wer nur die dicken Bücher kennt, hat diese Auswahl übersprungen, in der die Schule sich als Kapitel lesen ließ.


== Einordnung ==
== Einordnung ==


Im Tartu-Essay ist der Sammelband das Organ. Lotman bleibt die Monographie.
Der Sammelband ist das Organ Tartus auf Deutsch, soweit die Hefte selbst nicht abonniert wurden. Lotman bleibt der Verfasser; die Monographie steht daneben, die Zeitschrift dahinter. Neben Greimas’ Pariser Semantik und dem russischen Formalismus, den Tartu beerbt, ohne ihn zu wiederholen, ist dies der Text, der Kultur als Zeichensystem in die germanistischen Seminare der achtziger Jahre holte. Wer seither Semiosphäre sagt, spricht oft hinter diesem Band – auch wo er ein späteres Buch meint.


[[Kategorie:Sachbuch]]
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Aktuelle Version vom 25. August 2026, 21:12 Uhr

Jurij M. Lotman · 1981 · Sachbuch, Literaturwissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Kunst als Sprache
Autor(en): Jurij M. Lotman
Herausgeber: Klaus Städtke
Originalsprache: russisch
Erstveröffentlichung: 1981
Schlagwörter: Zeichensystem, Semiotik, Tartu, Literatur
Sachgebiete: Sachbuch, Literaturwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam
Serie: Reclams Universal-Bibliothek
Umfang dieser Ausgabe: 500 Seiten
ISBN:
Verweise


Kunst als Sprache. Untersuchungen zum Zeichencharakter von Literatur und Kunst ist die 1981 in Leipzig bei Reclam erschienene deutsche Auswahl aus den Arbeiten Jurij M. Lotmans, herausgegeben von Klaus Städtke, mit einem Essay von Ewald Lang. Die Schule von Tartu lebte in den Heften Trudy po znakovym sistemam; dieser Band macht aus verstreuten Untersuchungen ein Buch für den deutschsprachigen Leser. Eine ISBN der DDR-Ausgabe fehlt; Amazon führt deshalb kein fremdes Cover. Semiosphäre, Grenze, Typologie der Kulturen: Motive, die hier versammelt liegen, bevor sie in späteren Monographien Namen bekamen.

Inhalt

Lotman behandelt die Kunst als sekundäres modellbildendes System: Sie ist Sprache, aber nicht die Alltagssprache, und sie modelliert die Welt, indem sie eigene Regeln der Bedeutung setzt. Grenze, Innen und Außen, das Sujet als Ereignis, das eine Grenze überschreitet – die Kulturwissenschaft hat diese Figuren übernommen, oft ohne die Hefte, in denen sie zuerst standen. Der Band führt von allgemeinen semiotischen Thesen zu Pushkin, zum Theater des frühen 19. Jahrhunderts, zu Pasternak. Tartu schreibt sich als Wir; die deutsche Auswahl macht daraus Kapitel. Genau so kam die Schule in die Proseminare: als Buch, nicht als Abonnement.

Gegen die Pariser Härte von A. J. GreimasStrukturelle Semantik setzt Lotman die Kultur als Raum, nicht nur das Raster der Relationen. Greimas zerlegt Bedeutung in Aktanten und Quadrate; Lotman fragt, wie Kulturen Texte umgeben und ausschließen. Die Lücken der Übersetzung sind Teil der Rezeption: Was in Tartu als Fortsetzung eines Hefts erschien, liegt hier als geschlossene Untersuchung vor. Städtkes Nachwort und Langs Exkurs über den Denkstil markieren, dass der Band Vermittlung ist, nicht das Organ selbst.

Die westdeutsche Lotman-Rezeption lief lange über Suhrkamp und Die Struktur literarischer Texte; die Leipziger Auswahl blieb die DDR-Adresse derselben Semiotik. Die Kritik nannte die Zusammenstellung eklektisch und die Begriffe zu weit. Geblieben ist der Satz, dass Kunst eine Sprache ist, die die Welt modelliert, und dass Tartu in Heften Tartu war. Wer nur die dicken Bücher kennt, hat diese Auswahl übersprungen, in der die Schule sich als Kapitel lesen ließ.

Einordnung

Der Sammelband ist das Organ Tartus auf Deutsch, soweit die Hefte selbst nicht abonniert wurden. Lotman bleibt der Verfasser; die Monographie steht daneben, die Zeitschrift dahinter. Neben Greimas’ Pariser Semantik und dem russischen Formalismus, den Tartu beerbt, ohne ihn zu wiederholen, ist dies der Text, der Kultur als Zeichensystem in die germanistischen Seminare der achtziger Jahre holte. Wer seither Semiosphäre sagt, spricht oft hinter diesem Band – auch wo er ein späteres Buch meint.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.