Wiedersehen mit Brideshead: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Bookpedia Bücher einfach erklärt
Zur Navigation springen Zur Suche springen
(Neuer Werkartikel, ausführlicher Inhalt.)
 
(Urheberrecht: geschützte Wortlaute und zu nahe Kindler-/Wikipedia-Folgen umformuliert)
 
Zeile 25: Zeile 25:
 
Sebastian trinkt, zuerst als Spiel, dann als Flucht. Die Mutter setzt Aufpasser ein, die Bindung lockert sich, Charles verlässt Oxford ohne Abschluss und wird Architekturmaler. Jahre später trifft er Julia auf einem Dampfer von New York nach England; beide sind unglücklich verheiratet, Julia an den Emporkömmling '''Rex Mottram''', Charles an eine Frau, die ihn nicht hält. Sie beginnen ein Verhältnis und betreiben die Scheidung, als wäre das Haus noch ein Ort, an dem man sich einrichten könnte. Sebastian ist längst fort, in Marokko, dem Alkohol und schließlich einem Kloster als Pförtner. Lady Marchmain stirbt. Der Besitz bröckelt, ohne dass jemand den Mut hat, ihn aufzugeben. Waugh lässt die Zwischenkriegszeit nicht als Fest erscheinen, sondern als langes Zu-spät: Jeder kennt die Regel und handelt, als gälte sie nur für die anderen.
 
Sebastian trinkt, zuerst als Spiel, dann als Flucht. Die Mutter setzt Aufpasser ein, die Bindung lockert sich, Charles verlässt Oxford ohne Abschluss und wird Architekturmaler. Jahre später trifft er Julia auf einem Dampfer von New York nach England; beide sind unglücklich verheiratet, Julia an den Emporkömmling '''Rex Mottram''', Charles an eine Frau, die ihn nicht hält. Sie beginnen ein Verhältnis und betreiben die Scheidung, als wäre das Haus noch ein Ort, an dem man sich einrichten könnte. Sebastian ist längst fort, in Marokko, dem Alkohol und schließlich einem Kloster als Pförtner. Lady Marchmain stirbt. Der Besitz bröckelt, ohne dass jemand den Mut hat, ihn aufzugeben. Waugh lässt die Zwischenkriegszeit nicht als Fest erscheinen, sondern als langes Zu-spät: Jeder kennt die Regel und handelt, als gälte sie nur für die anderen.
  
Kurz vor dem Krieg kehrt Lord Marchmain nach Brideshead zurück, um zu sterben. Am Totenbett versammeln sich die Kinder, Charles, der Priester. Der alte Mann, der den Glauben jahrzehntelang verachtet hat, gibt im letzten Augenblick ein Zeichen der Reue; Julia, die Charles heiraten wollte, kehrt in die Kirche zurück und trennt sich von ihm, weil er nach katholischem Recht verheiratet bleibt. Die Gnade, von der Waugh sprach, erscheint hier nicht als Trost, sondern als Ruck an einer Leine, ein Bild aus den Pater-Brown-Geschichten [[Autor:G. K. Chesterton|G. K. Chesterton]]s, das der Roman zitiert. Im Rahmen der Kriegsgegenwart betritt Charles die Schlosskapelle und spricht ein Gebet, »eine alte, neu gelernte Form von Worten«. Ob er gläubig geworden ist, bleibt angedeutet, nicht gefeiert. Brideshead ist Kaserne, die Flytes sind zerstreut, und die Erinnerung hat das Haus genauer bewahrt als die Bewohner.
+
Kurz vor dem Krieg kehrt Lord Marchmain nach Brideshead zurück, um zu sterben. Am Totenbett versammeln sich die Kinder, Charles, der Priester. Der alte Mann, der den Glauben jahrzehntelang verachtet hat, gibt im letzten Augenblick ein Zeichen der Reue; Julia, die Charles heiraten wollte, kehrt in die Kirche zurück und trennt sich von ihm, weil er nach katholischem Recht verheiratet bleibt. Die Gnade, von der Waugh sprach, erscheint hier nicht als Trost, sondern als Ruck an einer Leine, ein Bild aus den Pater-Brown-Geschichten [[Autor:G. K. Chesterton|G. K. Chesterton]]s, das der Roman zitiert. Im Rahmen der Kriegsgegenwart betritt Charles die Schlosskapelle und spricht ein Gebet, alte Worte, die er neu gelernt hat. Ob er gläubig geworden ist, bleibt angedeutet, nicht gefeiert. Brideshead ist Kaserne, die Flytes sind zerstreut, und die Erinnerung hat das Haus genauer bewahrt als die Bewohner.
  
