Die Schrift und die Differenz: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 23. August 2026, 20:41 Uhr
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die Schrift und die Differenz |
| Autor(en): | Jacques Derrida |
| Originaltitel: | L’écriture et la différence |
| Originalsprache: | französisch |
| Erstveröffentlichung: | 1967 |
| Schlagwörter: | Schrift, Differenz, Logozentrismus, Spur |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 444 Seiten |
| ISBN: | 9783518277775 |
| Verweise | |
Die Schrift und die Differenz (französisch L’écriture et la différence) ist der 1967 erschienene Aufsatzband von Jacques Derrida. Zusammen mit der Grammatologie und der Stimme und dem Phänomen bildet er das Dreigestirn, in dem die Dekonstruktion öffentlich wurde: nicht als Lehre, sondern als Art, philosophische Texte so zu lesen, dass ihr eigener Rand sie verschiebt. Elf Aufsätze gelten Descartes, Hegel, Freud, Husserl, Heidegger, Levinas, Foucault, Artaud und den Wissenschaften vom Menschen. Die deutsche Ausgabe erschien im Suhrkamp Verlag und hat die Germanistik und die Literaturtheorie nach 1970 umgestellt. Der Band zählt, weil er den Vorrang der Stimme und der lebendigen Gegenwart angreift, ohne die Philosophie zu verlassen.
Inhalt
Derrida schreibt gegen den Logozentrismus, die abendländische Gewohnheit, Sinn in der lebendigen Stimme, der Gegenwart des sprechenden Subjekts, zu suchen und die Schrift als bloßes Hilfsmittel oder Verfall zu behandeln. Über die Philosophie hinauszugehen heiße nicht, ihr den Rücken zuzukehren, sondern die Philosophen auf eine bestimmte Weise zu lesen. Die elf Aufsätze tun das an Descartes und dem Wahnsinn, an Hegel und der beschränkten Ökonomie, an Freud und dem Schauplatz der Schrift, an Husserl, Heidegger, Levinas, Foucault, Artaud, Bataille und den Wissenschaften vom Menschen. Überall dieselbe Geste: Was als Ursprung auftritt, ist schon Spur. Der Band öffnet 1967 denselben Gestus, den die Grammatologie im selben Jahr systematisiert.
Im Aufsatz über Levinas wird Metaphysik als Gewalt lesbar, weil sie das Andere ins Selbe zieht; Derrida folgt der Kritik und zeigt, wo sie selbst noch der Stimme des Seins verhaftet bleibt. Freud erscheint nicht als Entdecker eines Inneren, sondern als Denker einer Schrift, die das Unbewusste als Bahn und Nachträglichkeit organisiert. Der beschließende Text über Struktur, Zeichen und Spiel im Diskurs der Wissenschaften vom Menschen setzt an die Stelle des zentrierten Gefüges das Spiel: Bedeutung, die sich nicht in einem festen Grund schließt. Différance, Aufschub und Unterschied in einem, fällt hier noch nicht als Wort der Grammatologie, aber die Sache ist da – das Immer-noch-nicht der vollen Gegenwart. Die Lektüre Foucaults zum Wahnsinn hat einen öffentlichen Streit entzündet, der den Band über die Fachphilosophie hinausgetragen hat.
Der Band ist keine Monographie. Er sammelt Vorträge und Aufsätze der sechziger Jahre und lässt Brüche stehen. Derrida wiederholt, umkreist, zitiert, bis der Leser die Geduld verliert, und genau diese Geduld ist das Ethos der Lektüre, die er verlangt. Wo Foucault den Wahnsinn historisch einsperrt, liest Derrida Descartes’ Cogito als Einschluss, der den Wahnsinn nicht widerlegt, sondern ausschließt. Die Gegenprobe bleibt eingebaut: Jede dieser Lektüren kann selbst als Gewalt erscheinen, als Überwältigung des Textes durch eine Methode, die keine sein will. Derrida bestreitet die Methode und praktiziert sie.
Einordnung
1967 erschien derselbe Gestus dreifach; die Grammatologie systematisiert, was dieser Band vorführt. Martin Heideggers Sein und Zeit bleibt der Vorgänger der Destruktion; Edmund Husserls Logische Untersuchungen der Gegner, an dem die Phänomenologie auf die Schrift hin geöffnet wird. Die Wirkung auf Literaturwissenschaft, Psychoanalyse und die Rede vom Anderen war enorm und oft verdünnt: Dekonstruktion wurde zur Technik, Texte zu zerlegen, wo Derrida eine Verantwortung der Lektüre meinte. Die Aufsätze bleiben Übungen, keine Summe; ihre Kraft liegt darin, dass sie die Philosophie nicht verlassen, indem sie sie anders lesen.
Die Kritik ist alt: unleserlich, apolitisch, ein Spiel, das Herrschaft in Metaphern auflöst, wo Michel Foucault in Überwachen und Strafen Anstalten nennt. Beides hat die Aufnahme nicht gebrochen. Wer nach 1968 über Ursprung, Stimme und die Unmöglichkeit unmittelbaren Sinns spricht, spricht hinter diesem Band oder gegen ihn. Die Germanistik hat die Aufsätze oft als Methode der Textzerlegung genommen und dabei die philosophische Wette unterschlagen.
Ideen
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
