Männerphantasien: Unterschied zwischen den Versionen

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Theweleit nimmt das Schrifttum der Freikorps und der Rechten nach 1918 ernst, statt nur die Exilliteratur des späteren Dritten Reichs. In Autobiographien, Romanen, Tagebüchern und Bildern findet er ein festes Muster. Die Frau erscheint doppelt: weiß, rein, muttergleich und ohne Begehren – oder rot, proletarisch, verschlingend. Beide Bilder dienen der Abwehr. Der Mann hält sich zusammen, indem er das Lebendige draußen tötet oder erstarrt. Der Faschismus ist hier nicht zuerst eine Lehre, sondern eine Art, den Körper zu schließen.
 
Theweleit nimmt das Schrifttum der Freikorps und der Rechten nach 1918 ernst, statt nur die Exilliteratur des späteren Dritten Reichs. In Autobiographien, Romanen, Tagebüchern und Bildern findet er ein festes Muster. Die Frau erscheint doppelt: weiß, rein, muttergleich und ohne Begehren – oder rot, proletarisch, verschlingend. Beide Bilder dienen der Abwehr. Der Mann hält sich zusammen, indem er das Lebendige draußen tötet oder erstarrt. Der Faschismus ist hier nicht zuerst eine Lehre, sondern eine Art, den Körper zu schließen.
  
Das Fließende ist die Bedrohung: Wasser, Masse, Vermischung, die Großstadt, der Bolschewismus, die Sexualität. Dagegen wächst der Körperpanzer, das Hartbleiben, die Front. Antisemitismus und Terror gegen Arbeiterinnen und Arbeiter folgen aus derselben Angst, infiltriert zu werden. Theweleit stützt sich auf die Psychoanalyse, auf [[Autor:Norbert Elias|Norbert Elias]], auf Canetti und auf Deleuze und Guattari, ohne die Tätertexte zur bloßen Illustration einer Theorie zu machen. Der Drill in den Anstalten, sagt er, erzeugt ein Ich, das nur von außen Halt hat und deshalb militärische Ganzheiten braucht.
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Bedrohlich ist für diese Männer alles Fließende: Wasser und Masse, Vermischung, die Großstadt, der Bolschewismus, die Sexualität. Dagegen wächst, was Theweleit den Körperpanzer nennt – Hartbleiben und Front, eine Haut, die nichts durchlassen soll. Antisemitismus und Terror gegen Arbeiterinnen und Arbeiter folgen aus derselben Angst, infiltriert zu werden. Theweleit stützt sich auf die Psychoanalyse, auf [[Autor:Norbert Elias|Norbert Elias]], auf Canetti und auf Deleuze und Guattari, ohne die Tätertexte zur bloßen Illustration einer Theorie zu machen. Der Drill in den Anstalten, sagt er, erzeugt ein Ich, das nur von außen Halt hat und deshalb militärische Ganzheiten braucht.
  
Der zweite Band führt aus, wie amorphe Masse in Volk, Rasse und Nation umgebaut wird: unterworfene Ordnung gegen das Verschlungenwerden. Theweleit widerspricht der älteren Deutung, der weiße Terror sei ausagierte Triebhaftigkeit. Gewalt diene hier dazu, das eigene Begehren stillzulegen, nicht es auszuleben. Herrschaft erscheint als Brüderschaft ohne Vater, als Juniorat. Das Buch ist lang, bildreich, unakademisch im Ton und genau in der Behauptung. Es ist eine Dissertation, die das Seminar verlassen hat.
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Der zweite Band führt aus, wie amorphe Masse in Volk, Rasse und Nation umgebaut wird. Unterworfene Ordnung soll das Gefühl ersetzen, verschlungen zu werden. Theweleit widerspricht der älteren Deutung, der weiße Terror sei ausagierte Triebhaftigkeit. Gewalt diene hier dazu, das eigene Begehren stillzulegen, nicht es auszuleben. Herrschaft erscheint als Brüderschaft ohne Vater, als Juniorat. Das Buch ist lang, bildreich, unakademisch im Ton und genau in der Behauptung. Es ist eine Dissertation, die das Seminar verlassen hat.
  