 
== Einordnung ==
 
== Einordnung ==
Zeile 37: Zeile 37:
  
 
{{KI-Hinweis|Grok 4.6, xAI}}
 
{{KI-Hinweis|Grok 4.6, xAI}}
 +
{{KI-Korrektur|Grok 4.6, xAI}}

Aktuelle Version vom 22. August 2026, 17:46 Uhr

Daten zum Buch
Deutscher Titel: Wiedersehen mit Brideshead
Autor(en): Evelyn Waugh
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Diogenes
Serie:
Erscheinungsjahr: 1945
Seitenanzahl: 544 Seiten
Originaltitel: Brideshead Revisited
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 3257243197
ISBN-13/

EAN-Code:

9783257243192
Schlagwörter: Adel, Glaube, Oxford, Erinnerung
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Wiedersehen mit Brideshead ist der 1945 erschienene Roman von Evelyn Waugh, im Original Brideshead Revisited. The Sacred and Profane Memories of Captain Charles Ryder. Waugh, 1930 zum Katholizismus übergetreten, schrieb das Buch 1944 im Diensturlaub und nannte es den Versuch, das Wirken der Gnade in einer heidnischen Welt nachzuzeichnen. Erzählt wird der Zerfall der katholischen Adelsfamilie Flyte zwischen den Kriegen, gesehen durch den Agnostiker Charles Ryder, der das Haus liebt und den Glauben lange für eine Marotte hält. Der Band wurde zum bekanntesten Werk Waughs, weit über die früheren Gesellschaftssatiren hinaus. Die deutsche Neuübersetzung von Pociao erschien bei Diogenes.

Inhalt

Im Zweiten Weltkrieg wird Hauptmann Charles Ryder mit seiner Einheit auf einem Adelssitz einquartiert und erkennt Brideshead, das Schloss, das seine Jugend geprägt hat. Die Erinnerung setzt 1922 in Oxford ein. Charles, ungeliebter Sohn eines bürgerlichen Hauses, befreundet sich mit Sebastian Flyte, dem jüngeren Sohn des Marquess of Marchmain: Champagner, der Teddybär Aloysius, Nachmittage, die das Studium ersetzen. Sebastian nimmt ihn nach Brideshead mit. Dort herrscht die fromme Lady Marchmain, während der Vater mit einer Geliebten in Venedig lebt. Die ältere Schwester Julia, der steife Bridey und die gläubige jüngste Cordelia bilden eine Welt, in der Schönheit und Regel denselben Raum teilen. Charles, der Maler werden will, wird halber Hausgenosse. Die Freundschaft mit Sebastian trägt eine Zärtlichkeit, die der Roman nicht beim Namen nennen muss und die Sebastian später als Einengung empfindet, sobald Charles zur Familie gehört.

Sebastian trinkt, zuerst als Spiel, dann als Flucht. Die Mutter setzt Aufpasser ein, die Bindung lockert sich, Charles verlässt Oxford ohne Abschluss und wird Architekturmaler. Jahre später trifft er Julia auf einem Dampfer von New York nach England; beide sind unglücklich verheiratet, Julia an den Emporkömmling Rex Mottram, Charles an eine Frau, die ihn nicht hält. Sie beginnen ein Verhältnis und betreiben die Scheidung, als wäre das Haus noch ein Ort, an dem man sich einrichten könnte. Sebastian ist längst fort, in Marokko, dem Alkohol und schließlich einem Kloster als Pförtner. Lady Marchmain stirbt. Der Besitz bröckelt, ohne dass jemand den Mut hat, ihn aufzugeben. Waugh lässt die Zwischenkriegszeit nicht als Fest erscheinen, sondern als langes Zu-spät: Jeder kennt die Regel und handelt, als gälte sie nur für die anderen.

Kurz vor dem Krieg kehrt Lord Marchmain nach Brideshead zurück, um zu sterben. Am Totenbett versammeln sich die Kinder, Charles, der Priester. Der alte Mann, der den Glauben jahrzehntelang verachtet hat, gibt im letzten Augenblick ein Zeichen der Reue; Julia, die Charles heiraten wollte, kehrt in die Kirche zurück und trennt sich von ihm, weil er nach katholischem Recht verheiratet bleibt. Die Gnade, von der Waugh sprach, erscheint hier nicht als Trost, sondern als Ruck an einer Leine, ein Bild aus den Pater-Brown-Geschichten G. K. Chestertons, das der Roman zitiert. Im Rahmen der Kriegsgegenwart betritt Charles die Schlosskapelle und spricht ein Gebet, alte Worte, die er neu gelernt hat. Ob er gläubig geworden ist, bleibt angedeutet, nicht gefeiert. Brideshead ist Kaserne, die Flytes sind zerstreut, und die Erinnerung hat das Haus genauer bewahrt als die Bewohner.

Einordnung

Waugh hat später im Vorwort der überarbeiteten Fassung von 1960 geschrieben, er habe 1944 den Untergang der Herrenhäuser zu dick aufgetragen: eine Lobrede an einem leeren Sarg. Der Roman bleibt trotzdem das englische Buch über eine Klasse, die ihre Häuser für Kunstwerke hielt und ihre Seelen für verhandelbar. Gegenüber Fitzgeralds Der große Gatsby, mit dem man ihn gern vergleicht, ist Waugh kälter und frommer: Das Geld erklärt die Flytes nicht, der Katechismus tut es, auch dort, wo er sie unglücklich macht. Bridey sammelt Streichholzschachteln, Julia zerreißt sich zwischen Begehren und Beichte, Cordelia allein trägt den Glauben ohne Gift. Die homoerotische Freundschaft der Oxford-Jahre ist weder Skandalstück noch Nebenhandlung; sie ist die Tür, durch die Charles ins Haus kommt, und sie schließt sich, sobald das Haus ihn schluckt.

Die Fernsehfassung von 1981 mit Jeremy Irons und Anthony Andrews, gedreht auf Castle Howard, hat den Roman zum Inbegriff britischer Erinnerungspracht gemacht und oft die Theologie hinter dem Marmor verschwinden lassen. Der Kinofilm von 2008 kürzte weiter und machte aus Julia und Charles ein Paar, dem nur die Kirche im Weg steht. Waugh meinte etwas Unbequemeres: dass die Gnade die Menschen holt, wenn der Widerstand erloschen ist, und dass dieser Holvorgang keine Gerechtigkeit im irdischen Sinn ist. Wer nach Waugh über den englischen Katholizismus und den Adel zwischen den Kriegen spricht, spricht hinter diesem Band; wer ihn für eine Kostümgeschichte hält, hat den Totenbettsegen und die Kapelle im Krieg nicht gelesen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

Später durchgesehen: Ein zweites KI-Sprachmodell hat den Text geprüft und einzelne Formulierungen berichtigt (Grok 4.6, xAI). Bestand, Auswahl und Ausgabendaten blieben dabei unverändert; welche Sätze geändert wurden, zeigt die Versionsgeschichte.