 
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Kaum ein germanistisches Buch der siebziger Jahre hat so weit über das Fach hinaus gewirkt. Genderforschung, Kulturwissenschaft und die öffentliche Rede über Männlichkeit haben Theweleits Panzer und Flut übernommen, oft verdünnt. Die Kritik nannte den Umgang mit den Quellen nachlässig und den Ton zu sicher. Beides hat die Wirkung nicht gebrochen. Wer nach 1977 über den Zusammenhang von Geschlecht und faschistischer Gewalt spricht, spricht hinter diesem Buch oder gegen es – selten daran vorbei.
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Kaum ein germanistisches Buch der siebziger Jahre hat so weit über das Fach hinaus gewirkt. Geschlechterforschung, Kulturwissenschaft und die öffentliche Rede über Männlichkeit haben Theweleits Panzer und Flut übernommen, oft verdünnt. Die Kritik nannte den Umgang mit den Quellen nachlässig und den Ton zu sicher. Beides hat die Wirkung nicht gebrochen. Wer nach 1977 über den Zusammenhang von Geschlecht und faschistischer Gewalt spricht, spricht hinter diesem Buch oder gegen es – selten daran vorbei.
  
 
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Aktuelle Version vom 21. August 2026, 15:08 Uhr

Klaus Theweleit · 1977 · Sachbuch, Kulturwissenschaft
Das Werk
Deutscher Titel: Männerphantasien
Autor(en): Klaus Theweleit


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1977
Schlagwörter: Faschismus, Männlichkeit, Freikorps, Körper
Sachgebiete: Sachbuch, Kulturwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Matthes & Seitz


Umfang dieser Ausgabe: 1278 Seiten
ISBN: 9783957577597
Verweise
Umschlag

Männerphantasien ist die 1977 und 1978 in zwei Bänden erschienene Untersuchung von Klaus Theweleit. Der erste Band heißt Frauen, Fluten, Körper, Geschichte, der zweite Männerkörper – zur Psychoanalyse des weißen Terrors. Theweleit liest die Bücher der Freikorps und fragt, welche Angst vor Frauen und vor dem eigenen Inneren den soldatischen Mann zur Gewalt treibt.

Inhalt

Theweleit nimmt das Schrifttum der Freikorps und der Rechten nach 1918 ernst, statt nur die Exilliteratur des späteren Dritten Reichs. In Autobiographien, Romanen, Tagebüchern und Bildern findet er ein festes Muster. Die Frau erscheint doppelt: weiß, rein, muttergleich und ohne Begehren – oder rot, proletarisch, verschlingend. Beide Bilder dienen der Abwehr. Der Mann hält sich zusammen, indem er das Lebendige draußen tötet oder erstarrt. Der Faschismus ist hier nicht zuerst eine Lehre, sondern eine Art, den Körper zu schließen.

Bedrohlich ist für diese Männer alles Fließende: Wasser und Masse, Vermischung, die Großstadt, der Bolschewismus, die Sexualität. Dagegen wächst, was Theweleit den Körperpanzer nennt – Hartbleiben und Front, eine Haut, die nichts durchlassen soll. Antisemitismus und Terror gegen Arbeiterinnen und Arbeiter folgen aus derselben Angst, infiltriert zu werden. Theweleit stützt sich auf die Psychoanalyse, auf Norbert Elias, auf Canetti und auf Deleuze und Guattari, ohne die Tätertexte zur bloßen Illustration einer Theorie zu machen. Der Drill in den Anstalten, sagt er, erzeugt ein Ich, das nur von außen Halt hat und deshalb militärische Ganzheiten braucht.

Der zweite Band führt aus, wie amorphe Masse in Volk, Rasse und Nation umgebaut wird. Unterworfene Ordnung soll das Gefühl ersetzen, verschlungen zu werden. Theweleit widerspricht der älteren Deutung, der weiße Terror sei ausagierte Triebhaftigkeit. Gewalt diene hier dazu, das eigene Begehren stillzulegen, nicht es auszuleben. Herrschaft erscheint als Brüderschaft ohne Vater, als Juniorat. Das Buch ist lang, bildreich, unakademisch im Ton und genau in der Behauptung. Es ist eine Dissertation, die das Seminar verlassen hat.

Einordnung

Kaum ein germanistisches Buch der siebziger Jahre hat so weit über das Fach hinaus gewirkt. Geschlechterforschung, Kulturwissenschaft und die öffentliche Rede über Männlichkeit haben Theweleits Panzer und Flut übernommen, oft verdünnt. Die Kritik nannte den Umgang mit den Quellen nachlässig und den Ton zu sicher. Beides hat die Wirkung nicht gebrochen. Wer nach 1977 über den Zusammenhang von Geschlecht und faschistischer Gewalt spricht, spricht hinter diesem Buch oder gegen es – selten daran vorbei.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.